In Linz, da stinkt’s (wieder)

Meine Generation hat sich oft gefragt, wie konnten unsere Großeltern nur auf diesen Hitler reinfallen. Wie konntet ihr da nur mitmachen? Ich fürchte, unsere Kinder geben uns die Antwort.

„Schon mal mit White-Power-Idioten im Bus gefahren, die sich mit Hitlergruß v. Ausländerfamilie verabschieden? In Linz beginnt’s!“, schrieb ich am 19. Juni auf Twitter. Und gestern hatte ich wieder eine denkwürdige Busfahrt in Linz…

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Samstag Nachmittag. Im 15er gerade noch nen Sitzplatz ergattert. Auf der Bank hinter mir drei Teenager. Zwei junge Frauen und ein Mann, den Stimmen nach.

„Des mog i scho, wenn sich einer aufregt und net amoi gscheit Deutsch kann.“, ereifert sich eins der Mädchen. Es entspinnt sich ein Dialog, von dem aufgrund des Lärmpegels nur Fragmente zu verstehen sind…

Als „Rechts-EXTREMER“, deklariert sich darin der junge Mann hinter mir. Er betont das zweite Wort in einer Art, als könne „Rechts“ ja schnell wer sein, aber „extrem“, da schwingt ein ganz spezieller Stolz mit, in der Stimme.

Der Name Hitler fällt und einige andere Begriffe aus der selben Ecke. Von Glatze scheren reden die Mädls scherzhaft. Der Junge beruhigt, das sei nicht mehr so und erwähnt die „Oide“ von einem Freund, der man auch nicht ansähe, „dass sie ein Nazi ist“.

Die Mädchen erzählen von ihrer Schule, dass sich die Direktorin immer furchtbar aufrege und die Polizei rufe, wenn jedes Jahr wieder in den frischen Schnee „so ein Ding…“ Er: „Hakenkreuz“ – ja, so ein Hakenkreuz, gut sichtbar gegenüber der Schule in den Schnee gemalt werde. Er: „Nur in den Schnee? Ich hab mal fast [sic!] a Anzeige gekriegt, weil ich eins auf ne Mauer … sooo groß“. Da ist er wieder, der Stolz in der Stimme.

Einen Freund erwähnt er noch, mit dem er demnächst nach Auschwitz fährt – im Rahmen der Schule, hoffe ich, doch sicher bin ich nicht.

Beim Aussteigen will ich dann doch kurz sehen, wie dieser Vollblut-Rechtsextreme mit der leicht heiseren Stimme aussieht. Ich drehe mich um und … blicke in das Gesicht eines Kindes, bürgerlich, adrett gekleidet, mitten im Stimmbruch, vielleicht 12, wenn’s hoch kommt 13 Jahre alt.



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4 Kommentare

  1. 1
    Alexander says:

    Tja, Dummheit hat eben viele Gesichter. Mal schauen, wie die in 10 Jahren darüber denken, wenn sie erst mal das dritte Reich in der Schule durchgenommen haben.

  2. 2
    Christoph says:

    Wenn sich die Nazis nicht in die 2. Republik integrieren können/wollen, dann sollen sie doch in die USA auswandern. Dort soll dieser ideologische Schwachsinn ja als Meinungsfreiheit gelten.
    So viel zu den Nazis: http://www.youtube.com/watch?v=rFyZ4VK4sxE&feature=related

  3. 3

    Aber anscheinend kann man in der Öffentlichkeit darüber sprechen, da ja niemand dagegen redet. Gehört die Aufklärung nur in die Schulklassen?

  4. 4
    Lisa says:

    Ohje, was für Idioten…

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