Archiv für die Kategorie ‘Politisches’

Allmachtsfantasien

Donnerstag, 21. April 2016
Regierungsauflösung, Oberbefehl, Weltherrschaft... Bundespräsident Heinz Fischer warnt seine wahlkämpfenden potenziellen Nachfolger vor Allmachtsfantasien. HBP_Traum_Wirklichkeit

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[Wahl 2013] Plötzlich unentschlossen

Freitag, 27. September 2013
Es ist etwas passiert. Zwei Tage vor der Nationalratswahl gehöre ich plötzlich zu den Unentschlossenen. Dabei war mir seit Monaten völlig klar, wen ich diesmal wählen werde. Und dann habe ich eine Autofahrt zu lange über die NEOS nachgedacht. Eigentlich wollte ich ja was twittern in der Art:
Das ist das erste Mal, dass ich mir bei einer Partei, die ich nicht wählen werde, unbedingt wünsche, dass sie ins Parlament kommt!
Und dann kam vor meinem geistigen Ohr schon die berechtigte Frage: Wenn du wirklich willst, dass sie reinkommen, warum wählst du sie dann nicht...? Puh, guter Punkt... (Merke: wenn man in einem Selbstgespräch ins Straucheln kommt, sollte man seine Argumente überdenken.) Nun, eigentlich will ich ja, dass die NEOS vor allem der ÖVP so richtig weh tun. Nicht aus purer Bösartigkeit, sondern um diese Partei endlich "aufzuwecken". Unausweichlich ihre längst fällige Erneuerung anzustoßen, sie -- ohne Selbstverleugnung -- auf einen frischen politischen Kurz zu führen (netter Freudscher Verschreiber) und damit zurück in die Wählbarkeit als zeitgemäße bürgerliche Alternative. So gesehen stehen die NEOS für alle enttäuschten Hoffnungen, die ich vielleicht jemals in die ÖVP gesetzt habe. Naja, und ich wähle die ÖVP nicht, also muss ich mich nicht umentscheiden, sondern nur die Anderen... Aber die wählen "ihre" Partei ja auch nicht unbedingt leichtfertiger als du. Von anderen etwas zu verlangen, was weh tut, und es für sich selber auszuschließen, ist das nicht ein bissl ... heuchlerisch? Gute Frage: warum schließe ich für mich kategorisch aus, den NEOS ins Parlament zu helfen? In erster Linie, weil ich mich schon für eine Partei entschieden habe. Monate, bevor ich die NEOS überhaupt auf dem Radar hatte.  Und ich war eigentlich ganz zufrieden mit meiner Entscheidung. Die Grünen haben in diesem Wahlkampf -- zum ersten Mal, glaub ich, in ihrer Geschichte -- fast alles richtig gemacht. So richtig Zug zum Tor gezeigt. Und sich einen unumstrittenen Ruf als Aufdecker und Korruptionsbekämpfer gemacht. Ich tät's ihnen wirklich gönnen, an diesem Wahltag mal die volle Ernte einzufahren, statt schon wieder belämmert als "Umfragekaiser" dazustehen. Andererseits, die Grünen sind sicher drin. Wo wiegt meine Stimme jetzt schwerer: Wenn ich die Grünen für ihre Arbeit "belohne"? Oder wenn ich den NEOS zum Einzug ins Parlament verhelfe...? Eins ist sicher, wenn alle sagen
"Vor den NEOS hab ich echt Respekt. Die wären eine Bereicherung fürs Parlament. Jeder, der eine andere Partei als ich wählt, soll bitte ernsthaft erwägen, diesmal die NEOS zu wählen."
Dann wird das nix. Und obwohl sie auf dem Papier nicht mal die passendste Partei für mich sind, will ich, dass es was wird. Weil:
  • Die NEOS sind eigentlich ein Wunder: Da sind Leute dabei, die intelligent und erfolgreich sind. Die Visionen haben und spürbar darauf brennen, dieses Land aus seiner Erstarrung zu lösen. Die etwas bewegen wollen und wo einige schon bewiesen haben, dass sie das auch können. Solche Menschen tun sich den Einstieg in die Politik in Österreich eigentlich schon lange nicht mehr an, hab ich gedacht.
  • Wenn die NEOS ins Parlament kommen, ist die Rot-Schwarze Koalition definitiv hoffentlich definitiv Geschichte.
  • Und apropos Geschichte, die könnte am Sonntag von den NEOS auch geschrieben werden: Sie wären die erste Partei der Zweiten Republik, die es aus dem Stand ins Parlament schafft. Ein Signal, das nicht nur die ÖVP aufrütteln dürfte. [Nachtrag 30.9.: Wenn man NEOS-LIF-Partnerschaft berücksichtigt, haben die Grünen es schon 1986 ähnlich geschafft und gleich nach dem Krieg die WdU auch schon mal.]
So unentschlossen höre ich mich jetzt gar nicht mehr an. Schreiben hilft ganz gut beim Gedanken sortieren. Aber noch ist nicht Sonntag...

Entfesselung by ÖVP

Samstag, 14. September 2013
Die ÖVP plant für den ORF eine Proporzführung und möchte gesetzlich regeln, was ORF-Journalisten auf Twitter und Facebook sagen dürfen. Aber wie passt das zum zentralen Claim der ÖVP in diesem Wahlkampf? ... Perfekt! OEVP_entfesselt

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9/11

Sonntag, 11. September 2011
Der Zufall wollte es, dass ich heute vor genau zehn Jahren mit einer Gruppe von Freunden und Studienkollegen auf Urlaub in New York war. Die folgenden Bilder, und weitgehend unverändert auch die Texte, stammen aus dem Backup eines längst verschollenen Webalbums, das ich nach unserer Heimkehr für meine Fotos erstellt hatte. Der heutige Jahrestag hat mich endlich dazu bewogen, diese Erinnerungen dem Vergessen zu entreißen -- auch dem eigenen -- und euch hier von einem zehn Jahre jüngeren Ich schildern zu lassen, wie das "damals" war, aus seiner Sicht...   Ich bin sicher, ich habe vor Ort viel länger gebraucht, das Ganze zu realisieren, als viele der Millionen Menschen, die die Ereignisse im Fernsehen mitverfolgt haben. Drei Tage vor seinem Einsturz waren wir noch selber auf dem Südturm. Haben uns im 107. Stock den simulierten Heli-Flug über Manhattan gegeben. Die Greenbox gesehen, vor der Touristen sich ablichten ließen, um übergroß in Souvenirbilder einmontiert zu werden, wie sie scheinbar auf den Dachkanten der Türme balancieren oder mit lachendem Gesicht von ihnen herabfallen. Haben unsere Nasen an die vom Boden bis zur Decke reichenden Fensterscheiben gedrückt, so dass uns nur mehr das Plexiglas vom 400 Meter tiefen Abgrund trennte. Auf der Plattform ganz oben die unglaubliche Aussicht genossen. Wir blieben vom späten Nachmittag bis zum Abend, um auch die Lichter der Stadt sehen zu können. Unten am Plaza habe ich noch ein letztes Mal hochgesehen. Diese beiden gewaltigen Tower gleichzeitig im Blick gehabt. Ich erinnere mich, dass ich den WTC-Plaza teilweise rückwärts gehend verlassen habe, immer wieder staunend zurücksah. Es war unvorstellbar, dass geschehen konnte, was geschehen war. In Reiseführern war von einem Flugzeug der US-Luftwaffe zu lesen, das gegen das Empire State Building geflogen war, ohne größeren Schaden am Gebäude zu hinterlassen. Auch vom Anschlag auf das WTC 1993 war zu lesen, ebenso ohne größere Folgen. Diese Gebäude schienen kaum verwundbar. Umso größer der Schock, das Entsetzen, die Fassungslosigkeit. Am 11.9. und in den Tagen danach.

„Der Stürmer“ — 75 Jahre später (2. Update)

Sonntag, 26. September 2010
Das linke Bild entstammt der Nazi-Hetzpostille "Der Stürmer", von November 1935. Das rechte einer FPÖ-Hetzbroschüre, 75 Jahre später. Es gilt die Zufallsvermutung. "Voll auf's Nudelaug" -- unsere Kultur- und Sprachbewahrer können weder richtig Deutsch ("auf's") noch Österreichisch (das "Nudelaug" dürfte der Junge kaum getroffen -- und hoffentlich auch nicht gesehen -- haben).

Warum sind wir so blind gegenüber der Gefahr?

Weil wir gefühlte tausend Mal gesehen haben, in welchem Gewand sie kommt? Auffällig unzeitgemäß, in angestaubter Sprache, sich nahezu überschlagend gegen Juden hetzend und am besten noch schwarzweiß. Kein Zweifel: Wenn das Unheil derart wieder käme, es würden alle klar erkennen. Zuverlässig wie ein Virenscanner, der seit 65 Jahren ohne Update läuft.

Es ist ein Dilemma

Regen wir uns über die Verhetzer auf, besorgen wir nur ihr Geschäft. Weil erst der Skandal ihr Gift in den Fernseh-Hauptabend und in die Krone, bis hinunter in die Gratisblätter pumpt. Und so der Kern der Propaganda -- verdichtet zur Schlagzeile, in seiner Schlagkraft noch mal erhöht -- auch jene politisch Abwesenden erreicht, die klassisch werbend kaum erreichbar wären. Ignorieren wir die Provokation hingegen, schalten ihre Urheber schon morgen eine Stufe höher. Unter dem stillschweigenden Sanktus, dass wir den Schritt zuvor keiner Aufregung für Wert befanden. Und die "Nazikeule" ist ohnehin eine höchst untaugliche Waffe im Kampf gegen die Nachfahren im Geiste des Führers. Mit jedem Schlag wird sie stumpfer und es gibt nur den falschen Moment ihres Einsatzes: Kommt sie zu früh, warnt sie vor dem scheinbar Unsichtbaren. Kommt sie zu spät, drischt sie unverstanden auf das längst Normale ein. Und so sitzt der Frosch noch arglos drin, im Topf. Doch sein Wasser, unter blauer Flamme, es wird stetig wärmer... Update 27.9.:
  • Der Standard hat mich kontaktiert und die Geschichte aufgegriffen. Nachzulesen am Dienstag, bei "RAU" und auf Seite 2.
  • Blogger "Patho(b)logus" hat sich gefragt, warum das scheinbar harmlose Mundwässerchen "Odol" im Comic zu "Odal" umbenannt wurde - einem Begriff bei dem Google fast nur Naziseiten ausspuckt.
  • Der VSStÖ hat sich in seinem Blog noch tiefgründiger mit der problematischen Symbolik der Strache-Comics befasst.
Es gilt die Zufallsvermutung. Update 29.9.:
  • Rainer Hazivar hat für die heutige ZIB2 sehr schön die Ereignisse zusammengefasst -- quasi von "Stürmer" bis "Odal" (und etwas Bas|se|na ist auch dabei).