Archiv für die Kategorie ‘Wissenschaftliches’

Das „Dark Web“-Projekt

Mittwoch, 24. Oktober 2007

Gestern im ZDF: Ein hochinteressanter Beitrag über das „Dark Web“-Projekt1) der Universität von Tucson2) in Arizona. Wie filtert man in der Terrorfahndung aus Milliarden Postings im Internet jene Kommunikation heraus, die relevant sein könnte? Wie findet man die Anführer und ihre Beziehungen im Internet, ohne in der Flut von Information zu ertrinken?

Genau das wird in Tucson versucht. Die dort entwickelte Software erstellt aus Wortlänge, Zeichensetzung, Satzbau und Inhalt von Internetbeiträgen eindeutige „Fingerabdrücke“ der Autoren. Insgesamt bis zu 30.000 Einzelmerkmale werden für so einen Abdruck ausgewertet. Es soll daher nahezu unmöglich sein, sich so zu verstellen, dass man die Software dauerhaft überlisten kann. Haben die Fahnder einmal eine Textprobe von einem radikalen Rädelsführer, kann er im Internet nicht mehr anonym posten. Nach wenigen Beiträgen ist er anhand seines Profils automatisch identifizierbar.

Auch für Laien beeindruckend, die Einblicke in die eigentlich hochgeheime Software im ZDF-Video:

Dark Web, Trojaner war gestern – Normaler Forenteilnehmer

Hier das Profil eines gewöhnlichen Forumbesuchers. Er ist unsicher, seine Beiträge und Fragen gehen Queerbeet, es gibt keine klare Ausrichtung.

 

Hier hingegen zwei Autoren mit buchstäblich gefestigtem Themenkreis. Der Autor rechts verherrlicht außerdem Gewalt und wird als gefährlich eingestuft. Die Software findet auch die Schlüsselbegriffe in den Beiträgen und hebt sie grafisch hervor.

Dark Web, Trojaner war gestern – ‚Forum Expert‘ mit Themenschwerpunkt Religion

Dark Web, Trojaner war gestern – Gewaltverherrlichender Autor mit klarem Themenkreis


Dark Web, Trojaner war gestern – Beziehungsdiagramm

Anhand von Beziehungsdiagrammen wird sichtbar, wie die Autoren im Netz zueinander stehen. Trojaner? Das war gestern.

 

Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis derartige Software auch abseits der Terrorabwehr3) Eingang in unser Leben findet. Sei es als aufschlussreiches Tool für Webmaster und Forenteilnehmer, zur Spam-Analyse oder auch, um von „Ghostwritern“ verfasste Diplomarbeiten aufzudecken und anonyme Insider, die Geheimnisse aus sensiblen Bereichen ausplaudern.

ha|ns

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  1. Tja, dazu hab ich jetzt nicht mal einen Wikipedia-Link, warum wohl 😉 [↑]
  2. Sprich: ‚tuhsan‘ [↑]
  3. Wer definiert eigentlich, wer ein Terrorist ist…? [↑]

Darwin vs. „Intelligent Design“

Mittwoch, 19. September 2007

(Foto: http://www.flickr.com/photos/cpurrin1/)

Kreationisten, das sind die, die die Lehre von der Evolution aus den Schulen raus haben wollen, um sie durch die biblische Schöpfungsgeschichte zu ersetzen.

Dass dies, von einigen, meist eher skurrilen Ausnahmen abgesehen, ein hauptsächlich US-amerikanisches Phänomen ist, könnte paradoxerweise auch in der strikten Trennung von Kirche und Staat in den USA mit begründet liegen. Deshalb gibt es dort nämlich keinen Religionsunterricht an den Schulen. Vor diesem Hintergrund wird vielleicht etwas verständlicher, dass die Kreationisten nun halt auf Teufel komm raus (ups) versuchen, ihre Sicht der Dinge als Wissenschaft zu verkaufen. Um halt über diese Hintertür in die Schulen und Köpfe der jungen Menschen zu gelangen.

Dummerweise können zwei gegensätzliche Theorien mit wissenschaftlichem Anspruch in den Lehrplänen nicht ähnlich koexistieren wie bei uns Religions- und Biologieunterricht. Wohl nicht zuletzt auch deshalb gibt es in den USA einen ziemlich erbitterten Verdrängungskrieg zwischen den beiden Fraktionen.

Der Standard berichtet aber heute über eine möglicherweise erste Annäherung zwischen den beiden Seiten. Völlig unmöglich sollte es nicht sein, denn, seien wir mal ehrlich, so weit sind sie ja in Wahrheit auch wieder nicht auseinander:

[youtube KdocQHsPCNM]
„Magic man done it“ – der Britische Comedian Robin Ince zum Thema Kreationismus (englisch)

Das Gleichnis von der Taschenuhr

Da fällt mir noch ein, an unsere Schule kam irgendwann auch mal eine Vortragende, die folgenden Vergleich gebracht hat:

(Foto: http://www.flickr.com/photos/csaba_bajko/)

Man zerlege eine Taschenuhr in alle ihre Einzelteile. Werfe diese in eine Schachtel, und versuche diese so lange zu schütteln, bis daraus wieder eine funktionierende Uhr werde. Jeder weiß, dass die Teile nicht zufällig zusammenfinden, sondern das Werk eines Uhrmachers dahinter steht. Sei es da bei etwas ungleich Komplexerem, wie dem Menschen, nicht viel wahrscheinlicher, dass auch er nicht „zufällig“ entstanden sei, sondern es auch hier einen Schöpfer gäbe?

 

Dabei ist doch gerade die Uhr ein wunderbares Beispiel für eine evolutionäre Entwicklung. Von der ersten Sonnenuhr bis zu den Atomen in Braunschweig. Eigentlich ziemlich abwegig zu denken, dass es einen Uhrmacher gegeben habe, der irgendwann, sozusagen völlig aus dem Nichts heraus, die Teile schuf und zu dem zusammenfügte, was wir heute am Handgelenk tragen.

ha|ns