Archiv für die Kategorie ‘Mediales’

Entfesselung by ÖVP

Samstag, 14. September 2013
Die ÖVP plant für den ORF eine Proporzführung und möchte gesetzlich regeln, was ORF-Journalisten auf Twitter und Facebook sagen dürfen. Aber wie passt das zum zentralen Claim der ÖVP in diesem Wahlkampf? ... Perfekt! OEVP_entfesselt

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Historische Zeitungen zur Bankenkrise

Donnerstag, 12. März 2009
Manchmal lohnt es sich, in alten Zeitungen zu stöbern. Dankenswerterweise scannt die Österreichische Nationalbibliothek bereits seit 2003 historische Zeitschriften ein und stellt sie in einem stetig wachsenden Archiv auf "ANNO" (Austrian Newspapers Online) öffentlich zum Abruf bereit. Leider sind die Texte noch nicht durchsuchbar, daher hier mal so zwei Beispiele -- aus gegebenem Anlass sozusagen:

Schutz für die Zentralbank Deutscher Sparkassen

Die Regierungsaktion im Gange. Neue Freie Presse, 1. Juli 1926 (Quelle: ANNO/ÖNB) Es ist kein sehr angenehmes Geschäft, immerdar als Beschwichtigungshofrat anzurücken. Die Rolle des Alarmisten ist weitaus dankbarer, denn in Österreich ist es ja schon zu einer Art Gesellschaftsspiel geworden, den Pessimismus in allen Variationen: Schwarz, Schwärzer und am Schwärzesten zur Schau zu tragen. [...] [Aber] diesmal muß doch die Beschwichtigung ganz ernst gefordert werden und die Regierung hat erkannt, die Quelle der Gerüchte müsse verstopft werden und gleich von Anfang an dürfe kein Zweifel obwalten über den Schutz der Einleger, über die Verteidigung des Vertrauens und über die Gewißheit der ökonomischen Kampfkraft. Was ist das Wesen der Zentralbank Deutscher Sparkassen? Sie ist eine Art Dachgesellschaft für die meisten großen Sparkassen von Österreich. Sie steht insbesonders mit Graz, Salzburg und Niederösterreich in der innigsten Verbindung, und wenn erst einmal diese kleinen Leute in Bewegung kommen, wenn man bis aufs Land hinaus die Furcht erwecken würde wegen der Sicherheit der hinterlegten Gelder, dann Gnade uns Gott, dann müßte eine neue Periode wirtschaftlicher Krise beginnen durch die Lähmung der kleinen und kleinsten Zellen, durch die Schädigung jener Kapillargefäße, die für den Gesamtorganismus genau dieselbe Wichtigkeit besitzen wie die großen Arterien. Eine solche Krise wird nicht erfolgen. Die Bundesregierung übernimmt nach dem amtlichen Communiqué die Vorsorge für die Sicherung der Einlagen, das bedeutet eine förmliche Haftung, und sie hat zu gleicher Zeit den naturgemäßen Schutz aus dieser Verpflichtung gezogen, indem sie den Oberkurator der Niederösterreichischen Hypothekenanstalt, Herrn Streeruwitz, damit beauftragt, die Aktion zum Schutze der Einleger durchzuführen. Es ist also beinahe eine Verstaatlichung, die hier ganz plötzlich ins Leben tritt, es ist jedenfalls das Äußerste, was ein Ministerium für ein Privatinstitut zu leisten vermag, und so wird heute das ganze Publikum erfahren, ein Sturm auf die Schalter wäre ganz unberechtigt und genügende Mittel sind vorhanden, um ihm die Spitze zu bieten. [...]

--- Neue Freie Presse [[Neue Freie Presse -- heute: "Die Presse"]] am 1. Juli 1926 (Quelle)

Wirkungen der Krise

Die Kreditanstalt muß vom Staat gestützt werden. Das Kleine Blatt, 12. Mai 1931 (Quelle: ANNO/ÖNB) Die wachsende Wirtschaftskrise hat nun auch die größte österreichische Bank, die Kreditanstalt, in solch schwierige Lage gebracht, daß sich die Regierung gezwungen sah, sie mit der gewaltigen Summe von einhundert Millionen Schilling zu stützen. Der Staat übernimmt um 100 Millionen Schilling Aktien dieser Bank und sichert dadurch diese Bank von den weiteren Gefahren. Diese Gefahren hätten nicht allein dem Hause Rothschild gedroht, welches Haupteigentümer der Kreditanstalt ist. Denn die Kreditanstalt finanziert nicht weniger als siebzig Prozent der ganzen österreichischen Industrie, und der gute Teil der Industrie, die da noch ist, beruht vielfach darauf, daß die Betriebe der Kreditanstalt fortgeführt werden. Eine Erschütterung der Kreditanstalt hätte auf das ganze österreichische Wirtschaftsleben wie ein Orkan gewirkt. Es war also ganz gewiß ein unabweisliches Gebot der Not, alles zu unternehmen, um diese Gefahren zu bannen. Was sich da aber zugetragen hat, ist von allergrößter Bedeutung. Rothschild, das war der ungekrönte König Österreichs. Die Kreditanstalt, an deren Spitze er steht, beherrscht, wie schon bemerkt, nicht allein siebzig Prozent der österreichischen Industrie, sondern durch seine großen Banken in Prag, Budapest und Warschau große Teile der Industrien des alten österreichisch-ungarischen Wirtschaftsgebietes. Seit anderthalb Jahrhunderten war es so, daß jedwelche Regierung in Österreich, die Geld bedurfte, sich an Rothschild wenden musste; es ist das erstemal in der Geschichte des Hauses Rothschild, daß sich dieser Finanzkönig an die Regierung um Hilfe wenden muß, daß Staatsgelder, Steuergelder aufgeboten werden müssen, um eine Rothschildbank zu stützen, damit die ganze Wirtschaft nicht erschüttert werde. Rothschild, die Kreditanstalt, ist freilich nur ein Glied in dieser Kette. Was sind da Staatsgelder zur Sanierung österreichischer Banken verpulvert worden! Von der Zentralbank der deutschen Sparkassen mit ihrem Schwarm von Winkelbanken über die Unionbank und Bodenkreditanstalt bis zur Kreditanstalt führt eine Linie. Nichts vermag anschaulicher das völlige Versagen des Kapitalismus zu erweisen, der in den Banken seine höchste Entwicklungsform gefunden hat, als diese endlose Kette der Bankenzusammenbrüche, die von hunderttausenden Arbeitern und Angestellten mit Arbeitslosigkeit und Hunger, die von der ganzen Bevölkerung mit vermehrten Steuern bezahlt werden mußten. Die Banken beherrschen das ganze Wirtschaftsleben, aber sie verstehen es nicht mehr zu führen. Und am Ende muß der Staat mit seinen öffentlichen Mitteln einspringen, muß die Banken stützen, muß für die Fehler und die Spekulationen ihrer Generaldirektoren aufkommen, um das größere Übel einer Wirtschaftszerrüttung zu verhüten. Der Kapitalismus ist am Ende seiner Weisheit. Er ist außerstande, die Menschen mit Arbeit und Nahrung zu versorgen, er ist außerstande, die Produktion überhaupt auch nur fortzuführen. Er wankt von Krise zu Krise, schleudert die Menschen in immer tiefere Not und muss am Ende selbst bei der staatlichen Gemeinschaft Hilfe in seiner Not heischen, die er beherrscht und ausbeutet. Was bleibt dann von seiner vielgepriesenen Wirksamkeit übrig? Die Zeit des Sterbens der kapitalistischen Wirtschaftsordnung ist gekommen. Der Krampf, unter dem sich der Kapitalismus windet, ist der Todeskrampf einer Wirtschaftsordnung, die ihre Tage erfüllt hat.

--- Das kleine Blatt [[Das Kleine Blatt -- Sozialistisches Kleinformat, ähnliche Ausrichtung wie Arbeiterzeitung "AZ", aber volksnäher im Schreibstil]] am 12. Mai 1931 (Quelle)

Und da heißt es immer, nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern...

„Das frrreie Worrrt“ der Kronen Zeitung

Sonntag, 14. Dezember 2008
Frage: Wie kriegt man möglichst schnell einen Überblick über das Spektrum rechtsradikaler, revisionistischer [[Revisionismus: Der Versuch, die Geschichte umzudeuten (zB Leugnung/Relativierung des Holocausts]] und neonazistischer Seiten im deutschsprachigen Internet? Man googelt einfach ein paar Zitate aus einem Krone-Leserbrief. Die folgende Zuschrift erschien letzten Donnerstag in der Kronen Zeitung, zu einem harmlosen Thema, eigentlich. Extra grau hinterlegt, mit Foto als Blickfang und Rahmen drum rum. Eine besondere Auszeichnung im "freien Wort" und Hinweis, dass Herausgeber und Redaktion diesen Brief wohl für besonders lesenswert halten:

Verhindert Internet Kriege?

Kronen Zeitung, Do. 11. Dez. 2008, S. 30 "[...] Hätte Internet nach dem für Deutschland verlorenen Krieg den sinnlosen Mord an 500.000 Flüchtlingen, Alten, Frauen und Kindern in Dresden verhindern können? Wohl kaum, denn Sir Winston Churchill hätte den Befehl, "die Flüchtlinge aus dem Osten in Dresden zu braten", auch ausgegeben, wenn es damals schon Internet gegeben hätte [...]"

(Quelle: Kronen Zeitung, 11. 12. 2008, S. 30)

Eins vorweg: die Angriffe auf Dresden und andere Städte waren verheerend und eine derartige Flächenbombardierung der Zivilbevölkerung würde heute zu Recht als Kriegsverbrechen eingestuft. Allerdings sprechen seriöse Quellen von etwa 25.000 Opfern in Dresden. Immer noch viel zu viele, aber nicht annähernd die vom Leserbriefschreiber behauptete halbe Million. Wo kommt so eine Zahl her? Nun, fragen wir Google.

Einmal Irving

Gleich der erste Link führt auf eine Propagandaseite, die von Google Deutschland sogar ausgeblendet werden muss und daher nur bei google.at aufscheint. Diesen Müll sollte man sich aber sowieso lieber sparen. Interessanter ist diese Seite, die sehr übersichtlich Aufschluss darüber gibt, woher die Zahl im Krone-Leserbrief stammen könnte:

Zahlenangaben -- Dresden, alliierte Luftangriffe

  • 135.00 Opfer Diese Zahl geht auf David Irving zurück.
  • 202.040 Opfer Diese Zahl wurde von David Irving verbreitet. Sie beruht auf einem gefälschten Polizeibericht von 1945. [Die Nazis hatten einfach an jede Zahl eine Null angefügt; Anm.]
  • 250.000 bis 500.000 Opfer Diese Zahlen tauchen in diversen rechtsextremen Publikationen auf und haben meist keinerlei dokumentarische Grundlage oder gehen auf die gefälschte Zahl von 202.040 Opfern zurück.

Quelle »

Irving ist ein verurteilter Holocaust-Leugner und -Relativierer. Tja, und so führt die Frage nach der Herkunft dieser schauerlichen Zahlen auch gleich unmittelbar zu ihrem Zweck.

Zweimal Irving

Wir erinnern uns, Herr P. aus S. schrieb auch noch, Churchill habe den Befehl gegeben, "die Flüchtlinge aus dem Osten in Dresden zu braten". Die Anführungszeichen deuten auf ein Zitat hin. Aber wie authentisch ist es? Kann Google hier noch mal weiter helfen? Es kann. Doch was hier als Suchergebnis kommt, lässt sich am besten wie eingangs beschreiben: als buntes Spektrum neonazistischer, revisionistischer und rechtsextremer "Heimseiten". Es ist wirklich -- und das hat man selten -- praktisch keine "normale" Seite im Suchergebnis dabei. Dafür wimmelt es vor seltsamen keltischen Runen (die Swastika ist ja verboten), zwanghaft eingedeutschten Begriffen, Judenfeindlichkeit und Geschichtsverdrehungen. Von "Dresden-Holocaust" ist hier zB die Rede und man kann sich des Eindrucks kaum erwehren, dass Churchill fast der schlimmere Hitler war, in den Augen dieser Menschen. Und die Quelle für das angebliche Zitat finden wir auch -- es ist immer dieselbe:
[...] Der britische Zeitgeschichtler David Irving zitierte am 13. Februar 1990 anläßlich eines Vortrags zum 45. Jahrestag der Vernichtung von Dresden im Dresdner Kulturpalast den Kriegsverbrecher Churchill: "Ich möchte keine Vorschläge haben, wie wir kriegswichtige Ziele im Umland von Dresden zerstören können, ich möchte Vorschläge haben, wie wir 600.000 Flüchtlinge aus Breslau in Dresden braten können."

(Quelle: suche selbst, wer unbedingt mag)

Hm, einmal Irving als mögliche Quelle in einem Krone-Leserbrief, das kann auch ein unglücklicher Zufall sein. Aber zweimal Irving...? Die Ecke, aus der das Gedankengut des Briefes kommt, ist mangels alternativer Quellen jedenfalls klar. Aber man musste auch schon vorher kein Geschichtsexperte sein, um bei den im Brief gezeichneten Bildern ins Grübeln zu kommen.

Und Dichand?

Der veröffentlicht diese revisionistische Propaganda, die sich ins dunkelbraunste rechte Eck zurückführen lässt, nicht nur kommentarlos, er und seine Redaktion finden den Brief auch noch so toll, dass sie ihn optisch sogar besonders hervorheben, auf ihrer Krone-Leserbriefseite. Bei so viel Geschichtsbewusstsein ist es wirklich gut, dass wir in Österreich ein Verbotsgesetz haben. So bleibt uns zumindest das Ärgste erspart, im "freien Wort" der Krone.

 

Update 20:49 Uhr: Eben sehe ich nebenan im Krone-Blog, dass im frrreien Worrrt bereits ungeniert über "Untermenschen" fabuliert werden darf.  Ich war wohl zu optimistisch, was das Ersparen betrifft... 🙁

Wer wird Koalitionär?

Dienstag, 18. November 2008
Die neue Show der Österreichischen Volksbühnen (ÖVB). Zehn Fragen auf dem Weg zur Koalition. Der Kandidat hat einen Kompromiss-Joker, darf einen Freund um Hilfe bitten oder das Volk befragen. Das Spiel lebt von ratlosen Gesichtern, die in Großaufnahme quälend lange zu scheinbar leichten Fragen schwitzen, aber... Wer wird Koalitionär? "Mit manchen Kandidaten macht's einfach keinen Spaß." Mehr im Archiv (Keywords: Werner Faymann, Josef Pröll, SPÖ, ÖVP, Koalition, Verhandlungen, zehn Fragen, Wer wird Millionär, Karikatur, Cartoon, Zeichnung) Nachtrag: Ich sehe eben, "Feuerhaken" hatte dieselbe Eingebung. Da habe ich die Überschrift wohl vorher unbewusst in meinen Feeds gesehen und danke ihm die Inspiration... 🙂

Wolfgang Lorenz: ‚Scheiß Internet!‘

Freitag, 14. November 2008
Wolfgang Lorenz (62), rüstiger ORF-Programmdirektor und in der Anstalt offenbar ein weiteres Mitglied im Club Tourette [[Tourette-Syndrom: kann sich u.a. äußern in unwillkürlichem Schimpfen, Fluchen oder Herausschleudern von Worten und kurzen Sätzen, die nicht im logischen Zusammenhang mit dem Gesprächsthema stehen.]] hat auf einer öffentlichen Veranstaltung über das "Scheiß Internet" vom Leder gezogen. Lorenz zeichnete u.a. für den Quotenknaller "Mitten im 8en" verantwortlich. Und weil ich mich vorhin bei KKKlaus Emmerich so schön warm gezeichnet habe, und es eh viel zu selten vorkommt, dass der ORF inspirierend wirkt, lassen wir dem Gesetz der Serie einfach seinen Lauf und geben meinem hoffnungslos unterforderten Digi-Malzeugs kurz die Illusion einer sinnerfüllten Existenz... Wolfgang Lorenz: ‚Scheiß Internet!‘ Mehr im Archiv (Keywords: ORF, Wolfgang Lorenz, Scheiß Internet, Internat, Schule, Klassenzimmer, Tafel, Streich, #anlorenz, Karikatur, Cartoon, Zeichnung)