Archiv für die Kategorie ‘Mediales’

Suchbild mit Klaus Emmerich

Donnerstag, 13. November 2008

„Ich möchte mich nicht von einem Schwarzen in der westlichen Welt dirigieren lassen.“

Der ORF – bekanntermaßen niemals schwarz dirigiert – hat ihn jetzt nicht mehr so gern, aber dafür startet Klaus Emmerich nun noch mal so richtig durch zu einer internationalen Medienkarriere und reiht sich nach Priklopil, Fritzl und Haider nahtlos in die Reihe österreichischer Kulturbotschafter der jüngeren Vergangenheit ein. Danke, Klaus!

Immerhin komm ich so dazu, das Grafiktablett auch mal … äh … „zeichnerisch“ einzusetzen – in Anbetracht meines Talents ein durchaus kühner Euphemismus, ich weiß ;-)

Suchbild mit Klaus Emmerich

Mehr im Archiv (Keywords: ORF, US-Wahl, Skandal, Barack Obama, Klaus Emmerich, rassistisch, KKK, Ku-Klux-Klan, Karikatur, Cartoon, Zeichnung)

Kronenzeitung: unabhängig von der Wahrheit

Sonntag, 6. Juli 2008

Die Krone, jenes Blatt, das so erfolgreich ist, weil man darin nicht das Neue erfährt, sondern das, was man schon immer wusste, schlagzeilte gestern über eine ganze Doppelseite:

Zu viele Ausländerkinder machen den meisten Eltern Sorgen

Der hohe Anteil an schlecht oder gar nicht Deutsch sprechenden Ausländerkindern in den Schulen macht immer mehr Oberösterreichern Sorgen. Bei der Bildungsumfrage des Landes nannten 71 Prozent der befragten Eltern dieses Problem an erster Stelle.

Kronenzeitung – OÖ Bildungsumfrage (5. Juli 2008)

(OÖ Krone 5.7.2008)

 

So so. Nun, netterweise kann man besagte Bildungsumfrage auf der Seite der OÖ Landesregierung herunterladen. Ein Quellenstudium, das sich lohnt, aber auch einen guten Magen verlangt…

1. Akt – aus klein mach groß

Hier Chart 3 der Umfrage, der erste, der sich konkret mit dem Ausländeranteil in den Klassen befasst:

Frage: „[Ganz spontan:] wo sehen Sie die Schwächen im Schulsystem in Oberösterreich?“

(Antworten der befragten Eltern, absteigend sortiert)

OÖ Bildungsumfrage 2008 – Chart 3: Schwächen des Schulsystems

  • Wissensvermittlung: 10 %
  • bessere Lehrmethoden, Lernutensilien: 9 %
  • bessere Ausbildung der Lehrer, Fortbildung: 8%
  • Förderung der schwächeren Schüler, zu wenig Förderunterricht: 8 %
  • zu hoher Ausländeranteil in den Klassen: 7 %
  • zu viele Schüler in den Klassen: 7 %
  • […]
  • Keine Angabe: 19 %

(OÖ Bildungsumfrage 2008)

 

Das war eine offene Frage, es wurden also keine Antworten vorgegeben. Den befragten Eltern sind hier spontan die Bereiche Wissensvermittlung und Lehrmethoden als größter Schwachpunkt eingefallen. Danach folgen die Aus- und Weiterbildung der Lehrer und die Förderung schwacher Schüler. Erst auf Platz fünf folgt der Ausländeranteil in den Klassen, ex aequo mit dem offenbar ebenfalls zu hohen Inländeranteil.

Erstaunlich. Ein scheinbar brennendes Problem, das laut Krone „den meisten Eltern Sorgen“ macht, fiel bei der offenen Frage nur 7 % spontan von sich aus ein. Und auch keineswegs an erster Stelle.

Aber die Krone hat eigene Prioritäten:

Krone-Schlagzeile OÖ Bildungsumfrage (5. Juli 2008)

 

2. Akt – aus weniger mach mehr

Woher kommen nun die 71 %, die im Artikel als Begründung der Schlagzeile herhalten müssen? Sie stammen aus diesem Teil der Umfrage:

Frage: „Nun lese ich Ihnen noch verschiedene Aussagen zu möglichen Schwächen des Schulsystems vor und Sie sagen mir bitte auch dazu, ob Sie der jeweiligen Aussage sehr zustimmen (1), eher zustimmen (2), eher weniger zustimmen (3) oder gar nicht zustimmen (4). Beginnen wir mit…“

(Gesamtzustimmung „sehr“ + „eher“. In Klammer: Vergleichswert 2007)

OÖ Bildungsumfrage 2008 – Chart 5: Mögliche Schwächen des Schulsystems

  • hoher Anteil an Kindern mit schlechten Deutsch-Kenntnissen in vielen Klassen: 71 % (77 %)
  • mangelnde Motivation vieler Lehrkräfte: 76 % (76 %)
  • die Schultypen-Entscheidung muss zu früh getroffen werden: 68 % (62 %)
  • zu wenig Flexibilität in der Ausbildung, zu starres System: 72 % (66 %)
  • […]

(OÖ Bildungsumfrage 2008)

 

Jetzt, wo ihnen eine konkrete Bewertung vorgegebener Aussagen abverlangt wird, identifizieren die Eltern folgende Hauptschwächen, in absteigender Reihenfolge:

  1. 76 % die mangelnde Motivation vieler Lehrer
  2. 72 % ein zu starres Schulsystem (dieser Wert ist seit der letzten Umfrage um nahezu 10 % gestiegen) und
  3. 71 % Klassen mit zu vielen Kindern mit schlechten Deutschkenntnissen (ein Wert, der seit dem Vorjahr um 8 % gesunken ist)

Auch wenn sich dieser Teil schwer mit dem offenen von vorhin vergleichen lässt, scheinen die Eltern im Gegensatz zur Krone durchaus zwischen „den Ausländerkindern“ und solchen mit Sprachproblemen zu differenzieren. Außerdem finden über 2/3 der Eltern, dass die Schultypen- -Entscheidung zu früh getroffen werden muss.

Hochinteressante und spannende Einsichten, aber nicht für Krone-Leser:

Der hohe Anteil an schlecht oder gar nicht Deutsch sprechenden Ausländerkindern in den Schulen macht immer mehr [sic!] Oberösterreichern Sorgen. Bei der Bildungsumfrage des Landes nannten 71 Prozent der befragten Eltern dieses Problem an erster [sic!] Stelle.

(OÖ Krone 5.7.2008)

 

Dass der Redakteur die tatsächlich von den Eltern genannten Hauptschwächen des Schulsystems völlig ignoriert und stattdessen lieber „die Ausländer“ zur Schlagzeile kürt, mag dem Krone-Biotop geschuldet sein, aber wie er dann im Text angesichts eines Rückgangs von 8 % auf eine Steigerung kommt, weiß wohl nur sein behandelnder Arzt.

Auch konnten die Eltern „dieses Problem“ schwer „an erster Stelle“ nennen, da eine Reihung in der Fragestellung schlicht nicht vorgesehen war. Doch das nur am Rande.

3. Akt – ergänze Vorsatz durch Inkompetenz

Weiter geht’s im Krone-Bericht:

73 Prozent wünschen sich eine Überprüfung der Deutschkenntnisse von ausländischen Kindern vor deren Einschulung. […] 83 Prozent der Eltern wollen eine Verkleinerung der Klassenschüler-Höchstzahl auf maximal 25 Kinder.

(OÖ Krone 5.7.2008)

 

OÖ Bildungsumfrage 2008 – Chart 6: Bewertung von Reformvorschlägen

Hier hat der glücklose Journalistenanwärter in der Krone-Redaktion übersehen, dass die 73 bzw. 83 % nur jener Anteil der Eltern sind, die diesen Reformvorschlag „sehr gut“ finden. „Gut“ fehlt hier im Papier. Die Elternwerte werden nämlich nur für ausgesuchte Bereiche, ergänzend zu jenen der Gesamtbevölkerung, angegeben. Zugegeben, das ist wirklich tückisch. Nimmt man die „sehr gut“ und „gut“-Beurteilungen der Gesamtbevölkerung zusammen, kommt man auf 90 % bzw. 96 % Zustimmung. Die Werte der Eltern dürften ähnlich hoch liegen.

4. Akt – halbiere die Prozent, verdopple die Befragten

Ganz am Ende der Wunschliste steht die Einführung einer Gesamtschule für alle 14-Jährigen anstelle der Hauptschule und der Gymnasien. Nur 15 Prozent der 1025 Befragten erwärmen sich dafür.

(OÖ Krone 5.7.2008)

 

„Sie erinnern sich: dreimal wurde unser Ausnahmetalent schon mit Fakten angespielt und dreimal ist er kurz vor der Wahrheit gescheitert. Den ‚Hattrick‘, wenn Sie so wollen, hat er also schon. Doch was ist das? Uuuh, wieder ein Prozentwert – und eine große Zahl. Im selben Satz! Ob das gut geht? … Neeein, es kommt, was kommen muss: beide daneben! Was für ein Trauerspiel, meine Damen und Herren. Und damit gebe ich zurück ins Funkhaus.“

Danke für diesen Livebericht aus der Krone-Arena. Herbert, was ist hier schiefgelaufen?

Erstens: Der Redakteur bezieht sich eindeutig auf die 15 % der Eltern (nur dort kommt der Wert in diesem Zusammenhang vor), spricht aber dabei von 1025 Befragten. Er übersieht hier, dass die Elternbefragung zusätzlich zu jener der Gesamtbevölkerung, mit einem Sample von nur 500 Personen erfolgte:

n= 1025 telefonische CATI-Interviews repräsentativ für die oberösterreichische Bevölkerung ab 18 Jahren + Aufstockung auf n= 500 telefonische CATI-Interviews mit Eltern von Kind (ern) bis 15 Jahre

(OÖ Bildungsumfrage 2008)

 

Zweitens: Es fehlt auch hier wieder der Prozentwert jener Eltern, die den Reformvorschlag Gesamtschule „gut“ finden. Dabei wäre der Redakteur bei dieser Frage gar nicht auf den lückenhaften Chart 6 angewiesen gewesen. Hätte er nur eine Seite weiter geblättert, hätte er zur Frage „Gesamtschule“ nämlich diese höchst aufschlussreiche Detailtabelle gefunden:

OÖ Bildungsumfrage 2008 – Chart 7: Gesamtschule

Da hätte er dann auch erfahren, dass sich in Wahrheit fast doppelt so viele Befragte wie von ihm behauptet, nämlich 28 %, für die Gesamtschule erwärmen können. Und die 68 Prozent aus Chart 5, die zwar nicht unbedingt die Gesamtschule wollen, aber finden, dass die Schulentscheidung zu früh erfolgt, hätte man als ordentlicher Journalist hier natürlich auch anführen können.

Aber was red ich denn da?
Kronenzeitung … ordentlicher Journalismus…?

Ich mein, man weiß es ja eigentlich eh. Aber stellen wir uns mal kurz vor, was die wohl jeden Tag aufführen, bei Geschichten, die sich nicht so leicht überprüfen lassen…

„UNABHÄNGIG“ steht stolz in Großbuchstaben auf jedem Titelblatt der Krone. Das ist sie in der Tat. Unabhängig, von der Wahrheit.

Der vielleicht beste österr. TV-Spot aller Zeiten

Samstag, 21. Juni 2008

Ich hasse ja diese „me-too“-Artikel, wo ein Blogger vom anderen abschreibt, ohne selber irgendwas zur Story beizutragen. Aber hier kann ich nicht anders. Diesen Spot habe ich eben auf Hannes Treichls ANDERS|denken-Blog entdeckt. Und ich habe dazu wirklich nichts anderes zu sagen, als: Anschaun!

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[Youtube-Video]

„Crossing Cultures“ TV-Spot des afro-asiatischen Institus (AAI) Graz (Site scheint leider derzeit down zu sein). Keywords: Schwarzafrikaner – Bande/Gang – Rentner – Überfall/schwerer Autodiebstahl – Vorurteile …

Die Ärzte – zensuriert auf Antenne „Bild“

Freitag, 13. Juni 2008

Liebe Antenne Bayern!

Hab euch immer gern gehört, selbst hier im fernen Österreich. Ihr wart für mich lange Zeit – als es bei uns noch kein Privatradio gab – der einzige Sender, der einfach gut und entspannt zu hören war. Und diese Zuneigung hatte bis zum heutigen Tage angehalten. Doch dann gleich zwei Schocks an diesem Freitag, den 13.

Ihr gehört zum Axel Springer-Konzern. Nicht ganz, „nur“ zu 16 %. Aber das hat euch nicht gehindert, die Kritik am Springerblatt „Bild“ aus einem Ärzte-Song zu 100 % rauszuschneiden (siehe Bildblog).

Shame on you, Antenne Bayern!

Nun denn, ihr schneidet die Ärzte und ich fortan euch. Wird euch nicht kratzen, schon klar. Aber es sollte euch doch zu denken geben, wie sehr ihr euren Ruf mit dieser Aktion gerade beschädigt habt. Weit über die Bayerischen Grenzen hinaus. War’n sie das wert, die 16 %?

Best of Werberat

Donnerstag, 5. Juni 2008

Wenn jemandem eine Werbung missfällt, kann er sich beim Werberat beschweren. Dieser prüft dann den Fall und entscheidet, ob die Werbung eingestellt werden muss oder nicht. In jedem Fall aber landen die bisweilen unfreiwillig komischen Beschwerden auf der Homepage des Werberats. Teilweise auch mit Fotos dokumentiert.

Nachfolgend ein paar ganz persönliche „Highlights“ aus den Online-Archiven des Werberates:

Flash-Player herunterladen
[Youtube-Video]

  • Barschule – Erhöhte Verletzungsgefahr
    Entscheidung: „Der Werberat hat den Betreiber der Barschule aufgefordert, den […] Spot mit sofortiger Wirkung einzustellen, weil dieser geeignet ist, religiöse Gefühle zu verletzen.“ (Fast wie daham, sagt da der Islam.)
  • Pädophiler BIPA-Amor?
    Werbefoto ansehen und Begründungen der Beschwerdeführer lesen (Zitat: „Wenn Sie noch genauer hinschauen wird Ihnen auch der nackte Oberkörper des Mannes auffallen, der…“). Unfassbar, auf was manche Leut kommen. Da kriegst echt Angst.
  • UNHCR – Böse Schneckenquäler
    Beschwerde: „Im Spot wird eine lebende Schnecke aus ihrem Haus gezerrt. Ist es sinnvoll, auf das Leid von Menschen hinzuweisen, indem man Tiere quält?“ (Kleiner Tipp: Nicht alles glauben, was man im Fernsehen sieht.)
  • Actimel wirkt in verkehrte Richtung
    Beschwerde: „es wird in der werbung immer betont, dass actimel von danone für einen menschen gesund sei. dies halte ich für nicht erfüllt, wenn man nach dem genuss dieses produkt immer erbrechen muss.“
  • Nervige Flash-Werbung auf krone.at
    Auf der Suche nach dem Schließen-Button. Erstaunlich, auch sowas geht beim Werberat. Und diese Beschwerde würde ich sogar unterstützen.
  • XXL Lutz – Herabwürdigung von Politikern
    Ja das geht tatsächlich – aber keine Bange, nur bei Toten. Zitat: „Ich verurteile, die zurzeit ausgestrahlte Werbung des Möbelhauses Lutz XXL spottet jeder Beschreibung, denn unseren hart verhandelten österreichischen Staatsvertrag für solche Werbezecke zu missbrauchen ist eine Schande für Österreich.“ (Was würde der erst da sagen?)

Die #1 der letzten Jahre

Und nun – außer Konkurrenz – die absolute Spitzenreiterin der letzten fünf Jahre. Ganz selten kommt mal eine Werbung auf zweistellige Beschwerdezahlen. Diese schaffte gleich 62 an der Zahl. Es handelt sich nämlich um einen Spot, in dem… Darauf kommt ihr nie. Im Leben nicht. Ich schwör’s. Lasst euch überraschen:

Vielleicht findet ihr ja auch noch was Nettes.
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