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Arigona

Dienstag, 22. Juni 2010

So sehr dieser Fall das Land spaltet, über einige Dinge brauchen wir nicht zu streiten:

  • Menschen, die in ihrer Heimat verfolgt werden, müssen wir Schutz und Asyl geben.
  • Wir können nicht „alle“ aufnehmen, die sich bei uns „nur“ ein besseres Leben erhoffen. Da dies nicht nur unsere, sondern auch die Situation in den Herkunftsländern verschlimmern würde.
  • Familie Zogaj war nie ein Asylfall, nach unserem Verständnis. Die Ablehnung des Ansuchens und Rückführung in die Heimat mithin folgerichtig und legitim.

Doch ist hier etwas passiert, was nie geschehen hätte dürfen. Wir ließen zu, dass das Verfahren sich über neun Jahre zog. In dieser Zeit fasste die Familie Fuß in Frankenburg und baute sich dort eine Existenz auf. Als die Mühlen des Fremdenrechts dann endlich fertig gemahlen hatten, waren Zogajs längst schon keine Fremden mehr. Sie waren Nachbarn, Freunde, fast schon „echte“ Österreicher. Bis Staat und Medien den Ruf zerstört und die Familie zerrüttet haben.

Arigona und ihre Geschwister können nichts für die Fehler ihrer Eltern, Berater, der Medien und Politik. Sie haben ohnehin schon teuer dafür bezahlt.

Österreich ist ihre Heimat. Sie kennen keine andere und haben auch sonst keine. Hier sind ihre Freunde, hier sprechen sie die Sprache, hier sind sie aufgewachsen, planten ihre Zukunft und ihr Leben. Was sonst soll Heimat sein?

Es ist entlarvend, dass gerade jene, die sonst so viel auf Blut und Boden geben, in diesem Fall so tun, als wäre Heimat nur ein leeres Wort, beliebig austauschbar und jederzeit zu wechseln wie ein Hemd.

Es passt einfach nicht, unsere Freunde, Nachbarn, Kinder, die hier heimisch sind, mit Abschiebung zu bedrohen. Das war auch dem Gesetzgeber bei allem Eifer noch bewusst. Darum schuf er die Hintertür des humanitären Bleiberechts. Doch die „Regeln“, nach denen dieses gewährt wird (wenn überhaupt, nur still und heimlich, denn offen traut sich keiner mehr, dem Mob die Stirn zu bieten), gemahnen einmal mehr an Frankenburg – vor fast 400 Jahren – und weniger an eine verantwortungsvolle Abwägung humanitärer Härten.

Josef Hader hat sich dazu in einem bemerkenswerten NEWS-Video so seine Gedanken gemacht:

Josef Hader zum Fall Zogaj (Video-Transkript)

Wenn man sich näher informiert, dann weiß man, dass in vielen Fällen es so läuft, dass nicht die Menschen illegal nur da sind und quasi sich verstecken. Sondern, dass die Menschen weitestgehend, lange Zeit von verschiedenen staatlichen Institutionen total verschiedene Ratschläge hören. Dass sie hingehalten werden, dass sich überhaupt niemand genau sagen traut, wie humanitäres Bleiberecht überhaupt funktioniert, weil jede Stelle, wo man fragt, andere Kategorien hat dafür. Und warum wird diese Unsicherheit, diese Rechtsunsicherheit, geschaffen? Damit man sich eigentlich aussuchen kann, wie viele man ablehnt. Damit man eigentlich am Anfang vom Jahr sagt: „Wir lassen fünf Prozent durch.“

So ist generell die ganze Asylpolitik. Die ist so gestaltet, dass’ nicht drum geht, um Gesetze, um Ansprüche, um klare Definitionen. Sondern man ist dran interessiert, dass man alles möglichst vage hält. Sodass man, je nach Quote, einfach entscheiden kann, so und so viele nehmen wir. Den Rest schicken wir zurück. Egal, ob die jetzt verfolgt werden, daheim, oder nicht. Es geht darum, juristisch möglichst Unklarheit zu schaffen. Und die Spitze des Eisberges ist dann so ein Fall, wo dann die Innenministerin dasteht und in ihrer Hilflosigkeit sagt, sie [Arigona] soll ein Schülervisum beantragen oder heiraten.

Das ist gar nicht so sehr Zynismus. Das ist einfach höchste Dummheit und Überforderung. Weil man natürlich auch nur Menschen von einer bestimmten, sag ich einmal, schlichten Denkungsart findet, die sich diesen Job antun. Das muss man ganz offen so sagen. Es kann keinen sensiblen, intelligenten Innenminister geben – oder Innenministerin, weil sich jemand Kluger, Intelligenter diese Dreckshockn, wo er für seine eigene Partei ständig eigentlich … was ist der Job von einem Innenminster? Dass man für die eigene Partei ständig schaut, dass rechts nichts mehr wächst. Das ist der Job von einem Innenminister. Egal, ob er der SPÖ oder der ÖVP angehört. Da geht’s darum, Drecksarbeit zu machen, so wie ein Kanalräumer. Und nachher wird man belohnt und wird dann Landeshauptmann oder irgendwas anderes.

 

Niemand von uns Eingeborenen hat es sich „verdient“, in Österreich zu leben. Es ist keine Leistung, hier geboren zu sein, sondern reiner Zufall. Wir haben es nur in der Hand, der Willkür dieses Zufalls etwas von ihrem Schrecken zu nehmen, indem wir uns – wo immer wir gerade sind – um eine menschlichere, lebenswertere Welt bemühen. Auf dass es irgendwann egal sein möge, wo das Schicksal einen neuen Menschen auf die Erde wirft.

Historische Zeitungen zur Bankenkrise

Donnerstag, 12. März 2009

Manchmal lohnt es sich, in alten Zeitungen zu stöbern. Dankenswerterweise scannt die Österreichische Nationalbibliothek bereits seit 2003 historische Zeitschriften ein und stellt sie in einem stetig wachsenden Archiv auf „ANNO“ (Austrian Newspapers Online) öffentlich zum Abruf bereit.

Leider sind die Texte noch nicht durchsuchbar, daher hier mal so zwei Beispiele – aus gegebenem Anlass sozusagen:

Schutz für die Zentralbank Deutscher Sparkassen

Die Regierungsaktion im Gange.

Neue Freie Presse, 1. Juli 1926 (Quelle: ANNO/ÖNB)

Es ist kein sehr angenehmes Geschäft, immerdar als Beschwichtigungshofrat anzurücken. Die Rolle des Alarmisten ist weitaus dankbarer, denn in Österreich ist es ja schon zu einer Art Gesellschaftsspiel geworden, den Pessimismus in allen Variationen: Schwarz, Schwärzer und am Schwärzesten zur Schau zu tragen. […] [Aber] diesmal muß doch die Beschwichtigung ganz ernst gefordert werden und die Regierung hat erkannt, die Quelle der Gerüchte müsse verstopft werden und gleich von Anfang an dürfe kein Zweifel obwalten über den Schutz der Einleger, über die Verteidigung des Vertrauens und über die Gewißheit der ökonomischen Kampfkraft. Was ist das Wesen der Zentralbank Deutscher Sparkassen? Sie ist eine Art Dachgesellschaft für die meisten großen Sparkassen von Österreich. Sie steht insbesonders mit Graz, Salzburg und Niederösterreich in der innigsten Verbindung, und wenn erst einmal diese kleinen Leute in Bewegung kommen, wenn man bis aufs Land hinaus die Furcht erwecken würde wegen der Sicherheit der hinterlegten Gelder, dann Gnade uns Gott, dann müßte eine neue Periode wirtschaftlicher Krise beginnen durch die Lähmung der kleinen und kleinsten Zellen, durch die Schädigung jener Kapillargefäße, die für den Gesamtorganismus genau dieselbe Wichtigkeit besitzen wie die großen Arterien.

Eine solche Krise wird nicht erfolgen. Die Bundesregierung übernimmt nach dem amtlichen Communiqué die Vorsorge für die Sicherung der Einlagen, das bedeutet eine förmliche Haftung, und sie hat zu gleicher Zeit den naturgemäßen Schutz aus dieser Verpflichtung gezogen, indem sie den Oberkurator der Niederösterreichischen Hypothekenanstalt, Herrn Streeruwitz, damit beauftragt, die Aktion zum Schutze der Einleger durchzuführen. Es ist also beinahe eine Verstaatlichung, die hier ganz plötzlich ins Leben tritt, es ist jedenfalls das Äußerste, was ein Ministerium für ein Privatinstitut zu leisten vermag, und so wird heute das ganze Publikum erfahren, ein Sturm auf die Schalter wäre ganz unberechtigt und genügende Mittel sind vorhanden, um ihm die Spitze zu bieten. […]

— Neue Freie Presse1) am 1. Juli 1926 (Quelle)

 

Wirkungen der Krise

Die Kreditanstalt muß vom Staat gestützt werden.

Das Kleine Blatt, 12. Mai 1931 (Quelle: ANNO/ÖNB)

Die wachsende Wirtschaftskrise hat nun auch die größte österreichische Bank, die Kreditanstalt, in solch schwierige Lage gebracht, daß sich die Regierung gezwungen sah, sie mit der gewaltigen Summe von einhundert Millionen Schilling zu stützen. Der Staat übernimmt um 100 Millionen Schilling Aktien dieser Bank und sichert dadurch diese Bank von den weiteren Gefahren.

Diese Gefahren hätten nicht allein dem Hause Rothschild gedroht, welches Haupteigentümer der Kreditanstalt ist. Denn die Kreditanstalt finanziert nicht weniger als siebzig Prozent der ganzen österreichischen Industrie, und der gute Teil der Industrie, die da noch ist, beruht vielfach darauf, daß die Betriebe der Kreditanstalt fortgeführt werden. Eine Erschütterung der Kreditanstalt hätte auf das ganze österreichische Wirtschaftsleben wie ein Orkan gewirkt. Es war also ganz gewiß ein unabweisliches Gebot der Not, alles zu unternehmen, um diese Gefahren zu bannen.

Was sich da aber zugetragen hat, ist von allergrößter Bedeutung. Rothschild, das war der ungekrönte König Österreichs. Die Kreditanstalt, an deren Spitze er steht, beherrscht, wie schon bemerkt, nicht allein siebzig Prozent der österreichischen Industrie, sondern durch seine großen Banken in Prag, Budapest und Warschau große Teile der Industrien des alten österreichisch-ungarischen Wirtschaftsgebietes. Seit anderthalb Jahrhunderten war es so, daß jedwelche Regierung in Österreich, die Geld bedurfte, sich an Rothschild wenden musste; es ist das erstemal in der Geschichte des Hauses Rothschild, daß sich dieser Finanzkönig an die Regierung um Hilfe wenden muß, daß Staatsgelder, Steuergelder aufgeboten werden müssen, um eine Rothschildbank zu stützen, damit die ganze Wirtschaft nicht erschüttert werde.

Rothschild, die Kreditanstalt, ist freilich nur ein Glied in dieser Kette. Was sind da Staatsgelder zur Sanierung österreichischer Banken verpulvert worden! Von der Zentralbank der deutschen Sparkassen mit ihrem Schwarm von Winkelbanken über die Unionbank und Bodenkreditanstalt bis zur Kreditanstalt führt eine Linie. Nichts vermag anschaulicher das völlige Versagen des Kapitalismus zu erweisen, der in den Banken seine höchste Entwicklungsform gefunden hat, als diese endlose Kette der Bankenzusammenbrüche, die von hunderttausenden Arbeitern und Angestellten mit Arbeitslosigkeit und Hunger, die von der ganzen Bevölkerung mit vermehrten Steuern bezahlt werden mußten. Die Banken beherrschen das ganze Wirtschaftsleben, aber sie verstehen es nicht mehr zu führen. Und am Ende muß der Staat mit seinen öffentlichen Mitteln einspringen, muß die Banken stützen, muß für die Fehler und die Spekulationen ihrer Generaldirektoren aufkommen, um das größere Übel einer Wirtschaftszerrüttung zu verhüten. Der Kapitalismus ist am Ende seiner Weisheit. Er ist außerstande, die Menschen mit Arbeit und Nahrung zu versorgen, er ist außerstande, die Produktion überhaupt auch nur fortzuführen. Er wankt von Krise zu Krise, schleudert die Menschen in immer tiefere Not und muss am Ende selbst bei der staatlichen Gemeinschaft Hilfe in seiner Not heischen, die er beherrscht und ausbeutet. Was bleibt dann von seiner vielgepriesenen Wirksamkeit übrig? Die Zeit des Sterbens der kapitalistischen Wirtschaftsordnung ist gekommen. Der Krampf, unter dem sich der Kapitalismus windet, ist der Todeskrampf einer Wirtschaftsordnung, die ihre Tage erfüllt hat.

— Das kleine Blatt2) am 12. Mai 1931 (Quelle)

 

Und da heißt es immer, nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern…

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  1. Neue Freie Presse – heute: „Die Presse“ [↑]
  2. Das Kleine Blatt – Sozialistisches Kleinformat, ähnliche Ausrichtung wie Arbeiterzeitung „AZ“, aber volksnäher im Schreibstil [↑]

„Das frrreie Worrrt“ der Kronen Zeitung

Sonntag, 14. Dezember 2008

Frage: Wie kriegt man möglichst schnell einen Überblick über das Spektrum rechtsradikaler, revisionistischer1) und neonazistischer Seiten im deutschsprachigen Internet? Man googelt einfach ein paar Zitate aus einem Krone-Leserbrief.

Die folgende Zuschrift erschien letzten Donnerstag in der Kronen Zeitung, zu einem harmlosen Thema, eigentlich. Extra grau hinterlegt, mit Foto als Blickfang und Rahmen drum rum. Eine besondere Auszeichnung im „freien Wort“ und Hinweis, dass Herausgeber und Redaktion diesen Brief wohl für besonders lesenswert halten:

Verhindert Internet Kriege?

Kronen Zeitung, Do. 11. Dez. 2008, S. 30

„[…] Hätte Internet nach dem für Deutschland verlorenen Krieg den sinnlosen Mord an 500.000 Flüchtlingen, Alten, Frauen und Kindern in Dresden verhindern können? Wohl kaum, denn Sir Winston Churchill hätte den Befehl, „die Flüchtlinge aus dem Osten in Dresden zu braten“, auch ausgegeben, wenn es damals schon Internet gegeben hätte […]“

(Quelle: Kronen Zeitung, 11. 12. 2008, S. 30)

 

Eins vorweg: die Angriffe auf Dresden und andere Städte waren verheerend und eine derartige Flächenbombardierung der Zivilbevölkerung würde heute zu Recht als Kriegsverbrechen eingestuft. Allerdings sprechen seriöse Quellen von etwa 25.000 Opfern in Dresden. Immer noch viel zu viele, aber nicht annähernd die vom Leserbriefschreiber behauptete halbe Million. Wo kommt so eine Zahl her? Nun, fragen wir Google.

Einmal Irving

Gleich der erste Link führt auf eine Propagandaseite, die von Google Deutschland sogar ausgeblendet werden muss und daher nur bei google.at aufscheint. Diesen Müll sollte man sich aber sowieso lieber sparen. Interessanter ist diese Seite, die sehr übersichtlich Aufschluss darüber gibt, woher die Zahl im Krone-Leserbrief stammen könnte:

Zahlenangaben – Dresden, alliierte Luftangriffe

  • 135.00 Opfer
    Diese Zahl geht auf David Irving zurück.
  • 202.040 Opfer
    Diese Zahl wurde von David Irving verbreitet. Sie beruht auf einem gefälschten Polizeibericht von 1945. [Die Nazis hatten einfach an jede Zahl eine Null angefügt; Anm.]
  • 250.000 bis 500.000 Opfer
    Diese Zahlen tauchen in diversen rechtsextremen Publikationen auf und haben meist keinerlei dokumentarische Grundlage oder gehen auf die gefälschte Zahl von 202.040 Opfern zurück.

Quelle »

 

Irving ist ein verurteilter Holocaust-Leugner und -Relativierer. Tja, und so führt die Frage nach der Herkunft dieser schauerlichen Zahlen auch gleich unmittelbar zu ihrem Zweck.

Zweimal Irving

Wir erinnern uns, Herr P. aus S. schrieb auch noch, Churchill habe den Befehl gegeben, „die Flüchtlinge aus dem Osten in Dresden zu braten“.

Die Anführungszeichen deuten auf ein Zitat hin. Aber wie authentisch ist es? Kann Google hier noch mal weiter helfen?

Es kann. Doch was hier als Suchergebnis kommt, lässt sich am besten wie eingangs beschreiben: als buntes Spektrum neonazistischer, revisionistischer und rechtsextremer „Heimseiten“. Es ist wirklich – und das hat man selten – praktisch keine „normale“ Seite im Suchergebnis dabei.

Dafür wimmelt es vor seltsamen keltischen Runen (die Swastika ist ja verboten), zwanghaft eingedeutschten Begriffen, Judenfeindlichkeit und Geschichtsverdrehungen. Von „Dresden-Holocaust“ ist hier zB die Rede und man kann sich des Eindrucks kaum erwehren, dass Churchill fast der schlimmere Hitler war, in den Augen dieser Menschen.

Und die Quelle für das angebliche Zitat finden wir auch – es ist immer dieselbe:

[…] Der britische Zeitgeschichtler David Irving zitierte am 13. Februar 1990 anläßlich eines Vortrags zum 45. Jahrestag der Vernichtung von Dresden im Dresdner Kulturpalast den Kriegsverbrecher Churchill: „Ich möchte keine Vorschläge haben, wie wir kriegswichtige Ziele im Umland von Dresden zerstören können, ich möchte Vorschläge haben, wie wir 600.000 Flüchtlinge aus Breslau in Dresden braten können.“

(Quelle: suche selbst, wer unbedingt mag)

 

Hm, einmal Irving als mögliche Quelle in einem Krone-Leserbrief, das kann auch ein unglücklicher Zufall sein. Aber zweimal Irving…?

Die Ecke, aus der das Gedankengut des Briefes kommt, ist mangels alternativer Quellen jedenfalls klar. Aber man musste auch schon vorher kein Geschichtsexperte sein, um bei den im Brief gezeichneten Bildern ins Grübeln zu kommen.

Und Dichand?

Der veröffentlicht diese revisionistische Propaganda, die sich ins dunkelbraunste rechte Eck zurückführen lässt, nicht nur kommentarlos, er und seine Redaktion finden den Brief auch noch so toll, dass sie ihn optisch sogar besonders hervorheben, auf ihrer Krone-Leserbriefseite.

Bei so viel Geschichtsbewusstsein ist es wirklich gut, dass wir in Österreich ein Verbotsgesetz haben. So bleibt uns zumindest das Ärgste erspart, im „freien Wort“ der Krone.

 

Update 20:49 Uhr:
Eben sehe ich nebenan im Krone-Blog, dass im frrreien Worrrt bereits ungeniert über „Untermenschen“ fabuliert werden darf.  Ich war wohl zu optimistisch, was das Ersparen betrifft… :-(

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  1. Revisionismus: Der Versuch, die Geschichte umzudeuten (zB Leugnung/Relativierung des Holocausts [↑]

Wer wird Koalitionär?

Dienstag, 18. November 2008

Die neue Show der Österreichischen Volksbühnen (ÖVB). Zehn Fragen auf dem Weg zur Koalition. Der Kandidat hat einen Kompromiss-Joker, darf einen Freund um Hilfe bitten oder das Volk befragen.

Das Spiel lebt von ratlosen Gesichtern, die in Großaufnahme quälend lange zu scheinbar leichten Fragen schwitzen, aber…

Wer wird Koalitionär?

„Mit manchen Kandidaten macht’s einfach keinen Spaß.“
Mehr im Archiv (Keywords: Werner Faymann, Josef Pröll, SPÖ, ÖVP, Koalition, Verhandlungen, zehn Fragen, Wer wird Millionär, Karikatur, Cartoon, Zeichnung)

Nachtrag: Ich sehe eben, „Feuerhaken“ hatte dieselbe Eingebung. Da habe ich die Überschrift wohl vorher unbewusst in meinen Feeds gesehen und danke ihm die Inspiration… :-)

Wolfgang Lorenz: ‚Scheiß Internet!‘

Freitag, 14. November 2008

Wolfgang Lorenz (62), rüstiger ORF-Programmdirektor und in der Anstalt offenbar ein weiteres Mitglied im Club Tourette1) hat auf einer öffentlichen Veranstaltung über das „Scheiß Internet“ vom Leder gezogen. Lorenz zeichnete u.a. für den Quotenknaller „Mitten im 8en“ verantwortlich.

Und weil ich mich vorhin bei KKKlaus Emmerich so schön warm gezeichnet habe, und es eh viel zu selten vorkommt, dass der ORF inspirierend wirkt, lassen wir dem Gesetz der Serie einfach seinen Lauf und geben meinem hoffnungslos unterforderten Digi-Malzeugs kurz die Illusion einer sinnerfüllten Existenz…

Wolfgang Lorenz: ‚Scheiß Internet!‘

Mehr im Archiv (Keywords: ORF, Wolfgang Lorenz, Scheiß Internet, Internat, Schule, Klassenzimmer, Tafel, Streich, #anlorenz, Karikatur, Cartoon, Zeichnung)

_________
  1. Tourette-Syndrom: kann sich u.a. äußern in unwillkürlichem Schimpfen, Fluchen oder Herausschleudern von Worten und kurzen Sätzen, die nicht im logischen Zusammenhang mit dem Gesprächsthema stehen. [↑]

Suchbild mit Klaus Emmerich

Donnerstag, 13. November 2008

„Ich möchte mich nicht von einem Schwarzen in der westlichen Welt dirigieren lassen.“

Der ORF – bekanntermaßen niemals schwarz dirigiert – hat ihn jetzt nicht mehr so gern, aber dafür startet Klaus Emmerich nun noch mal so richtig durch zu einer internationalen Medienkarriere und reiht sich nach Priklopil, Fritzl und Haider nahtlos in die Reihe österreichischer Kulturbotschafter der jüngeren Vergangenheit ein. Danke, Klaus!

Immerhin komm ich so dazu, das Grafiktablett auch mal … äh … „zeichnerisch“ einzusetzen – in Anbetracht meines Talents ein durchaus kühner Euphemismus, ich weiß ;-)

Suchbild mit Klaus Emmerich

Mehr im Archiv (Keywords: ORF, US-Wahl, Skandal, Barack Obama, Klaus Emmerich, rassistisch, KKK, Ku-Klux-Klan, Karikatur, Cartoon, Zeichnung)

In den Wind ge…

Dienstag, 22. Juli 2008

Soso, das österreichische Volk, pardon, die Kronenzeitung, pardon, Hans Dichand, ist also nicht der Vater von Werner Faymann. Herr Martinek darf ich mal kurz, ja? Keine Sorge, das tut mir jetzt mehr weh als Ihnen…

In den Wind ge…

Hans Dichand, der gekrönte Zar,
druckt Faymann nun zum Kanzler gar?
Vom „freien“ Wort bis Wolf, Jeannée,
gibt’s nur mehr Lobgehudele.
Gedankt sei auch familiärer Bande
(man denkt Palermo, ganz am Rande).
So wär’s am End nur konsequent,
wenn Faymann Dichand Papa nennt.
Doch dieser eifrig dement-iert,
er war mit Mama nie li-iert:
Luke, ich wollt dein Vater sein,
doch musst du mich mit Öst’rreich teil’n.“
Wir hör’n es wohl, das Wort des Krone-Manns,
doch rate ich, von Hans zu Hans:
Bevor du wortreich deinen Sohn entfremdest,
mach doch einfach einen Gentest.

haus|meister

 

Kronenzeitung: unabhängig von der Wahrheit

Sonntag, 6. Juli 2008

Die Krone, jenes Blatt, das so erfolgreich ist, weil man darin nicht das Neue erfährt, sondern das, was man schon immer wusste, schlagzeilte gestern über eine ganze Doppelseite:

Zu viele Ausländerkinder machen den meisten Eltern Sorgen

Der hohe Anteil an schlecht oder gar nicht Deutsch sprechenden Ausländerkindern in den Schulen macht immer mehr Oberösterreichern Sorgen. Bei der Bildungsumfrage des Landes nannten 71 Prozent der befragten Eltern dieses Problem an erster Stelle.

Kronenzeitung – OÖ Bildungsumfrage (5. Juli 2008)

(OÖ Krone 5.7.2008)

 

So so. Nun, netterweise kann man besagte Bildungsumfrage auf der Seite der OÖ Landesregierung herunterladen. Ein Quellenstudium, das sich lohnt, aber auch einen guten Magen verlangt…

1. Akt – aus klein mach groß

Hier Chart 3 der Umfrage, der erste, der sich konkret mit dem Ausländeranteil in den Klassen befasst:

Frage: „[Ganz spontan:] wo sehen Sie die Schwächen im Schulsystem in Oberösterreich?“

(Antworten der befragten Eltern, absteigend sortiert)

OÖ Bildungsumfrage 2008 – Chart 3: Schwächen des Schulsystems
  • Wissensvermittlung: 10 %
  • bessere Lehrmethoden, Lernutensilien: 9 %
  • bessere Ausbildung der Lehrer, Fortbildung: 8%
  • Förderung der schwächeren Schüler, zu wenig Förderunterricht: 8 %
  • zu hoher Ausländeranteil in den Klassen: 7 %
  • zu viele Schüler in den Klassen: 7 %
  • […]
  • Keine Angabe: 19 %

(OÖ Bildungsumfrage 2008)

 

Das war eine offene Frage, es wurden also keine Antworten vorgegeben. Den befragten Eltern sind hier spontan die Bereiche Wissensvermittlung und Lehrmethoden als größter Schwachpunkt eingefallen. Danach folgen die Aus- und Weiterbildung der Lehrer und die Förderung schwacher Schüler. Erst auf Platz fünf folgt der Ausländeranteil in den Klassen, ex aequo mit dem offenbar ebenfalls zu hohen Inländeranteil.

Erstaunlich. Ein scheinbar brennendes Problem, das laut Krone „den meisten Eltern Sorgen“ macht, fiel bei der offenen Frage nur 7 % spontan von sich aus ein. Und auch keineswegs an erster Stelle.

Aber die Krone hat eigene Prioritäten:

Krone-Schlagzeile OÖ Bildungsumfrage (5. Juli 2008)

 

2. Akt – aus weniger mach mehr

Woher kommen nun die 71 %, die im Artikel als Begründung der Schlagzeile herhalten müssen? Sie stammen aus diesem Teil der Umfrage:

Frage: „Nun lese ich Ihnen noch verschiedene Aussagen zu möglichen Schwächen des Schulsystems vor und Sie sagen mir bitte auch dazu, ob Sie der jeweiligen Aussage sehr zustimmen (1), eher zustimmen (2), eher weniger zustimmen (3) oder gar nicht zustimmen (4). Beginnen wir mit…“

(Gesamtzustimmung „sehr“ + „eher“. In Klammer: Vergleichswert 2007)

OÖ Bildungsumfrage 2008 – Chart 5: Mögliche Schwächen des Schulsystems
  • hoher Anteil an Kindern mit schlechten Deutsch-Kenntnissen in vielen Klassen: 71 % (77 %)
  • mangelnde Motivation vieler Lehrkräfte: 76 % (76 %)
  • die Schultypen-Entscheidung muss zu früh getroffen werden: 68 % (62 %)
  • zu wenig Flexibilität in der Ausbildung, zu starres System: 72 % (66 %)
  • […]

(OÖ Bildungsumfrage 2008)

 

Jetzt, wo ihnen eine konkrete Bewertung vorgegebener Aussagen abverlangt wird, identifizieren die Eltern folgende Hauptschwächen, in absteigender Reihenfolge:

  1. 76 % die mangelnde Motivation vieler Lehrer
  2. 72 % ein zu starres Schulsystem (dieser Wert ist seit der letzten Umfrage um nahezu 10 % gestiegen) und
  3. 71 % Klassen mit zu vielen Kindern mit schlechten Deutschkenntnissen (ein Wert, der seit dem Vorjahr um 8 % gesunken ist)

Auch wenn sich dieser Teil schwer mit dem offenen von vorhin vergleichen lässt, scheinen die Eltern im Gegensatz zur Krone durchaus zwischen „den Ausländerkindern“ und solchen mit Sprachproblemen zu differenzieren. Außerdem finden über 2/3 der Eltern, dass die Schultypen- -Entscheidung zu früh getroffen werden muss.

Hochinteressante und spannende Einsichten, aber nicht für Krone-Leser:

Der hohe Anteil an schlecht oder gar nicht Deutsch sprechenden Ausländerkindern in den Schulen macht immer mehr [sic!] Oberösterreichern Sorgen. Bei der Bildungsumfrage des Landes nannten 71 Prozent der befragten Eltern dieses Problem an erster [sic!] Stelle.

(OÖ Krone 5.7.2008)

 

Dass der Redakteur die tatsächlich von den Eltern genannten Hauptschwächen des Schulsystems völlig ignoriert und stattdessen lieber „die Ausländer“ zur Schlagzeile kürt, mag dem Krone-Biotop geschuldet sein, aber wie er dann im Text angesichts eines Rückgangs von 8 % auf eine Steigerung kommt, weiß wohl nur sein behandelnder Arzt.

Auch konnten die Eltern „dieses Problem“ schwer „an erster Stelle“ nennen, da eine Reihung in der Fragestellung schlicht nicht vorgesehen war. Doch das nur am Rande.

3. Akt – ergänze Vorsatz durch Inkompetenz

Weiter geht’s im Krone-Bericht:

73 Prozent wünschen sich eine Überprüfung der Deutschkenntnisse von ausländischen Kindern vor deren Einschulung. […] 83 Prozent der Eltern wollen eine Verkleinerung der Klassenschüler-Höchstzahl auf maximal 25 Kinder.

(OÖ Krone 5.7.2008)

 

OÖ Bildungsumfrage 2008 – Chart 6: Bewertung von Reformvorschlägen

Hier hat der glücklose Journalistenanwärter in der Krone-Redaktion übersehen, dass die 73 bzw. 83 % nur jener Anteil der Eltern sind, die diesen Reformvorschlag „sehr gut“ finden. „Gut“ fehlt hier im Papier. Die Elternwerte werden nämlich nur für ausgesuchte Bereiche, ergänzend zu jenen der Gesamtbevölkerung, angegeben. Zugegeben, das ist wirklich tückisch. Nimmt man die „sehr gut“ und „gut“-Beurteilungen der Gesamtbevölkerung zusammen, kommt man auf 90 % bzw. 96 % Zustimmung. Die Werte der Eltern dürften ähnlich hoch liegen.

4. Akt – halbiere die Prozent, verdopple die Befragten

Ganz am Ende der Wunschliste steht die Einführung einer Gesamtschule für alle 14-Jährigen anstelle der Hauptschule und der Gymnasien. Nur 15 Prozent der 1025 Befragten erwärmen sich dafür.

(OÖ Krone 5.7.2008)

 

„Sie erinnern sich: dreimal wurde unser Ausnahmetalent schon mit Fakten angespielt und dreimal ist er kurz vor der Wahrheit gescheitert. Den ‚Hattrick‘, wenn Sie so wollen, hat er also schon. Doch was ist das? Uuuh, wieder ein Prozentwert – und eine große Zahl. Im selben Satz! Ob das gut geht? … Neeein, es kommt, was kommen muss: beide daneben! Was für ein Trauerspiel, meine Damen und Herren. Und damit gebe ich zurück ins Funkhaus.“

Danke für diesen Livebericht aus der Krone-Arena. Herbert, was ist hier schiefgelaufen?

Erstens: Der Redakteur bezieht sich eindeutig auf die 15 % der Eltern (nur dort kommt der Wert in diesem Zusammenhang vor), spricht aber dabei von 1025 Befragten. Er übersieht hier, dass die Elternbefragung zusätzlich zu jener der Gesamtbevölkerung, mit einem Sample von nur 500 Personen erfolgte:

n= 1025 telefonische CATI-Interviews repräsentativ für die oberösterreichische Bevölkerung ab 18 Jahren + Aufstockung auf n= 500 telefonische CATI-Interviews mit Eltern von Kind (ern) bis 15 Jahre

(OÖ Bildungsumfrage 2008)

 

Zweitens: Es fehlt auch hier wieder der Prozentwert jener Eltern, die den Reformvorschlag Gesamtschule „gut“ finden. Dabei wäre der Redakteur bei dieser Frage gar nicht auf den lückenhaften Chart 6 angewiesen gewesen. Hätte er nur eine Seite weiter geblättert, hätte er zur Frage „Gesamtschule“ nämlich diese höchst aufschlussreiche Detailtabelle gefunden:

OÖ Bildungsumfrage 2008 – Chart 7: Gesamtschule

Da hätte er dann auch erfahren, dass sich in Wahrheit fast doppelt so viele Befragte wie von ihm behauptet, nämlich 28 %, für die Gesamtschule erwärmen können. Und die 68 Prozent aus Chart 5, die zwar nicht unbedingt die Gesamtschule wollen, aber finden, dass die Schulentscheidung zu früh erfolgt, hätte man als ordentlicher Journalist hier natürlich auch anführen können.

Aber was red ich denn da?
Kronenzeitung … ordentlicher Journalismus…?

Ich mein, man weiß es ja eigentlich eh. Aber stellen wir uns mal kurz vor, was die wohl jeden Tag aufführen, bei Geschichten, die sich nicht so leicht überprüfen lassen…

„UNABHÄNGIG“ steht stolz in Großbuchstaben auf jedem Titelblatt der Krone. Das ist sie in der Tat. Unabhängig, von der Wahrheit.

Das ideale Geschenk für alternde Zeitungszaren

Dienstag, 1. Juli 2008

„Der Knüller sind die wechselnden Kommentare der Figur. Sie stöhnt, schimpft, jammert und bettelt nach mehr.“ (Produktvideo)

Pearl pop-o-lino – Jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen ist rein zufällig

9,90 EUR bei Pearl. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und realen Handlungen sind rein zufällig.

Sani-Täter

Mittwoch, 25. Juni 2008

Es gab da mal eine Zeit. Da haben einige Österreicher Schlimmes getan, oder zumindest nicht das Richtige, oder einfach nur weggeschaut. Nein, da muss man gar nicht so weit zurück, wie ihr vielleicht gerade denkt:

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[Youtube-Video]

Zeit im Bild Bericht mit Falter-Video vom Tod des Seibane Wague im Juli 2003. Polizisten und Sanitäter hatten den randalierenden Mauretanier über Minuten so gewaltsam am Boden fixiert, dass er verstarb.

Nun hat gerade Österreich eine lange Tradition in der unauffälligen Wiedereingliederung von, sagen wir mal, „moralisch Gestrauchelten“ in die Gesellschaft. Daher darf es nicht wundern, dass ausgerechnet ein „Helfer“, der damals sein Bein auf Seibane drückte, nun in einer ORF-Dokusoap über die Wiener Rettung den Helden geben darf:

Flash-Player herunterladen
[Youtube-Video]

„… kann leicht eskalieren“, sagt einer der Sanitäter im Trailer zur neuen ORF-Dokusoap mit dem feinsinnigen Titel „Wiener Blut“.

Mehr dazu im aktuellen Falter-Artikel von Florian Klenk.

Dass die Sanitäter freigesprochen wurden, ist zur Kenntnis zu nehmen. Dass sie im Rettungsdienst Leben retten, ist anerkennenswert. Aber dass ausgerechnet einer von denen nun zum guten Samariter der Nation geadelt werden soll, ist inakzeptabel.