Archiv für die Kategorie ‘Technisches’

C.S.I. Austria: Wir werdn kan Richter brauchn

Mittwoch, 5. Dezember 2007

Nach der erfolgreichen Initiative „bequemer Regieren“1) nun die Entlastungsoffensive für Österreichs Richter: Für Asylanten gibt’s nur mehr den Schnellrichter, pardon „Asylgerichtshof“. Und mit lästigen Überwachungsanfragen will man unsere Justiz nun auch nicht mehr gröber belasten. Vorbildlich.

C.S.I.

C.S.I. hat heuer einen Big Brother Award abgestaubt. Für fortgesetzte Verletzung der Bürgerrechte als Unterhaltungsprogramm. Und die daraus resultierende Desensibilisierung der Zuseher für Bürgerrechtsfragen.

Was die Jury leider verkannte: Österreichs Bevölkerung kann man für Bürgerrechtsfragen gar nicht desensibilisieren.

Nur so ist erklärbar, dass morgen schon wieder ohne jede öffentliche Diskussion ein Gesetz beschlossen werden kann, von dem ein Schäuble in Deutschland nur feucht träumen darf:

Die Novelle des Sicherheitspolizeigesetzes kommt am Donnerstag im Parlament zur Abstimmung. Sie erlaubt der Polizei den Zugriff auf Standortdaten ohne Richtervorbehalt – eine Entwicklung, die das SPÖ-Justizministerium eigentlich eindämmen wollte.

http://futurezone.orf.at/it/stories/240514/ »

 

IMSI-Catcher – dein ganz privater Handysender

IMSI Catcher (Bildzitat: Der Spiegel 33/2001, http://hp.kairaven.de/miniwahr/imsi.html)

Auch recht spannend: Der Zusammenhang, der dort zum sogenannten IMSI-Catcher hergestellt wird. Das ist, verkürzt gesagt, eine mobile Abhöranlage, die einen GSM-Sender simuliert und dafür sorgt, dass sich alle Handys in der Umgebung dort einbuchen. Unbemerkt von Netzbetreiber und Kunden. Aber blöderweise mit kleineren Nebenwirkungen2). Derzeit sind mind. drei solche Geräte bei uns im Einsatz. Inoffizielle Quellen sprechen laut ORF-Futurezone von einem Vielfachen.

Passt natürlich perfekt zur Standortermittlung ohne richterliche Kontrolle, weil man so den Abhörsender schneller am richtigen Ort in Position bringen kann. Offiziell in erster Linie zur genauen Lokalisierung3) in Not geratener Personen, aber eben auch unter dem höchst dehnbaren Titel der „Abwehr gefährlicher Angriffe“:

„Dass ausgerechnet eine Notfallsituation dazu herangezogen wird, um den Einsatz eines IMSI-Catchers auch rechtlich abzusichern, befindet Klaus Steinmaurer, Chef der Rechtsabteilung von T-Mobile Österreich, für paradox. „Der Catcher ist wie ein schwarzes Loch, das alle Gespräche aufsaugt“, sagte Steinmaurer am Montag zu ORF.at. Sollten die Geräte mit voller Sendeleistung von bis zu 40 Watt gefahren werden, werde der Funkverkehr in den umliegenden Zellen zusammenbrechen, so Steinmaurer weiter, „das ist im Ernstfall eine ganze Region. Klarerweise sind auch alle Notrufnummern blockiert.“

http://futurezone.orf.at/it/stories/228925/ »

 

C.S.I. wird sich was einfallen lassen müssen. Mit ihren verstaubten Fahndungsmethoden locken die bald niemanden mehr hinterm Ofen hervor. Gleiches gilt leider jetzt schon für die ganz realen Methoden. Als heise, bereits im Oktober, über dieses von Peter Pilz aufgebrachte Thema berichtete, postete ein Leser dort recht treffend:

Der Giftpilz, dieser profilierungssüchtige Rabauke…
… hat ausnahmsweise mal recht. Was sich da in Österreich bezüglich Überwachung zusammenbraut, übersteigt das was Schäuble in Deutschland vorhat noch um einiges. Man muss allerdings dazu sagen, dass sich der österreichische Innenminister offensichtlich sehr von seinem deutschen Kollegen hat inspirieren lassen, da er den Mist den Schäuble gefordert hat, meist mit einer zeitlichen Verzögerung von ein bis zwei Wochen auch für Österreich eingefordert hat.

Das Schlimme in Österreich ist, dass es so gut wie keine öffentliche Diskussion wie in Deutschland gibt. Warum das so ist weiß der Geier.

 

Und tatsächlich, die einzige Wortmeldung, die hier kurz die öffentliche Wahrnehmungsschwelle überschritt, stammt vom Positiv-Preisträger der diesjährigen Big Brother Awards:

„Ich habe manchmal den Eindruck, wir werden ähnlich stark überwacht wie seinerzeit die DDR-Bürger von der Stasi.“

(Karl Korinek, Präsident des VfGH)

 

Viele hielten diesen Vergleich damals für überzogen. Ich auch. Vielleicht war Korinek aber auch einfach nur seiner Zeit ein bisschen voraus. Ein österreichisches Schicksal…

ha|ns

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  1. Wir erinnern uns, ohne nennenswerte Diskussion wurde die Legislaturperiode auf fünf Jahre verlängert. Nur Armin Wolf hat sich ein bisschen gewundert. Und vielleicht noch ein zwei andere. [↑]
  2. So können alle diese Handys in der Zeit nicht angerufen werden. Es sei denn, man benutzt ein UMTS-Handy, wo der Catcher fast machtlos ist. Das liegt vor allem daran, dass sich bei UMTS nicht nur das Handy beim Netz, sondern auch das Netz beim Handy authentifizieren muss. (Hallo „3″, das wär doch was für die Werbung! ;-) [↑]
  3. Weil so ein Catcher nebenbei auch peilen kann. [↑]

Baumarkt-Special

Freitag, 16. November 2007

Richtig genial find ich ja derzeit die TV-Spots und Anzeigen von Hornbach. Aber auch die Konkurrenz schlägt sich recht wacker: So hat „toom1) kürzlich Youtube fürs „virale Marketing“2) entdeckt und dort ein paar nette Videos reingestellt:

Flash-Player herunterladen
[Youtube-Video]

Etwas langatmig im Aufbau aber durchaus dynamisch im Abgang :-)

 

Die von Julia und „Berhard[sic!] – der Profi“ moderierte Anleitung fürs selbstgebastelte Schuhregal ist vielleicht sogar durchaus hilfreich. (Allerdings muss mir noch jemand erklären, warum sich die junge Dame zwar die Regalbretter komfortabel im Baumarkt zuschneiden lassen kann, für deren Kantenschnitt aber unbedingt selber eine Kapp- und Gehrungssäge benötigt…? ;-)

Baumarktverkäufer…

Und für alle, die sich noch gut an diese Universum-Doku-Satire von Ö3 erinnern…

„Sie gehören zu einer Spezies, die sich durch perfekte Tarnung auszeichnet, sie sind für ihre Jäger schwer zu erkennen, für das menschliche Auge zu schnell, und scheuen den Kontakt zu anderen: Die Baumarktverkäufer…“

ganzes mp3 hier »

 

…hat sich toom was ganz Spezielles einfallen lassen: Einen Mitarbeiter, der immer für die Kunden da ist (und nebenbei gewerkschaftsfrei und genügsam im Unterhalt).

…und die andere Seite

Aber mal nicht zuviel auf die Baumarktverkäufer hinhacken. Baumarktkunden, sind auch nicht ohne, wie baumarkthorror.de beweist. Leider scheint die Seite für den Autor ihren therapeutischen Zweck erfüllt zu haben und wird nicht mehr aktiv fortgeführt. Die Inhalte sind aber zeitlos, fürchte ich. Einige Highlights:

Dunstabzugshaube
Eines schönen Morgens stand ein wild gestikulierender Kunde an unserer Info und beschwerte sich, dass das Gerät was „isch habe gestern gekauft“ kaputt sei (es sollte noch gesagt werden, dass es sich um eine Dunstabzugshaube handelt ). Der zuständige Kollege kam, steckte den Stecker in die Steckdose und was soll ich sagen, es funktionierte einwandfrei. Der Kunde sah das und sagte: „Ja hat bei misch auch Motor gelauft iss aber kaputt“. Worauf mich mein Kollege ungläubig ansah und fragte, was denn seiner Meinung nach kaputt sei, wenn der Motor einwandfrei läuft. Daraufhin meinte der Kunde nur: „hab isch gestellt hin Motor laufe gutt aber macht nix Füße warm“.

Fliesen
Hatten mal vor Zeiten einen Kunden bei uns, der ein paar Fliesen kaufte. Alles noch recht harmlos, da wir dabei gut voran kamen. So, nun waren Fliesen ausgesucht und auch schon auf dem Einkaufswagen. Und dann kam die Frage des Tages: „Wo finde ich die passenden SCHRAUBEN zum Befestigen der Fliesen???“

Campingtoilette
Kunde (am Telefon): „Ich habe bei Ihnen vor kurzem eine Campingtoilette gekauft. Wo soll ich denn jetzt mit den Fäkalien hin?“

V: „Bitte was?“

K: „Ja, wo soll ich denn jetzt hin damit, da muss es doch irgendwo eine Stelle geben wo ich das entsorgen kann. Beim Klärwerk habe ich schon angerufen, die nehmen es nicht.“

V: „Also, da kann ich Ihnen jetzt so direkt auch nicht weiterhelfen. Ich wüsste jetzt niemanden, der das annimmt.“

K: „Da muss es aber doch irgend jemand geben. Kennen Sie wirklich keinen?“

V: „Nein, ich sagte es bereits. Ich kenne niemanden!“

K: „Auch dass Sie sich vielleicht mal beim Hersteller erkundigen?“

V: „Sorry, aber was hat der Hersteller damit zu tun?“

K: „Ach so, verkaufen können Sie die Dinger, aber beim Service, da haperts dann, oder was?“

Mahlzeit!
Kundin: „Ist das Glas dieser WC-Bürstengarnitur auch spülmaschinenfest?“

 

Schade, dass es dieses Tagebuch nicht ins Web 2.0 rübergeschafft hat, wär sicher ein gutes Blog geworden. Immerhin, das zugehörige Forum wird nach wie vor mit Leserbeiträgen gefüttert.

Viel Spaß beim Einkauf fürs Wochenende! (Und vielleicht etwas Nachsicht – auf beiden Seiten … nicht nur im Baumarkt :-)

ha|ns

Update 24.11.: Weil’s so schön passt. Hier noch ein genialer Dialog zweier Eheleute im Baumarkt, den ich eben in Tyndras Blog entdeckt habe. Aus dem Leben gerissen (aus Tyndras *g*) und noch fast ofenwarm :-)

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  1. Nie gehört von diesem Baumarkt, dürft’s auch nur in Deutschland geben. [↑]
  2. Pffft, früher hieß das schlicht „Mundpropaganda“ [↑]

10 Gründe, an denen du erkennst, dass du das Google-Handy hast

Dienstag, 6. November 2007

heise: Das Google-Phone ist ein Android (Foto: Google Image Search ;-)

  1. An Halloween hat jeder deiner Kontakte ein Kürbisgesicht.
  2. Dein Handy hat 1000 MB Speicher. 1 MB für deine Daten. Den Rest zum Protokollieren deiner Daten.
  3. Wenn du Schwiegermutters Nummer falsch wählst, fragt das Handy: „Meinten Sie: alter Drachen?“
  4. Dein Adressbuch wird ständig neu sortiert, aber immer steht ein Kontakt namens „ebay“ ganz oben.
  5. Die beiden Typen mit Sonnenbrille und Trenchcoat sind verschwunden, seit du das neue Handy hast.
  6. Du redest nur mehr mit den ersten fünf Kontakten in deinem Telefonbuch.
  7. Du findest in der Post die passende Werbung zu deinen Gesprächen von gestern.
  8. Wenn dich Freunde aus ihrem Adressbuch löschen, fängt dein Auto an zu streiken, deine Karriere geht bergab und du zahlst mehr Grundgebühr.
  9. Dieser kleine rote Punkt in Google-Earth ist immer genau da, wo du gerade bist.
  10. Dein chinesischer Freund – der stand doch gestern noch im Telefonbuch…?

… du bist dran ;-)

ha|ns

Zufälle gibt’s … auf ebay

Mittwoch, 31. Oktober 2007

Mein Handy spinnt leider grad ein bisserl. Vermutlich ein Salzwasserschaden seit dem letzten Urlaub.  Daher hab ich mich ein bisserl auf ebay umgesehen. Gesucht hab ich interessante Angebote. Gefunden habe ich interessante Zufälle…

Eine Auktion von ebay-User „christer_olsson“, gestartet vor sechs Tagen:

N93-Auktion von ‚christer_olsson‘

„NOKIA N93 Multimediacomputer

Verkaufe schweren Herzens mein NOKIA N93 hatte es ca. 2 Monate im Gebrauch ist also absolut neuwertig! Da ich aber von der Firma ein N95 bekommen habe ist es mir zu schade das es zu Hause einfach nur rum liegt.

Das Telefon ist für alle Netze frei! Absolutes top Telefon mit W-Lan, MP3 uvm. Ein wirklicher Mini Multimediacomputer wie es von Nokia bezeichnet wird.“

 

Und hier eine Auktion von ebay-User „mlehr68″, gestartet drei Tage später:

N93-Auktion von ‚mlehr68′

„NOKIA N93 Multimediacomputer

Verkaufe mein NOKIA N93 hatte es ca. 1 Monate im Gebrauch ist also fast neuwertig! Da ich aber von der Firma einen E90 bekommen habe ist es mir zu schade das es zu Hause einfach nur rum liegt.

Das Telefon ist für alle Netze frei! Absolutes top Telefon mit W-Lan, MP3 uvm. Ein wirklicher Mini Multimediacomputer wie es von Nokia bezeichnet wird.“

 

Tja, alte Verhörregel aus meiner Geheimdienstzeit: „Wenn zwei das selbe sagen, stimmt was nicht.“ :-)

ha|ns

Das „Dark Web“-Projekt

Mittwoch, 24. Oktober 2007

Gestern im ZDF: Ein hochinteressanter Beitrag über das „Dark Web“-Projekt1) der Universität von Tucson2) in Arizona. Wie filtert man in der Terrorfahndung aus Milliarden Postings im Internet jene Kommunikation heraus, die relevant sein könnte? Wie findet man die Anführer und ihre Beziehungen im Internet, ohne in der Flut von Information zu ertrinken?

Genau das wird in Tucson versucht. Die dort entwickelte Software erstellt aus Wortlänge, Zeichensetzung, Satzbau und Inhalt von Internetbeiträgen eindeutige „Fingerabdrücke“ der Autoren. Insgesamt bis zu 30.000 Einzelmerkmale werden für so einen Abdruck ausgewertet. Es soll daher nahezu unmöglich sein, sich so zu verstellen, dass man die Software dauerhaft überlisten kann. Haben die Fahnder einmal eine Textprobe von einem radikalen Rädelsführer, kann er im Internet nicht mehr anonym posten. Nach wenigen Beiträgen ist er anhand seines Profils automatisch identifizierbar.

Auch für Laien beeindruckend, die Einblicke in die eigentlich hochgeheime Software im ZDF-Video:

Dark Web, Trojaner war gestern – Normaler Forenteilnehmer

Hier das Profil eines gewöhnlichen Forumbesuchers. Er ist unsicher, seine Beiträge und Fragen gehen Queerbeet, es gibt keine klare Ausrichtung.

 

Hier hingegen zwei Autoren mit buchstäblich gefestigtem Themenkreis. Der Autor rechts verherrlicht außerdem Gewalt und wird als gefährlich eingestuft. Die Software findet auch die Schlüsselbegriffe in den Beiträgen und hebt sie grafisch hervor.

Dark Web, Trojaner war gestern – ‚Forum Expert‘ mit Themenschwerpunkt Religion

Dark Web, Trojaner war gestern – Gewaltverherrlichender Autor mit klarem Themenkreis


Dark Web, Trojaner war gestern – Beziehungsdiagramm

Anhand von Beziehungsdiagrammen wird sichtbar, wie die Autoren im Netz zueinander stehen. Trojaner? Das war gestern.

 

Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis derartige Software auch abseits der Terrorabwehr3) Eingang in unser Leben findet. Sei es als aufschlussreiches Tool für Webmaster und Forenteilnehmer, zur Spam-Analyse oder auch, um von „Ghostwritern“ verfasste Diplomarbeiten aufzudecken und anonyme Insider, die Geheimnisse aus sensiblen Bereichen ausplaudern.

ha|ns

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  1. Tja, dazu hab ich jetzt nicht mal einen Wikipedia-Link, warum wohl ;-) [↑]
  2. Sprich: ‚tuhsan‘ [↑]
  3. Wer definiert eigentlich, wer ein Terrorist ist…? [↑]