Aggressives Betteln ist in Wien verboten, dachte ich

Da hab ich mich schon gewundert, als ich gestern vom Turek Modeshop so runter auf das Treiben in der Mariahilfer Straße blickte. Naja, „Treibjagd“ hätt’s wohl besser getroffen, was die Spendenkeiler einer bekannten Non-Profit-Organisation da auf ihrer Provisionsjagd aufgeführt haben:

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[Youtube-Video]

Youtube-Video: Spendenkeiler auf Provisionsjagd in der Wiener Mariahilfer Straße

Dafür hab ich übrigens gar nicht lange filmen müssen. Das alles hat sich gestern zwischen 16:35 und 16:38 Uhr abgespielt – innerhalb von knapp vier Minuten also.

Ich versteh’s echt nicht: wie passen solche Methoden ausgerechnet zu jenen, die sonst immer so schnell sind, mit dem moralischen Zeigefinger…?



24 Kommentare

  1. 1
    hc voigt says:

    immer wieder widerlich.
    immer wieder faszinierend, dass sich das für greenpeace rechnet. noch dazu, da das eine firma macht, die schließlich auch ihren schnitt dabei machen wird; und trotzdem kommen über diese methode und negativwerbung offensichtlich relevante einnahmen zustande.

    • 1.1
      hans says:

      Hi, kann mich täuschen, aber ich glaube, diesmal warn’s ausnahmsweise keine „Umweltschützer“. Könnte wieder amnesty international gewesen sein (ausgerechnet), die mir schon am 20.3. extrem unangenehm aufgefallen sind. Hatte aber diesmal keinen Lust auf Körperkontakt, darum kann ich’s nicht mit letzer Sicherheit sagen…

  2. 2
    Thomas says:

    Das lästigste am Sommer überhaupt. Jeder Taubenschwarm ist dagegen angenehm.

  3. 3

    die stehen in Linz a dauernd auf der Landstraße – ich weiche mittlerweile schon großräumig aus.

    • 3.1
      hans says:

      Yepp, aber sooo schlimm hab ich’s hier in Linz noch nie erlebt – das war für mich schon ne neue „Qualität“

  4. 4
    Thumbsucker says:

    Wenn ich einen schlechten Tag habe, kommen mir die gerade recht 😉
    Eine Freundin von mir war mal kurzfristig für eine dieser Organisationen tätig. Die könnte dir Sachen erzählen…

  5. 5
    hans says:

    @ all

    Kleiner Tipp noch: falls man sich doch mal zu ner Antwort genötigt sieht, und man nicht als moralischer Loser vom Feld gehen möchte, dem Kinder/Tiere/Umwelt/Folter egal sind, einfach sagen: „Ich spende nur provisionsfrei.“

    Hat bisher noch bei jedem dieser Un-Ehrenamtlichen gewirkt.

  6. 6
    Helge says:

    Noch dazu kommt von diesen „Spenden“ erst im dritten (!) Jahr der Daueraufträge vollständig bei den NGOs an, bis dahin verdienen die spendenkeilenden Firmen wie Wesser und Wissmann und die pyramidenartige (Multilevel-Marketing) aufgebaute Struktur an freien Keilern.

    • 6.1
      Heinz says:

      @helge: das wusste ich nicht. gibt’s da mehr info dazu?

    • 6.2
      hans says:

      Hallo Heinz,

      von der Größenordnung dürfte so ca. ein Jahresbeitrag über die Jahre verteilt an Werbefirma und Keiler gehen.

      Wobei man fairerweise dazu sagen muss, dass von Erlagscheinspenden vermutlich noch weniger übrig bleibt, wenn man die paar Rückläufer den Gesamtkosten eines Postwurfs gegenüberstellt.

      Würden die Keiler nicht ausschließlich über Provision finanziert und entsprechend entspannt ihrem Job nachgehen können – vielleicht auch tatsächlich mal nur über die NGO informieren – könnte man ev. sogar über diese Werbeform reden.

      Indiskutabel wird’s halt bei Exzessen wie oben oder wenn die Jungs an der Tür alten Omis gegenüber einen auf „wir kommen vom Roten Kreuz (auch wenn’s Ihnen mal schlecht geht)…“ machen – obwohl die einen Rettungswagen noch nie von innen gesehen haben.

  7. 7
    Helge says:

    @Heinz: Google mal „Wesser Drückerkolonne“.

  8. 8
    Luca says:

    Habe letzdens den WWF wegen den aufdringlichen Keilern vor der Uni eine Mail geschickt. Mir wurde für das Feedback gedankt und ich solle die jeweiligen Personen beschreiben, damit Konsequenzen folgen können. Habe ich nicht gemacht, weil dadurch lediglich andere nachkommen werden. Das System ist dumm und hat bei mir dazu geführt, dass ich die beworbenen Organisationen mit negativer Aufdringlichkeit verbinde.

  9. 9
    Tom Schaffer says:

    das ist noch erwähnenswert? das passiert in warmen jahreszeiten jeden tag vor der uni wien, vor der ubahnstation schottentor und in der mahü.

    nervt absolut, hab ich aber schnell lächelnd zu umgehen gelernt.

  10. 10
    Christoph says:

    Spendensammelorganisationen werden durch das Steuerreformgesetz jetzt übrigens steuerlich entlastet, solange sie für mildtätige Organisationen (also keine Viecherl oder so) sammeln. Gedacht ist das als „Licht ins Dunkel“-Paragraf.

  11. 11
    Christoph says:

    Bei der Stelle 1:50 im Video fallen mir die immateriellen Vorteile der Spendenkeilerei auf: Für mich wirkt das schon fast wie sexuelle Belästigung – ohne die üblichen Konsequenzen. Grapscher auf dieser Welt, rüstet Euch mit Mappen und Spendenstickern aus! 😉

  12. 12

    Ich habe mich mal auf ein Gespräch mit sojemandem eingelassen, da ich eh vorm Thalia warten musste und Zeit hatte.

    Ich weiss es nicht mehr genau, welche Organisation das war, ich glaube aber irgendwas das Wünsche schwerkranker Kinder erfüllt.

    Da man mir aber partout kein Formular zum spenden mitgeben wollte, sondern darauf bestand das ich es vor Ort ausfüllte (mit einer SEHR fadenscheinigen Begründung), und ich mich aber weigerte solche „Straßengeschäfte“ abzuschliessen, mussten wir uns dann leider ohne Ergebnis trennen…

  13. 13
    entegut says:

    Um gleich meine „Grundstimmung“ kundzutun, ich weiche auch aus – vielmehr, ich bin keine Zielgruppe mehr, was mich sehr freut, weil kein Erklärungsbedarf.
    - Mir die Leute leid tun „Tupperwaresyndrom“ – kauf ihnen was ab, sie sind so lieb und arm.
    - Wir ein ökologisches Bewusstsein einfordern, auch informiert werden wollen, der Österreicher aber grundsätzlich die Stimmung in sich trägt „alles ist gratis“. Aber außer dem Tod ist nichts gratis und selbst der kostet das Leben.
    - Ob das amnesty oder green peace ist, diese Organisationen leisten Großartiges! Nur weil sie nonprofit sind, arbeiten sie nicht von Luft und Liebe.
    - Ich kann mich an ein Club2 (heißt das noch so, vielleicht auch Zentrum)-Gespräch erinnern, wo amnesty, das mit dem österr. Spendengütesiegel ausgezeichnet wurde erklärte, nur 5% ihres Spendenaufkommens als Aufwand in die Aquisition zu investieren. Vergleichen wir das einmal mit dem Aufwand profitorientierter Unternehmen!
    Also was wollen wir eigentlich?

  14. 14
    entegut says:

    Nachschuss – vergessen!
    Nichtagressives, aber mich agressiv machendes Betteln sind für mich die Bettler, die sie organisiert mittels Bus aus was-weiß-ich-wo holen und dann jammernd verkrüpelt betteln, um die Hälfte (?) ihrer „Einnahmen“ den Vermittlern abzutreten.
    DAS IST in meinen Augen AGGRESSIVES BETTELN!

  15. 15
    Tabea says:

    Ich finde es furchtbar wie die hatnäckig dies Leute vorgehen und ich gebe hier Thomas vollkommen recht, dies sind schlimmer wie die Tauben. Ich werde jetzt mal versuchen mit dem Rat von Hans das ganze schneller zu beenden, bin gespannt auf die Reaktionen von den „Bettlern“.

  16. 16
    SaschaP says:

    War bei denen mal im letzten Jahr aus Neugierde bei einer Schulung (also bei talk2move)… naja, bin nach 2 Stunden wieder raus (sprich nach der Vorstellung), denn das was die abziehen ist keiner Non-Profit-Organisation würdig…

    In Salzburg nerven die meist beim Hanuschplatz an der Fussgänger-Brücke… traurig is ja, dass einige sich damit echt ihren Lebensunterhalt verdienen.

    Und einer in Dornbirn der mal für die gearbeitet hat hat mir erzählt, dass sie manchmal bis Mitternacht „schreiben“ mussten, wenn sie nicht genug Unterschriften beisammen hatten…

    Und dann machen sie sich immer lächerlich über Greenpeace, weil die sich von Talk2move getrennt haben und selbst fundraisen und weniger Leute „schreiben“… („schreiben“ zeigt schon, wie arrogant die sind, wenn sie die Leute in „Schreiber“ und „Nichtschreiber“ unterteilen)

  17. 17
    allesgut says:

    Ganz großes Kino :p
    Aber jetzt mal ganz ehrlich, …

    -> Natürlich werden diese Leute bezahlt und bekommen Provisionen für Abschlüsse weil sich kein Mensch 10 Stunden oder mehr am Tag ehrenamtlich auf die Mariahü stellt um zu werben, und nein man wird davon nicht reich

    -> Desto Arroganter und Apather potenzielle Förderer auf Werber reagieren desto aggresiver werden sie Angeworben, und wenns nur aus trotz ist um leute aus ihren Alltagstrott zu reissen und ihnen ein wenig ans Bein zu pissen

    -> Gerade auf der Mariahilferstraße wo Leute von einem Konsumtempel in den nächsten laufen um dort 120€ für ne Jeans rauswerfen, dann gleich noch n paar Schuhe um weitere 80€ und wenn wir schon dabei sind eben noch zu Starbucks um dort 5€ für nen Kaffee zu verpulvern und weiter zum H&M …

    Aber ja irgendwo anders verrecken halt 11 Jährige Kindersoldaten aber uns interessiert das ja ned, is doch so weit weg und die 4,5€ im Monat bringen uns ja nun echt unter die Brücke und warum sollten wir uns da engagieren wenn wir doch einfach Wegschaun können, und genau deswegen muss es aggressiv an Otto Normalmensch herangetragen werden weil man sich klarerweise ned gern mit solchen Themen beschäfftigt.

    Ausserdem Sind die meisten Werber in der Regel von Grund auf sympathische, linksorientierte Menschen die mit Herz und Seele hinter dem Verrein für den sie werben stehn, also einfach mal 2min zuhören, was dann zwar hin und wider in eine halbstündliche Grundsatzdiskussion ausartet aber durchaus interessant sein kann.

    https://www.amnesty.de/foerdererwerden <- Da für all euch Provisionsfreihen Spender … aber wieviele tun das wirklich? eben.

    BTW… für Mariahilferstraßen-verhältnisse war das doch eh noch einigermaßen Harmlos also: Stop whining FFS

  18. 18
    Andy says:

    Hm, also jetzt mal mein unnötiger Senf:

    @SaschaP:

    Natürlich nennt man das „schreiben“, ic war 2 Jahre lang unterwegs ind em Alter für Donauland, ausgerüstet mit dem Staatswappen für ausgezeichnete Dienste für die Republik. Wenn ich unter 15 „Scheinen“ war pro Woche, habe ich 100 Ös pro Scehin bekommen, warens mehr als 15, haben alle gezählt als 150 Ös. Der Druck gen Freitag war naturgemäss hoch. Es war auch relativ egal, ob anschliessend manche storniert wurden, bloss der Freitag war wichtig.

    Zum Thema selbst:

    Wenn jemand spenden wollen würde, vornehm vorsichtig ausgedrückt, und es es ist ihm/ihr grade fad, lasst euch mal auf das Gespräch ein und sagt dann:
    Ok, ich will, aber ich habe kein Konto, ich zahle jetzt und sofort Bar!

    Das müssts euch mal geben! Keine Angst, kostet nix, weil ab dem Zeitpunkt seitds alle quasi ausätzig…

  19. 19
    Andy says:

    Sorry für die Tipfehler, aber ohne Licht brauch ich doch schon a Brille scheinbar, Monitor alleine reicht wohl nimmer…..

  20. 20
    keiler says:

    oha ha an dem tag war ich genau auch da unterwegs als keiler, schön unser team mal in action zu sehen, wäre schön wenn das öfters gefilmt wird 😉

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