[Wahl 2013] Plötzlich unentschlossen

Es ist etwas passiert. Zwei Tage vor der Nationalratswahl gehöre ich plötzlich zu den Unentschlossenen. Dabei war mir seit Monaten völlig klar, wen ich diesmal wählen werde. Und dann habe ich eine Autofahrt zu lange über die NEOS nachgedacht.

Eigentlich wollte ich ja was twittern in der Art:

Das ist das erste Mal, dass ich mir bei einer Partei, die ich nicht wählen werde, unbedingt wünsche, dass sie ins Parlament kommt!

 

Und dann kam vor meinem geistigen Ohr schon die berechtigte Frage:

Wenn du wirklich willst, dass sie reinkommen, warum wählst du sie dann nicht…?

Puh, guter Punkt… (Merke: wenn man in einem Selbstgespräch ins Straucheln kommt, sollte man seine Argumente überdenken.)

Nun, eigentlich will ich ja, dass die NEOS vor allem der ÖVP so richtig weh tun. Nicht aus purer Bösartigkeit, sondern um diese Partei endlich „aufzuwecken“. Unausweichlich ihre längst fällige Erneuerung anzustoßen, sie – ohne Selbstverleugnung – auf einen frischen politischen Kurz zu führen (netter Freudscher Verschreiber) und damit zurück in die Wählbarkeit als zeitgemäße bürgerliche Alternative. So gesehen stehen die NEOS für alle enttäuschten Hoffnungen, die ich vielleicht jemals in die ÖVP gesetzt habe.

Naja, und ich wähle die ÖVP nicht, also muss ich mich nicht umentscheiden, sondern nur die Anderen…

Aber die wählen „ihre“ Partei ja auch nicht unbedingt leichtfertiger als du. Von anderen etwas zu verlangen, was weh tut, und es für sich selber auszuschließen, ist das nicht ein bissl … heuchlerisch?

Gute Frage: warum schließe ich für mich kategorisch aus, den NEOS ins Parlament zu helfen?

In erster Linie, weil ich mich schon für eine Partei entschieden habe. Monate, bevor ich die NEOS überhaupt auf dem Radar hatte.  Und ich war eigentlich ganz zufrieden mit meiner Entscheidung.

Die Grünen haben in diesem Wahlkampf – zum ersten Mal, glaub ich, in ihrer Geschichte – fast alles richtig gemacht. So richtig Zug zum Tor gezeigt. Und sich einen unumstrittenen Ruf als Aufdecker und Korruptionsbekämpfer gemacht. Ich tät’s ihnen wirklich gönnen, an diesem Wahltag mal die volle Ernte einzufahren, statt schon wieder belämmert als „Umfragekaiser“ dazustehen.

Andererseits, die Grünen sind sicher drin. Wo wiegt meine Stimme jetzt schwerer: Wenn ich die Grünen für ihre Arbeit „belohne“? Oder wenn ich den NEOS zum Einzug ins Parlament verhelfe…?

Eins ist sicher, wenn alle sagen

„Vor den NEOS hab ich echt Respekt. Die wären eine Bereicherung fürs Parlament. Jeder, der eine andere Partei als ich wählt, soll bitte ernsthaft erwägen, diesmal die NEOS zu wählen.“

 

Dann wird das nix.

Und obwohl sie auf dem Papier nicht mal die passendste Partei für mich sind, will ich, dass es was wird. Weil:

  • Die NEOS sind eigentlich ein Wunder: Da sind Leute dabei, die intelligent und erfolgreich sind. Die Visionen haben und spürbar darauf brennen, dieses Land aus seiner Erstarrung zu lösen. Die etwas bewegen wollen und wo einige schon bewiesen haben, dass sie das auch können. Solche Menschen tun sich den Einstieg in die Politik in Österreich eigentlich schon lange nicht mehr an, hab ich gedacht.
  • Wenn die NEOS ins Parlament kommen, ist die Rot-Schwarze Koalition definitiv hoffentlich definitiv Geschichte.
  • Und apropos Geschichte, die könnte am Sonntag von den NEOS auch geschrieben werden: Sie wären die erste Partei der Zweiten Republik, die es aus dem Stand ins Parlament schafft. Ein Signal, das nicht nur die ÖVP aufrütteln dürfte.

    [Nachtrag 30.9.: Wenn man NEOS-LIF-Partnerschaft berücksichtigt, haben die Grünen es schon 1986 ähnlich geschafft und gleich nach dem Krieg die WdU auch schon mal.]

So unentschlossen höre ich mich jetzt gar nicht mehr an. Schreiben hilft ganz gut beim Gedanken sortieren. Aber noch ist nicht Sonntag…



7 Kommentare

  1. 1
    Frank says:

    Dein Post kommt mir bekannt vor. Vor allem die Einleitung. Ich würd mir wünschen, dass sie ins Parlament kommen, aber wählen tue ich sie nicht.
    Ich hab auch so gedacht. Hab mich dann aber umentschieden, weil meine Präferenz es ganz sicher nicht schaffen wird. So will ich wenigsten mithelfen die Absolute von rot-schwarz zu verhindern. Und ich habs schon gemacht, per Briefwahl. Auch wenn meine Stimme erst am Montag dazugeszählt wird. Sie wird dazugezählt. Und darauf kommt es an!

  2. 2
    René Zipperer says:

    Nicht-Wähler aller Lager vereinigt euch!

    Es gibt und gab in Österreich in den letzten Jahren einen Trend der als Betrachter eigentlich gut nachvollziehbar ist/war.

    Der Hang der Wahlurne fern zu bleiben breitete sich in unserem Land aus und beim Betrachten der politischen Tristesse die da seit Jahren dargeboten wird ist das nicht weiter verwunderlich.

    Klare Ansage: Es gibt nichts Wählbares -> dann wähle ich nicht
    Verständlich, nachvollziehbar und doch in meinen Augen jedoch der falsche Weg.

    Nehmen wir die Zahlen der Nationalratswahl von 2008 und stellen die Personen die damals die stärkste Parlamentsfraktion gewählt haben jenen Menschen gegenüber die nicht zur Wahl gegangen sind so ergibt sich ein Verhältnis von 1.430.206 : 1.342.157 oder 1,0656: 1 (SPÖ: Nicht-Wähler)
    Das bedeutet alleine die Nichtwähler hätten eine Partei ganz knapp an den Wahlsieg gebracht.

    Addiert man nun noch die Zahl der 103.643 Personen die zur Wahl gegangen sind und ungültig gewählt haben (und unterstellen wir allen Absicht zum Protest),
    dann haben wir plötzlich ein Verhältnis von 1.430.206 : 1.445.800 oder 1: 1,01 (SPÖ: Nicht-Wähle&ungültige Stimmen)

    Das Volk hätte in einem Wahlgang, ohne das diejenigen die bisher schon wählen gegangen sind sich Gedanken machen und aufgrund eines Veränderungswunsches jemand anderem ihre Stimme geben, die komplette Regierung ausgehebelt und für neue Verhältnisse gesorgt.

    Wie großartig wäre das?
    * eine Ende der Korruption und Freunderlwirtschaft
    * Reformen in den wichtigen Bereichen: Bildung, Pensionen, Verwaltung, Steuern …
    ** Liste die natürlich noch ergänz werden muss unter http://neos.eu/plaene/

    Und jetzt gehen wir soweit und sagen:
    Morgen haben wir die Chance das System komplett zu verändern, weil sich eine Bürgerinitiative zur Wahl stellt, die genau das möchte, was die meisten Österreicher eigentlich wollen. (das unterstelle ich jetzt mal)

    Ich bin stark dafür, den Versuch zu wagen:
    Morgen einfach hingehen, ein wichtiges Kreuzerl machen und Österereich auf Dauer verbessern!

  3. 3
    Franz Knipp says:

    Hallo Hans!

    Am Sonntag, da ist Nationalratswahl,
    Und ist die Auswahl der Parteien eine Qual,
    So habe ich für Dich ‚nen kleinen Tipp,
    Wähle mich, den Grünen Knipp.

    Danke für’s Fast-alles-richtig-machen, auch wenn ich nur ein klitzekleiner Baustein dafür bin 🙂

    Alles Gute für Deine Wahl!

  4. 4
    Gerold Neuwirt says:

    Ich bin beim taktisch wählen ein gebranntes Kind. Dazumals hatte ich die ÖVP gewählt und habe mich danach sehr geärgert, als die dann über 40% gekommen sind und die Grünen kläglich scheiterten. Deshalb werde ich das nie wieder tun, sondern nur die Partei wählen, die mir vom Programm her nahesteht.

    Außerdem sind mir die NEOS zu wirtschaftsliberal, wo man nicht vergessen sollte, dass dies einer der Gründe für die Finanzkrise war. Ich kann doch nicht Feuer mit Öl bekämpfen! Auch wenn sie das „neoliberale“ nicht im Programm stehen haben, meinen sie es.

    Dazu passend
    http://zurpolitik.com/2013/09/23/was-neos-ohne-tv-konfrontationen-nicht-so-sagen-muss/

Eine Antwort hinterlassen