Was, wenn Bischof Wagner Recht hat?

Warum Weihbischof Wagner sich lieber nicht wünschen sollte, dass Hurrikan Katrina eine Strafe Gottes war…

Der neue Linzer Weihbischof Wagner schrieb in seinem Leid und Menschen verachtenden Pfarrbrief, Hurrikan Katrina habe „nicht nur alle Nachtclubs und Bordelle vernichtet, sondern auch alle fünf (!) Abtreibungskliniken“. Und wäre Katrina nicht gewesen, hätte zwei Tage später „im französischen Viertel eine Parade mit 125.000 Homosexuellen“ stattgefunden. „Christen, die dagegen protestierten, sollen laut Presseberichten im Vorjahr ins Gefängnis gesperrt worden sein.“

Nun, ganz richtig ist das nicht…

Katrina hat nicht „alle Nachtclubs und Bordelle vernichtet“, wie Wagner in einer Art Sodom und Gomorrha-Rausch schreibt. Ganz im Gegenteil: Das French Quarter – das Amüsierviertel von New Orleans, mit all seinen Bars, Bordellen und einer höchst lebendigen Schwulenszene – blieb als einer der ganz wenigen Flecken der Stadt von Hurrikan und Fluten weitestgehend verschont. Wie durch ein Wunder, möchte man fast sagen. Auch auf die Abtreibungsquote – wie immer man dazu stehen mag – hatte die Katastrophe keinen nachhaltigen Einfluss.

Ungleich härter getroffen hingegen hat Katrina die katholische Kirche von New Orleans. Der Gesamtschaden belief sich auf fast 300 Millionen Dollar. 36 kath. Kirchenhäuser und Pfarrgemeinden mussten infolge des Hurrikans für immer aufgegeben werden. Die wegen der Schäden, sowie aus demographischen und finanziellen Gründen notwendig gewordenen Restrukturierungen dauern immer noch an. Christen, die dagegen protestierten, sollen laut Presseberichten Anfang 2009 ins Gefängnis gesperrt worden sein.

Wäre ich abergläubisch, würde ich mich an Stelle Wagners ja fragen, warum jene, die laut Pfarrbrief auf Seite des Guten protestierten, durch den Hurrikan so viel mehr verloren, als jene, gegen die sie protestierten. Und warum sie immer im Gefängnis landen… 😉



6 Kommentare

  1. 1

    Ein hervorragender Blogbeitrag. Unaufgeregt, auf den Punkt gebracht, entlarvend.

    Vielen Dank dafür!

  2. 2
    Christoph says:

    Als Laie würde ich annehmen, dass laut altem Testament Gott Kolateralschaden ab 10 Gerechten ausschließt. Vielleicht waren ja gerade 10 Sozialarbeiter/-innen in den Puffs und in den Kirchen gerade nur bordellbesuchende Pharisäer…

  3. 3
    hans says:

    @ Marco: Gern geschehen – ich danke zurück für die Ehre der Erwähnung in deinem Blog 🙂

    @ Christoph: Netter Ansatz … für einen Laien *g*. Aber wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, hätte bei zehn Gerechten die Stadt nicht völlig verschont werden müssen? :think:

  4. 4
    Christian says:

    Also wenn man die Sache mal genau betrachtet, könnte man jedes mal, wenn ein solches Ereignis eintrifft sagen, dass es von Gott so gewollt ist. Aber ich finde, dass man die Sache nicht aus dieser Perspektive sehen kann. Es wäre ja viel zu einfach zu sagen, dass Gott an allem schuld sei. Und das mit den Bordellen usw. das finde ich auch etwas überzogen. Ich glaube, dass man das nicht so sagen kann. Der Bischof hat meiner Meinung nach wirklich recht. Und er sollte sich das nächste Mal besser überlegen was er sagt.

  5. 5
    Christian says:

    Ich habe ja keine Ahnung wie man auf so etwas kommt, aber ich sehe die Sache ganz anders. Man muss nicht immer alles glauben was im alten oder auch im neuen Testament steht. Man muss auch nicht glauben, was einem die Menschen erzählen. Ich finde, man sollte sich selbst treu bleiben und dann sollte man Entscheiden wem man glauben schenken möchte und wem nicht. Wenn das nun die Bibel sein sollte, dann ist das so, ist es aber jemand anders, dann ist das auch in Ordnung.

  6. 6
    summer says:

    Ich bin der Überzeugung, dieser Hurrikan ist göttliche Fügung gewesen, und zwar in allen Einzelheiten. Dieser wurde in Botschaften auch angekündigt und ist nur eine von vielen Katastrophen, die keineswegs Zufall sind. Auch, dass Pfarrein und Kirchen dabei zerstört wurden, lekt mich keinenfalls in eine andere Richtung. Denn wenn man sich auch nur oberflächlich mit der Kirchengeschichte beschäftigt, muss einem klar werden, dass viele Kirchen nicht im Stande der Gnade Gottes stehen KÖNNEN, dass viele Priester Tag für Tag unwürdige Messen feiern, dass die Liturgie meilenweit entfernt ist von dem, was die Apostel uns übelieferten. Dass die Kirche viele Zweige entstehen lassen hat, die besser nicht sein sollten (!). Alles, was hier passierte, ist Gottes Wille, alles hat auch seinen Sinn. Ob etwas die Strafe Gottes ist oder nicht, kann man sich nicht „wünschen“, bei Naturkatastrophen dieser Art aber dürfen wir uns sicher sein!