Historische Zeitungen zur Bankenkrise

Manchmal lohnt es sich, in alten Zeitungen zu stöbern. Dankenswerterweise scannt die Österreichische Nationalbibliothek bereits seit 2003 historische Zeitschriften ein und stellt sie in einem stetig wachsenden Archiv auf „ANNO“ (Austrian Newspapers Online) öffentlich zum Abruf bereit.

Leider sind die Texte noch nicht durchsuchbar, daher hier mal so zwei Beispiele – aus gegebenem Anlass sozusagen:

Schutz für die Zentralbank Deutscher Sparkassen

Die Regierungsaktion im Gange.

Neue Freie Presse, 1. Juli 1926 (Quelle: ANNO/ÖNB)

Es ist kein sehr angenehmes Geschäft, immerdar als Beschwichtigungshofrat anzurücken. Die Rolle des Alarmisten ist weitaus dankbarer, denn in Österreich ist es ja schon zu einer Art Gesellschaftsspiel geworden, den Pessimismus in allen Variationen: Schwarz, Schwärzer und am Schwärzesten zur Schau zu tragen. […] [Aber] diesmal muß doch die Beschwichtigung ganz ernst gefordert werden und die Regierung hat erkannt, die Quelle der Gerüchte müsse verstopft werden und gleich von Anfang an dürfe kein Zweifel obwalten über den Schutz der Einleger, über die Verteidigung des Vertrauens und über die Gewißheit der ökonomischen Kampfkraft. Was ist das Wesen der Zentralbank Deutscher Sparkassen? Sie ist eine Art Dachgesellschaft für die meisten großen Sparkassen von Österreich. Sie steht insbesonders mit Graz, Salzburg und Niederösterreich in der innigsten Verbindung, und wenn erst einmal diese kleinen Leute in Bewegung kommen, wenn man bis aufs Land hinaus die Furcht erwecken würde wegen der Sicherheit der hinterlegten Gelder, dann Gnade uns Gott, dann müßte eine neue Periode wirtschaftlicher Krise beginnen durch die Lähmung der kleinen und kleinsten Zellen, durch die Schädigung jener Kapillargefäße, die für den Gesamtorganismus genau dieselbe Wichtigkeit besitzen wie die großen Arterien.

Eine solche Krise wird nicht erfolgen. Die Bundesregierung übernimmt nach dem amtlichen Communiqué die Vorsorge für die Sicherung der Einlagen, das bedeutet eine förmliche Haftung, und sie hat zu gleicher Zeit den naturgemäßen Schutz aus dieser Verpflichtung gezogen, indem sie den Oberkurator der Niederösterreichischen Hypothekenanstalt, Herrn Streeruwitz, damit beauftragt, die Aktion zum Schutze der Einleger durchzuführen. Es ist also beinahe eine Verstaatlichung, die hier ganz plötzlich ins Leben tritt, es ist jedenfalls das Äußerste, was ein Ministerium für ein Privatinstitut zu leisten vermag, und so wird heute das ganze Publikum erfahren, ein Sturm auf die Schalter wäre ganz unberechtigt und genügende Mittel sind vorhanden, um ihm die Spitze zu bieten. […]

— Neue Freie Presse1) am 1. Juli 1926 (Quelle)

 

Wirkungen der Krise

Die Kreditanstalt muß vom Staat gestützt werden.

Das Kleine Blatt, 12. Mai 1931 (Quelle: ANNO/ÖNB)

Die wachsende Wirtschaftskrise hat nun auch die größte österreichische Bank, die Kreditanstalt, in solch schwierige Lage gebracht, daß sich die Regierung gezwungen sah, sie mit der gewaltigen Summe von einhundert Millionen Schilling zu stützen. Der Staat übernimmt um 100 Millionen Schilling Aktien dieser Bank und sichert dadurch diese Bank von den weiteren Gefahren.

Diese Gefahren hätten nicht allein dem Hause Rothschild gedroht, welches Haupteigentümer der Kreditanstalt ist. Denn die Kreditanstalt finanziert nicht weniger als siebzig Prozent der ganzen österreichischen Industrie, und der gute Teil der Industrie, die da noch ist, beruht vielfach darauf, daß die Betriebe der Kreditanstalt fortgeführt werden. Eine Erschütterung der Kreditanstalt hätte auf das ganze österreichische Wirtschaftsleben wie ein Orkan gewirkt. Es war also ganz gewiß ein unabweisliches Gebot der Not, alles zu unternehmen, um diese Gefahren zu bannen.

Was sich da aber zugetragen hat, ist von allergrößter Bedeutung. Rothschild, das war der ungekrönte König Österreichs. Die Kreditanstalt, an deren Spitze er steht, beherrscht, wie schon bemerkt, nicht allein siebzig Prozent der österreichischen Industrie, sondern durch seine großen Banken in Prag, Budapest und Warschau große Teile der Industrien des alten österreichisch-ungarischen Wirtschaftsgebietes. Seit anderthalb Jahrhunderten war es so, daß jedwelche Regierung in Österreich, die Geld bedurfte, sich an Rothschild wenden musste; es ist das erstemal in der Geschichte des Hauses Rothschild, daß sich dieser Finanzkönig an die Regierung um Hilfe wenden muß, daß Staatsgelder, Steuergelder aufgeboten werden müssen, um eine Rothschildbank zu stützen, damit die ganze Wirtschaft nicht erschüttert werde.

Rothschild, die Kreditanstalt, ist freilich nur ein Glied in dieser Kette. Was sind da Staatsgelder zur Sanierung österreichischer Banken verpulvert worden! Von der Zentralbank der deutschen Sparkassen mit ihrem Schwarm von Winkelbanken über die Unionbank und Bodenkreditanstalt bis zur Kreditanstalt führt eine Linie. Nichts vermag anschaulicher das völlige Versagen des Kapitalismus zu erweisen, der in den Banken seine höchste Entwicklungsform gefunden hat, als diese endlose Kette der Bankenzusammenbrüche, die von hunderttausenden Arbeitern und Angestellten mit Arbeitslosigkeit und Hunger, die von der ganzen Bevölkerung mit vermehrten Steuern bezahlt werden mußten. Die Banken beherrschen das ganze Wirtschaftsleben, aber sie verstehen es nicht mehr zu führen. Und am Ende muß der Staat mit seinen öffentlichen Mitteln einspringen, muß die Banken stützen, muß für die Fehler und die Spekulationen ihrer Generaldirektoren aufkommen, um das größere Übel einer Wirtschaftszerrüttung zu verhüten. Der Kapitalismus ist am Ende seiner Weisheit. Er ist außerstande, die Menschen mit Arbeit und Nahrung zu versorgen, er ist außerstande, die Produktion überhaupt auch nur fortzuführen. Er wankt von Krise zu Krise, schleudert die Menschen in immer tiefere Not und muss am Ende selbst bei der staatlichen Gemeinschaft Hilfe in seiner Not heischen, die er beherrscht und ausbeutet. Was bleibt dann von seiner vielgepriesenen Wirksamkeit übrig? Die Zeit des Sterbens der kapitalistischen Wirtschaftsordnung ist gekommen. Der Krampf, unter dem sich der Kapitalismus windet, ist der Todeskrampf einer Wirtschaftsordnung, die ihre Tage erfüllt hat.

— Das kleine Blatt2) am 12. Mai 1931 (Quelle)

 

Und da heißt es immer, nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern…

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  1. Neue Freie Presse – heute: „Die Presse“ [↑]
  2. Das Kleine Blatt – Sozialistisches Kleinformat, ähnliche Ausrichtung wie Arbeiterzeitung „AZ“, aber volksnäher im Schreibstil [↑]

Beten mit Radio Horeb

Passt grad so schön, weil heut Sonntag war: Ein Gebetsdialog zwischen Radiosprecher und Anruferin auf dem katholischen Radiosender „Horeb“…

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

(Play-Button drücken oder MP3 direkt runterladen)

Für Interessierte: Es handelt sich wohl um den sogenannten „gnadenreichen Wundenrosenkranz“.  Leider habe ich den Aufnahmeknopf erst ca. zur Halbzeit gedrückt. Aber laut Programm dürften sie Ähnliches ohnehin mehrmals pro Tag senden.

Der meditative Charakter des stillen Rosenkranzgebets wollte sich mir hier ja nicht so recht erschließen, aber da fehlt mir wohl einfach nur der richtige Zugang…

PS: Ich hab grad eine tolle Idee für eine 0190er-Mehrwertnummer – ihr wisst schon, diese Abzockgeschichten, wo’s nur drum geht, die Anrufer möglichst lange in der Leitung zu halten. Könnte man mit etwas Geschick vielleicht sogar automatisieren ;-)

Endlich! Mein Handy strahlt nicht mehr!

Aus meiner beliebten Deppentest-Reihe…

Was seh ich denn da, in der Auslage der Trafik meines geringsten Vertrauens?

Was seh ich denn da, in der Auslage der Trafik meines geringsten Vertrauens?

Das schauen wir uns doch mal genauer an…

Endlich! Mein Handy STRAHLT NICHT MEHR!!!

Schützen auch Sie sich vor gefährlicher Handy-Strahlung und Elektro-Smog!

 

Das schauen wir uns doch mal genauer an…

Der erste Chip, den ich kenne, der sich nach einem Jahr selbst zerstört. Hat was von Mission Impossible…

Mit dem chip energy life haben Sie um nur € 7,– 1 Jahr lang einen Schutz vor Handy-Strahlen.

 

Der erste Chip, den ich kenne, der sich nach einem Jahr selbst zerstört. Hat was von Mission Impossible…

Fernbedienungen, die unterschätzte Strahlengefahr in jedem Haushalt. Schützen Sie sich jetzt, für nur 7 EUR pro Jahr!

Geeignet für:

  • Handy
  • Schnurlostelefon
  • Babyphon
  • Navigationsgerät
  • Computer
  • Laptop
  • Bildschirm
  • TV-Gerät
  • SAT-Schüssel
  • Radio
  • FAX
  • Kopierer
  • Fernbedienung
  • Mikrowelle

 

Fernbedienungen, die unterschätzte Strahlengefahr in jedem Haushalt. Schützen Sie sich jetzt, für nur 7 EUR pro Jahr!

Ach was, doppelt hält besser:

Ach was, doppelt hält besser: machen wir 14 EUR!

So wird der Energy life Chip am Handy angebracht:

WICHTIG Pro Handy 2 Chip! [sic!]

1. Chip: Innenseite des Akkus
2. Chip: Rückseite des Handys

 

Und wie … äh … „funktioniert“ das Ganze?

Und so … äh … ‚funktioniert‘ das Ganze

Natürliche Schwingungsinformationen werden mittels Informations-Bio-Laser (IBL) auf den Chip gespeichert (vergleichbar mit CD-Brenner). Dies bewirkt, dass die schädliche Handy-Strahlung repolarisiert wird (von negativ auf positiv). Jetzt kann die Energie wieder normal fließen.

 

Ah ja.

Was, wenn Bischof Wagner Recht hat?

Warum Weihbischof Wagner sich lieber nicht wünschen sollte, dass Hurrikan Katrina eine Strafe Gottes war…

Der neue Linzer Weihbischof Wagner schrieb in seinem Leid und Menschen verachtenden Pfarrbrief, Hurrikan Katrina habe „nicht nur alle Nachtclubs und Bordelle vernichtet, sondern auch alle fünf (!) Abtreibungskliniken“. Und wäre Katrina nicht gewesen, hätte zwei Tage später „im französischen Viertel eine Parade mit 125.000 Homosexuellen“ stattgefunden. „Christen, die dagegen protestierten, sollen laut Presseberichten im Vorjahr ins Gefängnis gesperrt worden sein.“

Nun, ganz richtig ist das nicht…

Katrina hat nicht „alle Nachtclubs und Bordelle vernichtet“, wie Wagner in einer Art Sodom und Gomorrha-Rausch schreibt. Ganz im Gegenteil: Das French Quarter – das Amüsierviertel von New Orleans, mit all seinen Bars, Bordellen und einer höchst lebendigen Schwulenszene – blieb als einer der ganz wenigen Flecken der Stadt von Hurrikan und Fluten weitestgehend verschont. Wie durch ein Wunder, möchte man fast sagen. Auch auf die Abtreibungsquote – wie immer man dazu stehen mag – hatte die Katastrophe keinen nachhaltigen Einfluss.

Ungleich härter getroffen hingegen hat Katrina die katholische Kirche von New Orleans. Der Gesamtschaden belief sich auf fast 300 Millionen Dollar. 36 kath. Kirchenhäuser und Pfarrgemeinden mussten infolge des Hurrikans für immer aufgegeben werden. Die wegen der Schäden, sowie aus demographischen und finanziellen Gründen notwendig gewordenen Restrukturierungen dauern immer noch an. Christen, die dagegen protestierten, sollen laut Presseberichten Anfang 2009 ins Gefängnis gesperrt worden sein.

Wäre ich abergläubisch, würde ich mich an Stelle Wagners ja fragen, warum jene, die laut Pfarrbrief auf Seite des Guten protestierten, durch den Hurrikan so viel mehr verloren, als jene, gegen die sie protestierten. Und warum sie immer im Gefängnis landen… ;-)

Das BZÖ im Spiegel der Evolution

Zur letzten Nationalratswahl hat Stefan Petzner fürs BZÖ die besten Plakate des Wahlkampfs abgeliefert, so der Tenor vieler Beobachter. Kein Wunder, dass der Mann für den anstehenden Kärnten-Wahlkampf wieder ran musste.

BZÖ Wahlplakat 2009 – ‚Wir bewahren das Gute‘

Doch was ist hier passiert?

Verkrampfte Posen1), flaches Licht und ebensolche Slogans. Irgendwie uninspiriert.

Nun ja, etwas dürfte Petzner da angesichts seiner Parteikollegen schon inspiriert haben…

BZÖ im Spiegel der Evolution … oder so

Ja ja, das Unterbewusstsein is a Hund.

Falls mich wer sucht, ich bin in der Garage – Radmuttern kontrollieren.

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  1. Sollte Uwe Scheuch wirklich an Rheuma leiden, möchte ich natürlich keinesfalls pietätlos wirken – vielleicht hat er aber auch nur Dörflers Scheit gegen’s Knie bekommen? [↑]

Dieses Kaufhaus wird von Norton geschützt

In Paris wurden vorgestern erst nach einem Bekennerschreiben mehrere Sprengsätze in einem Kaufhaus entdeckt. Im Linzer „Passage“ könnte das nicht passieren:

Passage-Kaufhaus Linz: Norton Security Scan – Es wurden Bedrohungen erkannt

Passage-Kaufhaus Linz: Norton Security Scan – Es wurden Bedrohungen erkannt

Passage-Kaufhaus Linz: Norton Security Scan – Es wurden Bedrohungen erkannt

Passage Linz Vidiwall: „Norton Security Scan – Es wurden Bedrohungen erkannt. Beheben Sie diese Bedrohungen.“

„Das frrreie Worrrt“ der Kronen Zeitung

Frage: Wie kriegt man möglichst schnell einen Überblick über das Spektrum rechtsradikaler, revisionistischer1) und neonazistischer Seiten im deutschsprachigen Internet? Man googelt einfach ein paar Zitate aus einem Krone-Leserbrief.

Die folgende Zuschrift erschien letzten Donnerstag in der Kronen Zeitung, zu einem harmlosen Thema, eigentlich. Extra grau hinterlegt, mit Foto als Blickfang und Rahmen drum rum. Eine besondere Auszeichnung im „freien Wort“ und Hinweis, dass Herausgeber und Redaktion diesen Brief wohl für besonders lesenswert halten:

Verhindert Internet Kriege?

Kronen Zeitung, Do. 11. Dez. 2008, S. 30

„[…] Hätte Internet nach dem für Deutschland verlorenen Krieg den sinnlosen Mord an 500.000 Flüchtlingen, Alten, Frauen und Kindern in Dresden verhindern können? Wohl kaum, denn Sir Winston Churchill hätte den Befehl, „die Flüchtlinge aus dem Osten in Dresden zu braten“, auch ausgegeben, wenn es damals schon Internet gegeben hätte […]“

(Quelle: Kronen Zeitung, 11. 12. 2008, S. 30)

 

Eins vorweg: die Angriffe auf Dresden und andere Städte waren verheerend und eine derartige Flächenbombardierung der Zivilbevölkerung würde heute zu Recht als Kriegsverbrechen eingestuft. Allerdings sprechen seriöse Quellen von etwa 25.000 Opfern in Dresden. Immer noch viel zu viele, aber nicht annähernd die vom Leserbriefschreiber behauptete halbe Million. Wo kommt so eine Zahl her? Nun, fragen wir Google.

Einmal Irving

Gleich der erste Link führt auf eine Propagandaseite, die von Google Deutschland sogar ausgeblendet werden muss und daher nur bei google.at aufscheint. Diesen Müll sollte man sich aber sowieso lieber sparen. Interessanter ist diese Seite, die sehr übersichtlich Aufschluss darüber gibt, woher die Zahl im Krone-Leserbrief stammen könnte:

Zahlenangaben – Dresden, alliierte Luftangriffe

  • 135.00 Opfer
    Diese Zahl geht auf David Irving zurück.
  • 202.040 Opfer
    Diese Zahl wurde von David Irving verbreitet. Sie beruht auf einem gefälschten Polizeibericht von 1945. [Die Nazis hatten einfach an jede Zahl eine Null angefügt; Anm.]
  • 250.000 bis 500.000 Opfer
    Diese Zahlen tauchen in diversen rechtsextremen Publikationen auf und haben meist keinerlei dokumentarische Grundlage oder gehen auf die gefälschte Zahl von 202.040 Opfern zurück.

Quelle »

 

Irving ist ein verurteilter Holocaust-Leugner und -Relativierer. Tja, und so führt die Frage nach der Herkunft dieser schauerlichen Zahlen auch gleich unmittelbar zu ihrem Zweck.

Zweimal Irving

Wir erinnern uns, Herr P. aus S. schrieb auch noch, Churchill habe den Befehl gegeben, „die Flüchtlinge aus dem Osten in Dresden zu braten“.

Die Anführungszeichen deuten auf ein Zitat hin. Aber wie authentisch ist es? Kann Google hier noch mal weiter helfen?

Es kann. Doch was hier als Suchergebnis kommt, lässt sich am besten wie eingangs beschreiben: als buntes Spektrum neonazistischer, revisionistischer und rechtsextremer „Heimseiten“. Es ist wirklich – und das hat man selten – praktisch keine „normale“ Seite im Suchergebnis dabei.

Dafür wimmelt es vor seltsamen keltischen Runen (die Swastika ist ja verboten), zwanghaft eingedeutschten Begriffen, Judenfeindlichkeit und Geschichtsverdrehungen. Von „Dresden-Holocaust“ ist hier zB die Rede und man kann sich des Eindrucks kaum erwehren, dass Churchill fast der schlimmere Hitler war, in den Augen dieser Menschen.

Und die Quelle für das angebliche Zitat finden wir auch – es ist immer dieselbe:

[…] Der britische Zeitgeschichtler David Irving zitierte am 13. Februar 1990 anläßlich eines Vortrags zum 45. Jahrestag der Vernichtung von Dresden im Dresdner Kulturpalast den Kriegsverbrecher Churchill: „Ich möchte keine Vorschläge haben, wie wir kriegswichtige Ziele im Umland von Dresden zerstören können, ich möchte Vorschläge haben, wie wir 600.000 Flüchtlinge aus Breslau in Dresden braten können.“

(Quelle: suche selbst, wer unbedingt mag)

 

Hm, einmal Irving als mögliche Quelle in einem Krone-Leserbrief, das kann auch ein unglücklicher Zufall sein. Aber zweimal Irving…?

Die Ecke, aus der das Gedankengut des Briefes kommt, ist mangels alternativer Quellen jedenfalls klar. Aber man musste auch schon vorher kein Geschichtsexperte sein, um bei den im Brief gezeichneten Bildern ins Grübeln zu kommen.

Und Dichand?

Der veröffentlicht diese revisionistische Propaganda, die sich ins dunkelbraunste rechte Eck zurückführen lässt, nicht nur kommentarlos, er und seine Redaktion finden den Brief auch noch so toll, dass sie ihn optisch sogar besonders hervorheben, auf ihrer Krone-Leserbriefseite.

Bei so viel Geschichtsbewusstsein ist es wirklich gut, dass wir in Österreich ein Verbotsgesetz haben. So bleibt uns zumindest das Ärgste erspart, im „freien Wort“ der Krone.

 

Update 20:49 Uhr:
Eben sehe ich nebenan im Krone-Blog, dass im frrreien Worrrt bereits ungeniert über „Untermenschen“ fabuliert werden darf.  Ich war wohl zu optimistisch, was das Ersparen betrifft… :-(

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  1. Revisionismus: Der Versuch, die Geschichte umzudeuten (zB Leugnung/Relativierung des Holocausts [↑]

Meine Bank ist schlechter versichert als mein Auto

Mit drei Millionen Euro, freiwillig oft mit zehn und mehr Millionen, ist jeder Autofahrer gegen Gefahren versichert, die von seinem KFZ ausgehen. Banken haften für ihre Online-Banking-Systeme nicht mal mit einem Bruchteil, wenn überhaupt…

Die Auto-Haftpflicht kann auch schlagend werden, wenn den Halter keine Schuld an einem Unfall trifft. Die Betriebsgefahr alleine – also die bloße Existenz im Straßenverkehr – kann manchmal schon reichen.1)

Anderes Thema: Online-Banking

Im Zahlungsverkehr geht’s zwar nicht unmittelbar um Leib und Leben, aber es kann auch so einiges schief gehen, ohne dass die Bank ursächlich ein Verschulden treffen muss. Vielleicht war ein Hacker auch einfach mal nur zu gut.

Man darf davon ausgehen, dass für einen solchen Fall ähnliche Vorkehrungen getroffen wurden, wie beim Auto. Denn auch hier birgt das bloße Zur-Verfügung-Stellen eines technischen Systems ein erhebliches Betriebsrisiko in sich. Und natürlich geht’s bei Banken recht schnell um ganz andere Summen, wie wir nicht erst seit jüngster Vergangenheit wissen.

Also raten wir mal

Wie hoch wird hier die Haftung sein? Fünf Millionen? Zehn Millionen? 50…?

Weit gefehlt. Gerade mal zwei Millionen sind’s bei meiner Sparkasse.2) Okay, für mein Konto sollte das gerade reichen. Dummerweise ist das aber die maximale Gesamthaftungssumme für alle Geschädigten. Der einzelne Kunde wird bis maximal 20.000 EUR entschädigt. Und: „Übersteigt der Gesamtschaden die Höchstgrenze, so verringern sich die Ersatzansprüche der einzelnen Geschädigten anteilsmäßig.“

Wer bietet weniger?

Und da hab ich’s noch gut erwischt. Bei der Raiffeisenbank Salzburg3) und der Volksbank4) (die ihre AGB schön voneinander abgeschrieben haben) sind’s gerade mal läppische 100.000 Euro für den Gesamtschaden und 5.000 pro Konto. Aber auch nur, wenn der Schaden nicht „durch einen Dritten“ verursacht wurde. Geht man hier also bei bankfremden Hackern generell leer aus?

Immer noch zuviel?

Den absoluten Vogel schießt aber die Hypo OÖ ab. Bei der kriegt man ganz unmissverständlich5) genau 0 (in Worten: Null) Euro, wenn ein Hacker das Konto leer räumt. Lapidar heißt es dort: „Für den […] aus – auch rechtswidrigen – Eingriffen […] entstehenden Schaden haftet die Bank nicht“.

Und um dem die Krone aufzusetzen, schließt sie gleich auch noch bei leichter Fahrlässigkeit die Haftung aus. Fahrlässigkeit auf Seiten der Bank, versteht sich.

Selber schuld

Und soll jetzt keiner sagen, der Eintritt eines solchen Schadens sei eh total unwahrscheinlich. Warum wird er dann in den Bedingungen auf den Euro genau abgehandelt? Und warum werden dann nicht einfach viel höhere Haftungssummen angeboten, wenn die Banken eh in ihre Systeme vertrauen?

Echt, ein bissi blöd sind wir schon alle miteinand, dass wir uns das bieten lassen.

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  1. Wenn zB das geparkte Auto abbrennt und dabei den LKW nebenan mit anzündet. [↑]
  2. Sparkasse
    6) Haftung des Kunden: […] Haftet das Kreditinstitut für Schäden, die einem Kunden durch einen Fehler in Einrichtungen des Kreditinstitutes zur automatisierten Datenverarbeitung verursacht wurden, ohne dass ein vom Kreditinstitut zu vertretendes Verschulden vorliegt, [sprich: die Bank hat nach dem Stand der Technik nichts falsch gemacht, aber am Konto fehlt jetzt trotzdem Geld] so ist diese Haftung pro schädigendem Ereignis gegenüber jedem einzelnen Kunden zu höchstens EUR 20.000 und überdies insgesamt gegenüber allen Kunden auf höchstens EUR 2.000.000 beschränkt. Übersteigt der Gesamtschaden die Höchstgrenze, so verringern sich die Ersatzansprüche der einzelnen Geschädigten anteilsmäßig. (Quelle) [↑]
  3. Raiffeisenbank Salzburg
    9. Haftung der Raiffeisenbank: Sollte die Raiffeisenbank für Schäden haften, die durch einen Fehler in den Einrichtungen der Raiffeisenbank zur automatisierten Datenverarbeitung verursacht wurden, ohne dass ein von der Raiffeisenbank zu vertretendes Verschulden vorläge, so ist diese Haftung pro schädigendem Ereignis und geschädigtem Kontoinhaber auf EUR 5.000,00 und überdies insgesamt gegenüber allen Kunden auf höchstens EUR 100.000,00 begrenzt. Die Raiffeisenbank trifft jedenfalls keine Haftung, wenn der Schaden durch einen unabhängigen Dritten oder sonst durch ein unabwendbares Ereignis verursacht wurde, das weder auf einen Fehler in der Beschaffenheit noch auf einem Versagen der Mittel der automationsunterstützten Datenverarbeitung der Raiffeisenbank beruht. (Quelle) [↑]
  4. Volksbank
    Haftung: […] Sollte die Bank für Schäden haften, die durch einen Fehler in ihren Einrichtungen zur automatisierten Datenverarbeitung verursacht wurden, ohne dass ein von ihr zu vertretendes Verschulden vorliegt, so ist diese Haftung pro schädigendem Ereignis und geschädigtem Kontoinhaber auf EUR 5.000,00 und überdies insgesamt gegenüber allen Kunden auf höchstens EUR 100.000,00 begrenzt. Die Bank trifft jedoch keinesfalls eine Haftung, wenn der Schaden durch einen Dritten oder durch ein unabwendbares Ereignis verursacht wurde, das weder auf einem Fehler in der Beschaffenheit noch auf einem Versagen der Mittel ihrer automationsunterstützten Datenverarbeitung beruht. (Quelle) [↑]
  5. Hypo OÖ
    11. Haftung: […] Für den […] aus – auch rechtswidrigen – Eingriffen in technische Einrichtungen der Bank oder ins übrige System entstehenden Schaden haftet die Bank nicht, es sei denn, sie hat den Schaden vorsätzlich oder grob fahrlässig verursacht, und dann nur in dem Maße, in dem sie im Verhältnis zu anderen Ursachen an der Entstehung des Schadens mitgewirkt hat. (Quelle) [↑]

Jörg Haider – jetzt spricht die Hauptwitwe

Nun ist es offiziell: Jörg Haider war nicht homosexuell. Sozusagen amtlich bestätigt von der, die es ja wissen muss, dass ihr Mann kein vor seiner Frau geheim gehaltenes Doppelleben führte.

Und viel zu schnell betrunken unterwegs war er natürlich auch nicht, nachdem er angewidert „D A S Szenelokal in Klagenfurt“ verlassen hatte. Das weiß sie mit genau der selben Gewissheit.

Steht alles im Bunte-Interview – leider gab’s da nur ein kleines Problem…

Claudia Haider – Ein dummer Praktikantenfehler sollte erneut große Unruhe in ihr Leben bringen…

Mehr im Archiv (Keywords: Claudia/Claudio, Jörg Haider, Unfall, Tod, schwul, Nebenwitwe, Witwe, Bunte, Illustrierte, Deutschland, Interview, Karikatur, Cartoon, Zeichnung)

Grundeinkommen – Grüne zu feig für Visionen?

Ein bemerkenswerter Pflichtfilm unserer eidgenössischen Freunde zum Thema „bedingungsloses Grundeinkommen“, der sich in eine Reihe mit „We Feed the World“ oder „Lets Make Money“ stellt. Hier der Trailer:

Flash-Player herunterladen
[Youtube-Video]

Trailer zu „Kulturimpuls Grundeinkommen – Ein Film-Essay von Daniel Häni und Enno Schmidt“ (via Ehrensenf)

Neugierig geworden? Den ganzen Film (98 Min.) kann man sich hier online ansehen (und auch gleich in DVD-Qualität für öffentliche, nichtkommerzielle Vorführungen herunterladen).

Grundeinkommen ohne Bedingungen – eine Utopie?

In Brasilien – natürlich bei ganz anderen Verhältnissen – schon heute nicht mehr. Und wie heißt es im Film so treffend: „Jede spätere Zeit macht ernst mit dem, was zuvor nur gedacht wurde.“

Aber keine Bange, noch muss sich bei uns keiner fürchten. Denn mal ehrlich, in welcher Parlamentspartei wird gedacht in Österreich, wo sind die politischen Visionen zuhause? Wer käme nach dem Niedergang des LIF überhaupt noch infrage, diese Idee auf die politische Agenda zu setzen? Vielleicht die Grünen? Aber wer denkt denn an so was…

Eine [sic!] bedingungsloses Grundeinkommen für alle, so wie etwa von der katholischen Sozialakademie gefordert, sieht Öllinger skeptisch. Die Debatte innerhalb der katholischen Kirche rund um diesen Vorschlag bezeichnete er zwar als interessant. „Es ist schon spannend über die Entkoppelung von Arbeit und Einkommen in unserer Zeit nachzudenken, aber woher sollte man diese großen Summen, die dazu notwendig wären, nehmen?“, fragte Öllinger und betonte, dass das gesamte Sozialbudget zur Deckung eines bedingungslosen Grundeinkommens für alle nicht reichen würde. (Quelle)

 

Statt über mutige und visionäre Konzepte an Profil zu gewinnen, ergehen sich die Grünen lieber darin, liebevoll die marginalen Unterschiede zwischen dem grünen und roten Grundsicherungsmodell großzuschwätzen. Ungefähr so spannend wie der Steuerausgleich vom letzten Jahr.

Öllinger hätte es auch kürzer mit dem alten Helmut Schmidt sagen können: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“

Ich sag ja gar nicht, dass ich jetzt glühender Verfechter eines bedingungslosen Grundeinkommens wäre – aber eine tabufreie Diskussion, ein öffentliches Laut-darüber-Nachdenken und Abwägen aller Für und Wider, das hätte ich mir schon gewünscht. Gerade in einer Zeit, wo wohl auch der Letzte langsam begreift, dass es zumindest „so“ nicht ewig weitergehen kann.