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Web-Milliardär in Europa – geht das?

Dienstag, 30. Oktober 2007

Angenommen, die Google-Gründer hießen Schmidt und Meier, und hätten irgendwo in Deutschland studiert, statt an der Stanford University. Oder Facebook-Gründer Marc Zuckerberg, der „Milliardär in Badelatschen“, hätte in Frankreich oder England studiert, statt in Harvard. Stünden sie heute auch dort, wo sie jetzt stehen? Auch nur ansatzweise? Oder geht das wirklich nur in Amerika?

Mark Zuckerberg (Foto: Wikipedia)

So schlau ich auch gern tu, aber ich versteh grad wirklich nicht, warum in Amerika scheinbar alles so viel leichter geht. Oder, besser andersrum: ich kapier nicht, warum es bei uns anscheinend so viel schwerer geht. Alle reden von der Globalisierung. Und wir in Europa hätten doch alle Chancen, die sich daraus ergeben. Aber irgendwie kriegen wir außer peinlichen Kopien nichts vergleichbares Eigenes zuwege. Nicht mal ansatzweise. Nada, nix, niente!

Dort 300 Millionen ach so dumme USAmerikaner, die eine globale Success-Story nach der anderen schreiben. Und hier 500 Millionen ach so gscheite EUropäer, die mit offenem Mund dastehn und nur neidisch zuschaun können. Und das auf einem virtuellen Schlachtfeld. Wo man nicht erst groß Rohstoffe herankarren und Infrastruktur aufbauen müsste. Irgendwo muss da doch der Hund begraben liegen. Oder ist’s ein ganzes Rudel?

Liegt’s an den Rahmenbedingungen?

  • Werden junge Visionäre in Amerika vom Start weg zum Erfolg getragen und bei uns zu Grabe?
  • Unterstützen Politik und Bürokratie dort den Weg nach oben und drücken uns nach unten?
  • Warten mutige Investoren dort nur auf gute Ideen und ist’s bei uns genau umgekehrt?
  • Zünden Funken dort wegen der Sprache leichter, während das Feuer hier an den Grenzen erlischt?
  • Haben wir beim Internet bis heute den Nachteil der späten Geburt nicht aufgeholt? (Nur was soll da Japan sagen?)

Liegt’s an der Einstellung?

  • Kriegt man bei uns zuviel „Hättiwari1) in die Wiege gelegt und dort mehr „Williwerdi“2)?

Oder scheißen sich die Amis einfach nur weniger?
(Siehe Youtube. Das wär doch in Deutschland nach drei Tagen abgemahnt, abgebrannt3) und abgedreht gewesen – in genau dieser Reihenfolge.)

 

Hab ich was vergessen? Ist es alles zusammen? Oder ganz anders?

Helft’s mir mal weiter, denn… – nö Quatsch ;-) – aber vielleicht hat ja wer ein paar Ideen. Und dann machen wir daraus ne Anleitung zum ersten Web- -2.0- -Euro- -Milliardär, und dann…

ha|ns

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  1. Hätte ich, dann wäre ich (österr. Ausdruck f. Selbstmitleid) [↑]
  2. Will ich! Werde ich! (Hab ich grad erfunden, bei uns hat natürlich nur der ‚Hättiwari‘ wirklich einen Namen ;-) [↑]
  3. österr. für ‚pleite‘ [↑]

Das „Dark Web“-Projekt

Mittwoch, 24. Oktober 2007

Gestern im ZDF: Ein hochinteressanter Beitrag über das „Dark Web“-Projekt1) der Universität von Tucson2) in Arizona. Wie filtert man in der Terrorfahndung aus Milliarden Postings im Internet jene Kommunikation heraus, die relevant sein könnte? Wie findet man die Anführer und ihre Beziehungen im Internet, ohne in der Flut von Information zu ertrinken?

Genau das wird in Tucson versucht. Die dort entwickelte Software erstellt aus Wortlänge, Zeichensetzung, Satzbau und Inhalt von Internetbeiträgen eindeutige „Fingerabdrücke“ der Autoren. Insgesamt bis zu 30.000 Einzelmerkmale werden für so einen Abdruck ausgewertet. Es soll daher nahezu unmöglich sein, sich so zu verstellen, dass man die Software dauerhaft überlisten kann. Haben die Fahnder einmal eine Textprobe von einem radikalen Rädelsführer, kann er im Internet nicht mehr anonym posten. Nach wenigen Beiträgen ist er anhand seines Profils automatisch identifizierbar.

Auch für Laien beeindruckend, die Einblicke in die eigentlich hochgeheime Software im ZDF-Video:

Dark Web, Trojaner war gestern – Normaler Forenteilnehmer

Hier das Profil eines gewöhnlichen Forumbesuchers. Er ist unsicher, seine Beiträge und Fragen gehen Queerbeet, es gibt keine klare Ausrichtung.

 

Hier hingegen zwei Autoren mit buchstäblich gefestigtem Themenkreis. Der Autor rechts verherrlicht außerdem Gewalt und wird als gefährlich eingestuft. Die Software findet auch die Schlüsselbegriffe in den Beiträgen und hebt sie grafisch hervor.

Dark Web, Trojaner war gestern – ‚Forum Expert‘ mit Themenschwerpunkt Religion

Dark Web, Trojaner war gestern – Gewaltverherrlichender Autor mit klarem Themenkreis


Dark Web, Trojaner war gestern – Beziehungsdiagramm

Anhand von Beziehungsdiagrammen wird sichtbar, wie die Autoren im Netz zueinander stehen. Trojaner? Das war gestern.

 

Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis derartige Software auch abseits der Terrorabwehr3) Eingang in unser Leben findet. Sei es als aufschlussreiches Tool für Webmaster und Forenteilnehmer, zur Spam-Analyse oder auch, um von „Ghostwritern“ verfasste Diplomarbeiten aufzudecken und anonyme Insider, die Geheimnisse aus sensiblen Bereichen ausplaudern.

ha|ns

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  1. Tja, dazu hab ich jetzt nicht mal einen Wikipedia-Link, warum wohl ;-) [↑]
  2. Sprich: ‚tuhsan‘ [↑]
  3. Wer definiert eigentlich, wer ein Terrorist ist…? [↑]

Vaporware, ohne jeden Wert?

Sonntag, 21. Oktober 2007

Trojanisches Pferd (Foto: http://www.flickr.com/photos/mount_otz/217834567/)

Wer mich kennt, wird sich jetzt vielleicht ein bisserl wundern. Aber die Aufregung über den sogenannten Polizeitrojaner lässt mich ziemlich kalt. Äh, welche Aufregung eigentlich? Ist das überhaupt noch ein Thema? Bin ich damit nicht schon viel zu spät dran? Während die „Onlinedurchsuchung“ in Deutschland seit Monaten von vorne bis hinten durchgekaut wird und der „arme“ Schäuble gleich mit, zieht bei uns die Karawane schon wieder weiter, und ich hechel hier ein bisserl hinterher wie das arme zurückgelassene Hunderl – na sei’s drum…

Ehrlich, sooo tragisch find ich die Onlinedurchsuchung nicht, rein prinzipiell. Sonst müsst ich ja auch total gegen Telefonüberwachung und was weiß ich sein. Dass der Staat unter bestimmten, klar definierten und streng kontrollierten Voraussetzungen1) ins Allerheiligste eindringen darf, um Schlimmstes abzuwenden, halte ich für legitim und liegt auch in meinem eigenen Interesse. Aber das mag jeder für sich selbst vielleicht anders beurteilen. Eine recht gute und unaufgeregte Betrachtung findet sich dazu übrigens auf internet4jurists.at.

Ein paar Dinge halte ich aber schon für bedenkenswert:

Die Geschwindigkeit in der das alles durchgewunken wurde. Witzig, aber sobald’s um Dinge geht, die unsere Verfassung und unsere Grundrechte berühren, geht immer alles ganz einfach und schnell. Wie in diesen Supermärkten, wo man für Kunden mit Bagatelleinkäufen eine eigene Kassa hat, damit die nicht so lang anstehen müssen. Bagatelle trifft wohl auch die herrschende Einstellung zur Verfassung recht gut. Jedes neue Abwassergesetz würde wahrscheinlich kontroverser diskutiert. Aber das ist halt Österreich…

 

Die Polizei muss sich mit zwielichtigen Elementen ins Bett legen. Um einen einigermaßen geschützten Privat Terroristen-Rechner zu hacken, braucht’s einen sogenannten „Zero-Day-Exploit“. Eine Sicherheitslücke, für die noch kein Virenschutz existiert. Diese Dinger muss man für gutes Geld (wir reden hier von vier- bis fünstelligen Beträgen) in dunklen Kanälen besorgen. Bei Leuten, die eigentlich selbst Gegenstand polizeilicher Ermittlungen sein sollten. Aber wenn die Polizei dort mal Kunde ist…? Okay, das Prinzip haben wir bei Informanten im wesentlichen auch schon. Ein schaler Nachgeschmack bleibt dennoch2).

 

Die „Virtualisierung“ von Ermittlung und Strafverfolgung. Die ganzen neuen „virtuellen“ Fahndungsmethoden erinnern ein bisserl an Bill Gates und seine berühmte Vision von der allgegenwärtigen „Information at your Fingertips“. In letzter Konsequenz umgesetzt, ist das natürlich der feuchte Traum jedes Innenministers. Einziges Problem: Den wirklich dicken Brummern wird bequem vom Schreibtisch aus nicht beizukommen sein. Spätestens nicht mehr, wenn das Thema öffentlich in allen Medien durch ist3).

Der gute Platter und seine Experten mögen nun einwenden, diese neuen Werkzeuge seien ja nur eine Ergänzung zu den etablierten Arbeitsmethoden. Tja, ich hör es wohl – allein, auch Internet und Wikipedia waren sind nur eine Ergänzung zu den etablierten Quellen. Und dennoch muss man mittlerweile jeden Studenten mit einem kräftigen Arschtritt in die Bibliothek befördern, damit er überhaupt noch richtig recherchiert. Vom um sich greifenden „copy & passt“-Journalismus in den Medien mal ganz zu schweigen. Die durchaus reale Problematik allzu virtueller Ermittlungsarbeit hat letztlich auch 9/11 recht konkret aufgezeigt: da durften wir erstaunt zur Kenntnis nehmen, dass die Geheimdienste zwar fleißig abgehört hatten, aber kaum über Muttersprachler verfügten, um die Daten auch zu übersetzen und auszuwerten, geschweige denn, um vor Ort „im Feld“ zu arbeiten.

 

Was bleibt nun wirklich unterm Strich?

Ich mein, die Fachleute wissen, dass dieses Spitzelwerkzeug nur unter immensem Aufwand erfolgreich eingesetzt werden kann, wenn überhaupt. Wir dürfen auch annehmen, dass der Trojaner die schlimmsten Ganoven ziemlich kalt lässt. Also wozu ist diese Vaporware dann überhaupt gut?

Dafür sollten wir uns anschaun, wen dieser Trojaner nicht kalt lässt. Was kann er denn wirklich? Ganz konkret…

Er kann manchen Bürgern, die nach eigener Einschätzung allzu gern aus der Reihe tanzen, das Gefühl geben:

„Wenn du dich nicht unauffällig und konform verhältst, könnte deine Festplatte ‚versehentlich‘ Ziel einer Online-Durchsuchung werden. Wir werden da anhand deiner intimen und privaten Daten zwar vermutlich recht schnell rausfinden, dass du eh unschuldig bist, aber ein bisschen peinlich und unangenehm könnte das dann halt schon werden. Drum, sei lieber gleich brav, das erspart uns allen Unannehmlichkeiten.“

 

Ist es also das, was wirklich im Bauch des Trojaners steckt? Ein virtuelles Damoklesschwert für allzu unangepasste aber letztlich harmlose Untertanen? Zugegeben, eine eher gewagte Katachrese und wohl wirklich kaum der Zweck, den man ursprünglich verfolgte. Aber nüchtern betrachtet ist die diffuse Verunsicherung von gewissen Bevölkerungsteilen vielleicht tatsächlich alles, was am Ende des Tages vom Trojaner übrig bleibt.

ha|ns

 

PS: verdammt, schon wieder so viel Text – ich gelobe Besserung, ehrlich! (Oder sollte ich vielleicht einfach die Schriftgröße…? ;-)

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  1. Nur bei Verdacht schwerer Straftaten und nur mit richterlicher Genehmigung – andererseits, war die hier nicht auch mal Richterin…? [↑]
  2. Auch weil „normale“ Informanten i.d.R. wohl kaum gleich mal zigtausende Euro aus Steuergeldern für ihre fragwürdigen Dienste kassieren. [↑]
  3. Aktuelles Beispiel: Der Kinderschänder, der ermittelt wurde, indem Spezialisten die Photoshop- -Verfremdung seines Gesichts zurückrechnen konnten. So was funktioniert (leider) nur, bis es allgemein bekannt ist. Ab jetzt lassen sich mit diesem Trick wohl bestenfalls noch untreue Ehegatten in Partnerbörsen erwischen. Ähnliches gilt für den Trojaner. Jene, deren gesamte Machenschaften und Freiheit von den Daten auf der Festplatte abhängen, werden diese spätestens nach der öffentlichen Diskussion natürlich ganz anders absichern als der biedere Nachbar von nebenan seinen Schmuddelkram. Oder neugierige Teenies ihren Atombombenbauplan. [↑]

Von Flickr aufs Plakat

Mittwoch, 5. September 2007

Man stelle sich das mal vor:

Du schießt bei einer Benefizveranstaltung eurer Jugendgruppe ein paar Fotos und stellst diese ins Internet, z.B. auf Flickr.

vorher (http://flickr.com/photos/chewywong/467623403/)

Und weil du ja ein netter Mensch bist, tust du das Ganze unter einer Creative-Commons-Lizenz.

Diese besagt dann im Wesentlichen: Hey Leute! Ich sitz nicht wie die Glucke auf meinem Copyright. Ihr dürft das Bild gern weiter verwenden, wenn’s euch gefällt. Ihr müsst dann halt nur angeben, von wem es stammt.

Es gibt dann noch verschiedene Abstufungen dieser Lizenzen (ob man die Bilder verändern darf, ob sie auch kommerziell genutzt werden dürfen, usw.). Sagen wir mal, du hast die Bilder pauschal für jede Nutzung freigegeben (also auch kommerziell), weil’s ja eh wurscht ist, wer soll schon…?

 

Man stelle sich das mal vor:

Virgin Mobile – nachher (http://flickr.com/photos/52838655@N00/515961023/)

Du bist ein Mobilfunkanbieter und beschließt eine neue Kampagne zu starten.

Für die Plakate braucht es natürlich auch Bilder. Dummerweise steigen die Lizenzkosten für kommerziell genutzte Fotos so ca. mit dem Quadrat der Pixelanzahl und geplanten Auflage. „Aber hey! Es gibt doch das Internet. Da finden wir doch sicher was.“

Das Bild wär doch was. Das könnten wir nehmen. Brauchen wir nicht mal den Fotografen fragen. Creative Commons, kommerzielle Verwertung erlaubt. Prima. Gekauft! … Oder eben gerade nicht, he he he…“

 

Man stelle sich das mal vor:

Das bin ja ich!?! (http://flickr.com/photos/52838655@N00/515961023/)

Du hast bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung eurer Jugendgruppe mitgemacht. Und jemand hat auch von dir dabei ein paar Fotos geschossen, und die auf Flickr eingestellt.

Und dann weist dich jemand auf eine spannende Diskussion zu Copyright und Bildrechten auf Flickr hin, die dich interessieren könnte. „Hä, spannend – denkst du wirklich? – Ja, wirklich!“

Das bin ja ich!?! (http://flickr.com/photos/52838655@N00/515961023/)

 

Nachspiel?

Die rechtliche Situation ist durchaus interessant. Und wird hier und hier etwas eingehender beleuchtet. Was ich jetzt auf die Schnelle so mitgenommen habe, ist:

Es gilt nicht nur das Copyright zu beachten, das hier durch die CC-Lizenz abgedeckt war. Da eine Person abgebildet ist, hätte der Veröffentlicher, also Virgin, zusätzlich noch sicherstellen müssen, dass ein sogenanntes Model-Release vorliegt (hier eine sehr gute Übersicht, wann welche Freigaben nötig sind). Das wurde verabsäumt. Den bereits eingeleiteten rechtlichen Schritten, darf mit Spannung entgegen gesehen werden.

ha|ns