Archiv für die Kategorie ‘Mediales’

Wer wird Koalitionär?

Dienstag, 18. November 2008

Die neue Show der Österreichischen Volksbühnen (ÖVB). Zehn Fragen auf dem Weg zur Koalition. Der Kandidat hat einen Kompromiss-Joker, darf einen Freund um Hilfe bitten oder das Volk befragen.

Das Spiel lebt von ratlosen Gesichtern, die in Großaufnahme quälend lange zu scheinbar leichten Fragen schwitzen, aber…

Wer wird Koalitionär?

„Mit manchen Kandidaten macht’s einfach keinen Spaß.“
Mehr im Archiv (Keywords: Werner Faymann, Josef Pröll, SPÖ, ÖVP, Koalition, Verhandlungen, zehn Fragen, Wer wird Millionär, Karikatur, Cartoon, Zeichnung)

Nachtrag: Ich sehe eben, „Feuerhaken“ hatte dieselbe Eingebung. Da habe ich die Überschrift wohl vorher unbewusst in meinen Feeds gesehen und danke ihm die Inspiration… :-)

Wolfgang Lorenz: ‚Scheiß Internet!‘

Freitag, 14. November 2008

Wolfgang Lorenz (62), rüstiger ORF-Programmdirektor und in der Anstalt offenbar ein weiteres Mitglied im Club Tourette1) hat auf einer öffentlichen Veranstaltung über das „Scheiß Internet“ vom Leder gezogen. Lorenz zeichnete u.a. für den Quotenknaller „Mitten im 8en“ verantwortlich.

Und weil ich mich vorhin bei KKKlaus Emmerich so schön warm gezeichnet habe, und es eh viel zu selten vorkommt, dass der ORF inspirierend wirkt, lassen wir dem Gesetz der Serie einfach seinen Lauf und geben meinem hoffnungslos unterforderten Digi-Malzeugs kurz die Illusion einer sinnerfüllten Existenz…

Wolfgang Lorenz: ‚Scheiß Internet!‘

Mehr im Archiv (Keywords: ORF, Wolfgang Lorenz, Scheiß Internet, Internat, Schule, Klassenzimmer, Tafel, Streich, #anlorenz, Karikatur, Cartoon, Zeichnung)

_________
  1. Tourette-Syndrom: kann sich u.a. äußern in unwillkürlichem Schimpfen, Fluchen oder Herausschleudern von Worten und kurzen Sätzen, die nicht im logischen Zusammenhang mit dem Gesprächsthema stehen. [↑]

Suchbild mit Klaus Emmerich

Donnerstag, 13. November 2008

„Ich möchte mich nicht von einem Schwarzen in der westlichen Welt dirigieren lassen.“

Der ORF – bekanntermaßen niemals schwarz dirigiert – hat ihn jetzt nicht mehr so gern, aber dafür startet Klaus Emmerich nun noch mal so richtig durch zu einer internationalen Medienkarriere und reiht sich nach Priklopil, Fritzl und Haider nahtlos in die Reihe österreichischer Kulturbotschafter der jüngeren Vergangenheit ein. Danke, Klaus!

Immerhin komm ich so dazu, das Grafiktablett auch mal … äh … „zeichnerisch“ einzusetzen – in Anbetracht meines Talents ein durchaus kühner Euphemismus, ich weiß ;-)

Suchbild mit Klaus Emmerich

Mehr im Archiv (Keywords: ORF, US-Wahl, Skandal, Barack Obama, Klaus Emmerich, rassistisch, KKK, Ku-Klux-Klan, Karikatur, Cartoon, Zeichnung)

In den Wind ge…

Dienstag, 22. Juli 2008

Soso, das österreichische Volk, pardon, die Kronenzeitung, pardon, Hans Dichand, ist also nicht der Vater von Werner Faymann. Herr Martinek darf ich mal kurz, ja? Keine Sorge, das tut mir jetzt mehr weh als Ihnen…

In den Wind ge…

Hans Dichand, der gekrönte Zar,
druckt Faymann nun zum Kanzler gar?
Vom „freien“ Wort bis Wolf, Jeannée,
gibt’s nur mehr Lobgehudele.
Gedankt sei auch familiärer Bande
(man denkt Palermo, ganz am Rande).
So wär’s am End nur konsequent,
wenn Faymann Dichand Papa nennt.
Doch dieser eifrig dement-iert,
er war mit Mama nie li-iert:
Luke, ich wollt dein Vater sein,
doch musst du mich mit Öst’rreich teil’n.“
Wir hör’n es wohl, das Wort des Krone-Manns,
doch rate ich, von Hans zu Hans:
Bevor du wortreich deinen Sohn entfremdest,
mach doch einfach einen Gentest.

haus|meister

 

Kronenzeitung: unabhängig von der Wahrheit

Sonntag, 6. Juli 2008

Die Krone, jenes Blatt, das so erfolgreich ist, weil man darin nicht das Neue erfährt, sondern das, was man schon immer wusste, schlagzeilte gestern über eine ganze Doppelseite:

Zu viele Ausländerkinder machen den meisten Eltern Sorgen

Der hohe Anteil an schlecht oder gar nicht Deutsch sprechenden Ausländerkindern in den Schulen macht immer mehr Oberösterreichern Sorgen. Bei der Bildungsumfrage des Landes nannten 71 Prozent der befragten Eltern dieses Problem an erster Stelle.

Kronenzeitung – OÖ Bildungsumfrage (5. Juli 2008)

(OÖ Krone 5.7.2008)

 

So so. Nun, netterweise kann man besagte Bildungsumfrage auf der Seite der OÖ Landesregierung herunterladen. Ein Quellenstudium, das sich lohnt, aber auch einen guten Magen verlangt…

1. Akt – aus klein mach groß

Hier Chart 3 der Umfrage, der erste, der sich konkret mit dem Ausländeranteil in den Klassen befasst:

Frage: „[Ganz spontan:] wo sehen Sie die Schwächen im Schulsystem in Oberösterreich?“

(Antworten der befragten Eltern, absteigend sortiert)

OÖ Bildungsumfrage 2008 – Chart 3: Schwächen des Schulsystems

  • Wissensvermittlung: 10 %
  • bessere Lehrmethoden, Lernutensilien: 9 %
  • bessere Ausbildung der Lehrer, Fortbildung: 8%
  • Förderung der schwächeren Schüler, zu wenig Förderunterricht: 8 %
  • zu hoher Ausländeranteil in den Klassen: 7 %
  • zu viele Schüler in den Klassen: 7 %
  • […]
  • Keine Angabe: 19 %

(OÖ Bildungsumfrage 2008)

 

Das war eine offene Frage, es wurden also keine Antworten vorgegeben. Den befragten Eltern sind hier spontan die Bereiche Wissensvermittlung und Lehrmethoden als größter Schwachpunkt eingefallen. Danach folgen die Aus- und Weiterbildung der Lehrer und die Förderung schwacher Schüler. Erst auf Platz fünf folgt der Ausländeranteil in den Klassen, ex aequo mit dem offenbar ebenfalls zu hohen Inländeranteil.

Erstaunlich. Ein scheinbar brennendes Problem, das laut Krone „den meisten Eltern Sorgen“ macht, fiel bei der offenen Frage nur 7 % spontan von sich aus ein. Und auch keineswegs an erster Stelle.

Aber die Krone hat eigene Prioritäten:

Krone-Schlagzeile OÖ Bildungsumfrage (5. Juli 2008)

 

2. Akt – aus weniger mach mehr

Woher kommen nun die 71 %, die im Artikel als Begründung der Schlagzeile herhalten müssen? Sie stammen aus diesem Teil der Umfrage:

Frage: „Nun lese ich Ihnen noch verschiedene Aussagen zu möglichen Schwächen des Schulsystems vor und Sie sagen mir bitte auch dazu, ob Sie der jeweiligen Aussage sehr zustimmen (1), eher zustimmen (2), eher weniger zustimmen (3) oder gar nicht zustimmen (4). Beginnen wir mit…“

(Gesamtzustimmung „sehr“ + „eher“. In Klammer: Vergleichswert 2007)

OÖ Bildungsumfrage 2008 – Chart 5: Mögliche Schwächen des Schulsystems

  • hoher Anteil an Kindern mit schlechten Deutsch-Kenntnissen in vielen Klassen: 71 % (77 %)
  • mangelnde Motivation vieler Lehrkräfte: 76 % (76 %)
  • die Schultypen-Entscheidung muss zu früh getroffen werden: 68 % (62 %)
  • zu wenig Flexibilität in der Ausbildung, zu starres System: 72 % (66 %)
  • […]

(OÖ Bildungsumfrage 2008)

 

Jetzt, wo ihnen eine konkrete Bewertung vorgegebener Aussagen abverlangt wird, identifizieren die Eltern folgende Hauptschwächen, in absteigender Reihenfolge:

  1. 76 % die mangelnde Motivation vieler Lehrer
  2. 72 % ein zu starres Schulsystem (dieser Wert ist seit der letzten Umfrage um nahezu 10 % gestiegen) und
  3. 71 % Klassen mit zu vielen Kindern mit schlechten Deutschkenntnissen (ein Wert, der seit dem Vorjahr um 8 % gesunken ist)

Auch wenn sich dieser Teil schwer mit dem offenen von vorhin vergleichen lässt, scheinen die Eltern im Gegensatz zur Krone durchaus zwischen „den Ausländerkindern“ und solchen mit Sprachproblemen zu differenzieren. Außerdem finden über 2/3 der Eltern, dass die Schultypen- -Entscheidung zu früh getroffen werden muss.

Hochinteressante und spannende Einsichten, aber nicht für Krone-Leser:

Der hohe Anteil an schlecht oder gar nicht Deutsch sprechenden Ausländerkindern in den Schulen macht immer mehr [sic!] Oberösterreichern Sorgen. Bei der Bildungsumfrage des Landes nannten 71 Prozent der befragten Eltern dieses Problem an erster [sic!] Stelle.

(OÖ Krone 5.7.2008)

 

Dass der Redakteur die tatsächlich von den Eltern genannten Hauptschwächen des Schulsystems völlig ignoriert und stattdessen lieber „die Ausländer“ zur Schlagzeile kürt, mag dem Krone-Biotop geschuldet sein, aber wie er dann im Text angesichts eines Rückgangs von 8 % auf eine Steigerung kommt, weiß wohl nur sein behandelnder Arzt.

Auch konnten die Eltern „dieses Problem“ schwer „an erster Stelle“ nennen, da eine Reihung in der Fragestellung schlicht nicht vorgesehen war. Doch das nur am Rande.

3. Akt – ergänze Vorsatz durch Inkompetenz

Weiter geht’s im Krone-Bericht:

73 Prozent wünschen sich eine Überprüfung der Deutschkenntnisse von ausländischen Kindern vor deren Einschulung. […] 83 Prozent der Eltern wollen eine Verkleinerung der Klassenschüler-Höchstzahl auf maximal 25 Kinder.

(OÖ Krone 5.7.2008)

 

OÖ Bildungsumfrage 2008 – Chart 6: Bewertung von Reformvorschlägen

Hier hat der glücklose Journalistenanwärter in der Krone-Redaktion übersehen, dass die 73 bzw. 83 % nur jener Anteil der Eltern sind, die diesen Reformvorschlag „sehr gut“ finden. „Gut“ fehlt hier im Papier. Die Elternwerte werden nämlich nur für ausgesuchte Bereiche, ergänzend zu jenen der Gesamtbevölkerung, angegeben. Zugegeben, das ist wirklich tückisch. Nimmt man die „sehr gut“ und „gut“-Beurteilungen der Gesamtbevölkerung zusammen, kommt man auf 90 % bzw. 96 % Zustimmung. Die Werte der Eltern dürften ähnlich hoch liegen.

4. Akt – halbiere die Prozent, verdopple die Befragten

Ganz am Ende der Wunschliste steht die Einführung einer Gesamtschule für alle 14-Jährigen anstelle der Hauptschule und der Gymnasien. Nur 15 Prozent der 1025 Befragten erwärmen sich dafür.

(OÖ Krone 5.7.2008)

 

„Sie erinnern sich: dreimal wurde unser Ausnahmetalent schon mit Fakten angespielt und dreimal ist er kurz vor der Wahrheit gescheitert. Den ‚Hattrick‘, wenn Sie so wollen, hat er also schon. Doch was ist das? Uuuh, wieder ein Prozentwert – und eine große Zahl. Im selben Satz! Ob das gut geht? … Neeein, es kommt, was kommen muss: beide daneben! Was für ein Trauerspiel, meine Damen und Herren. Und damit gebe ich zurück ins Funkhaus.“

Danke für diesen Livebericht aus der Krone-Arena. Herbert, was ist hier schiefgelaufen?

Erstens: Der Redakteur bezieht sich eindeutig auf die 15 % der Eltern (nur dort kommt der Wert in diesem Zusammenhang vor), spricht aber dabei von 1025 Befragten. Er übersieht hier, dass die Elternbefragung zusätzlich zu jener der Gesamtbevölkerung, mit einem Sample von nur 500 Personen erfolgte:

n= 1025 telefonische CATI-Interviews repräsentativ für die oberösterreichische Bevölkerung ab 18 Jahren + Aufstockung auf n= 500 telefonische CATI-Interviews mit Eltern von Kind (ern) bis 15 Jahre

(OÖ Bildungsumfrage 2008)

 

Zweitens: Es fehlt auch hier wieder der Prozentwert jener Eltern, die den Reformvorschlag Gesamtschule „gut“ finden. Dabei wäre der Redakteur bei dieser Frage gar nicht auf den lückenhaften Chart 6 angewiesen gewesen. Hätte er nur eine Seite weiter geblättert, hätte er zur Frage „Gesamtschule“ nämlich diese höchst aufschlussreiche Detailtabelle gefunden:

OÖ Bildungsumfrage 2008 – Chart 7: Gesamtschule

Da hätte er dann auch erfahren, dass sich in Wahrheit fast doppelt so viele Befragte wie von ihm behauptet, nämlich 28 %, für die Gesamtschule erwärmen können. Und die 68 Prozent aus Chart 5, die zwar nicht unbedingt die Gesamtschule wollen, aber finden, dass die Schulentscheidung zu früh erfolgt, hätte man als ordentlicher Journalist hier natürlich auch anführen können.

Aber was red ich denn da?
Kronenzeitung … ordentlicher Journalismus…?

Ich mein, man weiß es ja eigentlich eh. Aber stellen wir uns mal kurz vor, was die wohl jeden Tag aufführen, bei Geschichten, die sich nicht so leicht überprüfen lassen…

„UNABHÄNGIG“ steht stolz in Großbuchstaben auf jedem Titelblatt der Krone. Das ist sie in der Tat. Unabhängig, von der Wahrheit.