Der Betrunkene, das Münztelefon und das Taxi – Eine Bahn(hofs)geschichte in drei Akten

Herbert und Martha kennt ihr ja schon. Heute mal wieder eine Bahngeschichte, wie sie das Leben schrieb.1) Aus jener Zeit, in der Münztelefone noch täglich gefüttert wurden und sich nicht anderweitig verdingen mussten.

1. Akt

Mann (mitte 50, nicht ganz nüchtern) betritt die Wartehalle und geht zum Telefon. Er wirft eine Münze ein. Die Münze fällt hörbar in die Geldrückgabe. Der Mann hebt den Hörer ab. Wählt. Hört offenbar nur ein Tuten im Hörer. Leicht verwirrt legt er den Hörer wieder auf und will hinausgehen. Ich hole die Münze aus dem Rückgabefach und bringe sie ihm nach. Der Mann verlässt das Bahnhofsgebäude.

2. Akt (eine Minute später.)

Mann betritt erneut die Halle – geht wieder zum Telefon. Versucht wieder (erfolglos) zu telefonieren. Währenddessen betritt eine Taxifahrerin (T) die Halle und geht zu dem Mann (M).

T: Sind Sie der Herr, der ein Taxi bestellt hat?
M: Nein.
T: Vom Bahnhofscafé aus?
M: Nein.

 

Taxifahrerin geht ab in Richtung Café. Mann kämpft weiter mit den Tücken des Münztelefons.

Nach einigen weiteren Neuinterpretationen der Bedienungsanleitung (zB: Münze einwerfen – Abwarten bis Münze ins Geldrückgabefach gefallen ist – Wählen – Hörer abheben) scheint er erstaunlicherweise Erfolg zu haben, obwohl die Münze in die Geldrückgabe gefallen war:

M: Ja Hallo? … Was? … Rettung?! … Äh – Entschuldigung.

 

Mann legt wieder auf. Taxifahrerin kommt vom Bahnhofscafé zurück.

T: Die Dame im Restaurant hat mir aber gesagt, dass sie für Sie das Taxi bestellt hat!
M (lallend): Ich hab kein Taxi bestellt.

 

Frau geht zurück zum Taxi. Mann geht Richtung Bahnhofstoilette.

3. Akt (einige Minuten später)

Mann kommt zurück. Geht wieder zum Telefon. Hebt nun zuerst den Hörer ab und wirft dann das Geld ein. Wählt ziemlich unsicher. Verbindung kommt zustande – hat sich aber offenbar wieder verwählt. Immerhin kann ihm der andere Gesprächsteilnehmer zumindest die richtige Telefonnummer sagen:

M: Sie sind nicht…?! 17 18? … Ah 17 18 muss ich wählen – danke.

 

Mann legt auf und wählt nun diese Nummer (sie steht auch groß auf einem Aufkleber neben dem Telefon)

M: Hallo? Taxizentrale?! Ja, ich brauche ein Taxi vom Bahnhof – in Lambach, ja. Danke! … Wiedersehn.

 

Mann legt auf. Münze fällt in Geldrückgabe. Mann geht ab.

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  1. Ich könnte mir sowas auch gar nicht ausdenken. [↑]


4 Kommentare

  1. 1
    tyndra says:

    kabarett für wartende. damit es den öbb-gästen nicht so endlos lang vorkommt, bis der verspätete zug endlich eintrudelt 🙂

  2. 2
    hans says:

    Hm, jetzt wo du’s sagst. Das wär doch eine Idee, hihi. Wartenden mit Kleinkunst die Zeit vertreiben. Wo sonst fände sich willigeres Publikum?

  3. 3
    schocan says:

    tolle Telefonzelle, die einem nach dem Telefonat das Geld zurückgibt.

  4. 4
    hans says:

    Nun, natürlich nur den abgerundeten Restbetrag 🙂

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