Archiv für die Kategorie ‘Unterwegs’

Österreich-Werbung wirbt für Esoterik-Schwindel

Mittwoch, 6. März 2013
Fangen wir positiv an. So sieht großartige Tourismuswerbung aus: Vimeo-Video: Inspired by Iceland. Und nun zu Österreich... CNN hat gestern unseren internationalen Claim "It's got to be Austria" an die Spitze der fragwürdigsten Tourismus-Slogans der Welt gereiht. Halb scherzhaft schlägt der Autor in Anlehnung an "unseren" Terminator einen besseren Slogan vor: "Austria -- You’ll Be Back." Das ist ja alles nicht so ernst. Wirklich fragwürdig ist aber, wofür die Österreich-Werbung so Werbung macht. Hier das meistgeklickte Video auf einem ihrer offiziellen Youtube-Kanäle: Österreich-Werbung - Granderwasser [youtube RNfJSysvrGk] Youtube-Video: Belebtes Wasser aus Österreich Ja richtig, den Klickrekord hält dort seit ca. vier Jahren ein Propagandafilmchen für "belebtes" Grander-Wasser. Einen mehrfach gerichtsanhängigen Esoterik-Schwindel, für dessen behauptete Effekte es keinen einzigen wissenschaftlich haltbaren Beleg gibt. Abgesehen vielleicht von den ca. 13 Millionen (!) Euro, die für diesen Humbug jährlich in die Kassen findiger Tiroler fließen. Die freuen sich folgerichtig auch sehr über diesen Film, über den man auf der Grander-Homepage Erstaunliches erfährt:
Österreich-Werbung - GranderIm Auftrag der Österreich Werbung (www.austria.info) zeigt Jörg Pfeifer in einem Film (4,20 min), was am belebten Wasser aus Jochberg dran ist ...
"Im Auftrag der Österreich-Werbung" -- die sich zum größten Teil aus Steuergeldern und Pflichtbeiträgen der Wirtschaftskammer finanziert. Ich muss mich korrigieren, irgendwas ist an diesem Wasser doch dran, denn das stinkt gewaltig!

9/11

Sonntag, 11. September 2011
Der Zufall wollte es, dass ich heute vor genau zehn Jahren mit einer Gruppe von Freunden und Studienkollegen auf Urlaub in New York war. Die folgenden Bilder, und weitgehend unverändert auch die Texte, stammen aus dem Backup eines längst verschollenen Webalbums, das ich nach unserer Heimkehr für meine Fotos erstellt hatte. Der heutige Jahrestag hat mich endlich dazu bewogen, diese Erinnerungen dem Vergessen zu entreißen -- auch dem eigenen -- und euch hier von einem zehn Jahre jüngeren Ich schildern zu lassen, wie das "damals" war, aus seiner Sicht...   Ich bin sicher, ich habe vor Ort viel länger gebraucht, das Ganze zu realisieren, als viele der Millionen Menschen, die die Ereignisse im Fernsehen mitverfolgt haben. Drei Tage vor seinem Einsturz waren wir noch selber auf dem Südturm. Haben uns im 107. Stock den simulierten Heli-Flug über Manhattan gegeben. Die Greenbox gesehen, vor der Touristen sich ablichten ließen, um übergroß in Souvenirbilder einmontiert zu werden, wie sie scheinbar auf den Dachkanten der Türme balancieren oder mit lachendem Gesicht von ihnen herabfallen. Haben unsere Nasen an die vom Boden bis zur Decke reichenden Fensterscheiben gedrückt, so dass uns nur mehr das Plexiglas vom 400 Meter tiefen Abgrund trennte. Auf der Plattform ganz oben die unglaubliche Aussicht genossen. Wir blieben vom späten Nachmittag bis zum Abend, um auch die Lichter der Stadt sehen zu können. Unten am Plaza habe ich noch ein letztes Mal hochgesehen. Diese beiden gewaltigen Tower gleichzeitig im Blick gehabt. Ich erinnere mich, dass ich den WTC-Plaza teilweise rückwärts gehend verlassen habe, immer wieder staunend zurücksah. Es war unvorstellbar, dass geschehen konnte, was geschehen war. In Reiseführern war von einem Flugzeug der US-Luftwaffe zu lesen, das gegen das Empire State Building geflogen war, ohne größeren Schaden am Gebäude zu hinterlassen. Auch vom Anschlag auf das WTC 1993 war zu lesen, ebenso ohne größere Folgen. Diese Gebäude schienen kaum verwundbar. Umso größer der Schock, das Entsetzen, die Fassungslosigkeit. Am 11.9. und in den Tagen danach.

Das „Linzer Auge“ — gekentert (Update)

Freitag, 4. Juni 2010
Das "Linzer Auge", beeindruckendes Wahrzeichen grenzüberschreitender Ingenieurskunst (in Österreich fehlgeplant, in der Slowakei fehlkonstruiert), hat in der Nacht auf heute Heimweh nach seiner Werft in Bratislava bekommen und sich im Zuge des Donauhochwassers aus der Verankerung gerissen. Weit gekommen ist es allerdings nicht -- gerade mal knapp 200 Meter bis zur nächsten Schiffsanlegestelle, wo die gekenterte Stahlplattform nun geborgen wird. Und so -- Ende gut, alles gut -- endlich zu jener Attraktion wird, als die es immer geplant war, irgendwie... Hier ein paar Handy-Impressionen von der Bergung und im Update nun auch vom Bergegut:

In Linz, da stinkt’s (wieder)

Sonntag, 11. Oktober 2009
Meine Generation hat sich oft gefragt, wie konnten unsere Großeltern nur auf diesen Hitler reinfallen. Wie konntet ihr da nur mitmachen? Ich fürchte, unsere Kinder geben uns die Antwort. "Schon mal mit White-Power-Idioten im Bus gefahren, die sich mit Hitlergruß v. Ausländerfamilie verabschieden? In Linz beginnt's!", schrieb ich am 19. Juni auf Twitter. Und gestern hatte ich wieder eine denkwürdige Busfahrt in Linz...
23092009060
Samstag Nachmittag. Im 15er gerade noch nen Sitzplatz ergattert. Auf der Bank hinter mir drei Teenager. Zwei junge Frauen und ein Mann, den Stimmen nach. "Des mog i scho, wenn sich einer aufregt und net amoi gscheit Deutsch kann.", ereifert sich eins der Mädchen. Es entspinnt sich ein Dialog, von dem aufgrund des Lärmpegels nur Fragmente zu verstehen sind... Als "Rechts-EXTREMER", deklariert sich darin der junge Mann hinter mir. Er betont das zweite Wort in einer Art, als könne "Rechts" ja schnell wer sein, aber "extrem", da schwingt ein ganz spezieller Stolz mit, in der Stimme. Der Name Hitler fällt und einige andere Begriffe aus der selben Ecke. Von Glatze scheren reden die Mädls scherzhaft. Der Junge beruhigt, das sei nicht mehr so und erwähnt die "Oide" von einem Freund, der man auch nicht ansähe, "dass sie ein Nazi ist". Die Mädchen erzählen von ihrer Schule, dass sich die Direktorin immer furchtbar aufrege und die Polizei rufe, wenn jedes Jahr wieder in den frischen Schnee "so ein Ding..." Er: "Hakenkreuz" - ja, so ein Hakenkreuz, gut sichtbar gegenüber der Schule in den Schnee gemalt werde. Er: "Nur in den Schnee? Ich hab mal fast [sic!] a Anzeige gekriegt, weil ich eins auf ne Mauer ... sooo groß". Da ist er wieder, der Stolz in der Stimme. Einen Freund erwähnt er noch, mit dem er demnächst nach Auschwitz fährt - im Rahmen der Schule, hoffe ich, doch sicher bin ich nicht. Beim Aussteigen will ich dann doch kurz sehen, wie dieser Vollblut-Rechtsextreme mit der leicht heiseren Stimme aussieht. Ich drehe mich um und ... blicke in das Gesicht eines Kindes, bürgerlich, adrett gekleidet, mitten im Stimmbruch, vielleicht 12, wenn's hoch kommt 13 Jahre alt.

Der Betrunkene, das Münztelefon und das Taxi — Eine Bahn(hofs)geschichte in drei Akten

Samstag, 9. August 2008
Herbert und Martha kennt ihr ja schon. Heute mal wieder eine Bahngeschichte, wie sie das Leben schrieb. [[Ich könnte mir sowas auch gar nicht ausdenken.]] Aus jener Zeit, in der Münztelefone noch täglich gefüttert wurden und sich nicht anderweitig verdingen mussten.

1. Akt

Mann (mitte 50, nicht ganz nüchtern) betritt die Wartehalle und geht zum Telefon. Er wirft eine Münze ein. Die Münze fällt hörbar in die Geldrückgabe. Der Mann hebt den Hörer ab. Wählt. Hört offenbar nur ein Tuten im Hörer. Leicht verwirrt legt er den Hörer wieder auf und will hinausgehen. Ich hole die Münze aus dem Rückgabefach und bringe sie ihm nach. Der Mann verlässt das Bahnhofsgebäude.

2. Akt (eine Minute später.)

Mann betritt erneut die Halle -- geht wieder zum Telefon. Versucht wieder (erfolglos) zu telefonieren. Währenddessen betritt eine Taxifahrerin (T) die Halle und geht zu dem Mann (M).
T: Sind Sie der Herr, der ein Taxi bestellt hat? M: Nein. T: Vom Bahnhofscafé aus? M: Nein.
Taxifahrerin geht ab in Richtung Café. Mann kämpft weiter mit den Tücken des Münztelefons. Nach einigen weiteren Neuinterpretationen der Bedienungsanleitung (zB: Münze einwerfen - Abwarten bis Münze ins Geldrückgabefach gefallen ist - Wählen - Hörer abheben) scheint er erstaunlicherweise Erfolg zu haben, obwohl die Münze in die Geldrückgabe gefallen war:
M: Ja Hallo? … Was? … Rettung?! … Äh - Entschuldigung.
Mann legt wieder auf. Taxifahrerin kommt vom Bahnhofscafé zurück.
T: Die Dame im Restaurant hat mir aber gesagt, dass sie für Sie das Taxi bestellt hat! M (lallend): Ich hab kein Taxi bestellt.
Frau geht zurück zum Taxi. Mann geht Richtung Bahnhofstoilette.

3. Akt (einige Minuten später)

Mann kommt zurück. Geht wieder zum Telefon. Hebt nun zuerst den Hörer ab und wirft dann das Geld ein. Wählt ziemlich unsicher. Verbindung kommt zustande - hat sich aber offenbar wieder verwählt. Immerhin kann ihm der andere Gesprächsteilnehmer zumindest die richtige Telefonnummer sagen:
M: Sie sind nicht…?! 17 18? … Ah 17 18 muss ich wählen - danke.
Mann legt auf und wählt nun diese Nummer (sie steht auch groß auf einem Aufkleber neben dem Telefon)
M: Hallo? Taxizentrale?! Ja, ich brauche ein Taxi vom Bahnhof -- in Lambach, ja. Danke! … Wiedersehn.
Mann legt auf. Münze fällt in Geldrückgabe. Mann geht ab.