Anleitung zum Wahlsieg

Eigentlich sollte das nur ein kleiner Artikel über unsere Grünen Schnarchnasen werden. Aber am Ende hab ich die Strategie gefunden, mit der man garantiert diese Wahl gewinnen könnte. Leider bin ich keine Partei. Und selbst wenn, wäre sie zu klein für diesen Coup. Aber der Reihe nach. Fangen wir wie vorgesehen an, mit den Schnarchnasen… ;-)

Wird jetzt der Falter auch noch ein Fall für medienschelte.at? Fast scheint’s so, wenn man im Blog der Werbeagentur der Grünen den Leserbrief an Falter-Chefredakteur Armin Thurnher liest. Bezüglich der Agenten ist ihm wohl tatsächlich ein unnötiger Fehler unterlaufen (die sind weder neu noch unerfahren im Politgeschäft). Aber zu den Grünen hat er Recht.

Eigentlich ist Thurnhers Falter-Artikel ja ein wohlwollender, ein bisschen auch (ver)zweifelnder Weckruf. Und der scheint durchaus geboten. Thurnher ist da übrigens nicht der Erste. Und ich bin jetzt sicher nicht der Letzte…

Gutes setzt sich von selber durch?

Es geht das geflügelte Wort: „Eine Organisation übernimmt über oder kurz oder lang den Charakter ihres Chefs.“ Und seien wir ehrlich, bei Van der Bellen ist das nach außen hin ein recht verschlafener. Keine Frage, seine Anhänger schätzen gerade diesen unaufgeregten, bedachten Stil. Aber was ist mit jenen, die nicht seine Anhänger sind? Die nehmen ihn kaum wahr. Haben auch nahezu keine Chance, ihn – und mit ihm die Partei – wahrzunehmen. Weil inzwischen sind sie alle so „fad“ wie Cheffe. Naja, vielleicht von dem hier abgesehen.

Am liebsten möchten die Grünen ja gar keine Werbung machen, sondern aufgrund ihrer inneren Werte vom Wähler entdeckt werden, scheint’s. Diese ganzen Verkürzungen auf prägnante Slogans und Schlagzeilen, die keinem wissenschaftlichen Anspruch genügen können, müssen jemandem, der den Professor nicht nur als schicken Namenszusatz trägt, ja auch zuwider sein. Und drum kommen die Grünen halt dann immer ein bisserl umständlich, behäbig, bedächtig und vorsichtig rüber. Die traun sich nix (mehr) die Grünen. Bitte, könnt sich noch wer vorstellen, dass da eine Abgeordnete im Parlament ihr Baby stillt? Ja, die Zeiten sind vorbei, aber die würden heute ja nicht mal mehr bei Rot über die Straße gehen, ohne einen Bundeskongress und zehn Meinungsumfragen vorher.

Von Revoluzzern zu Fatalisten

Die Grünen 2008 sind ungefähr so mitreißend und dynamisch wie eine Rheumadecke. Da fehlt’s an Energie, dem Funken, der überspringt, ganz insgesamt am „Zug zum Tor“, wie man im Fußball sagen würde. Alle anderen Parteien und besonders auch „Neuzugänge“ wie Dinkhauser tragen ihr Feuer ganz anders nach außen. Und selbst, wenn man einige der anderen Akteure nur grauenhaft findet – sie wecken immerhin Emotionen. Verschaffen sich und ihrer Gruppierung die im Wahlkampf unentbehrliche Aufmerksamkeit.

Da kann der Agenturchef im Leserbrief an Thurnher noch so beteuern, dass die grünen Themen eh „seit langer Zeit sehr aktiv kommuniziert“ werden. Es hilft auch nicht – und so eine Aussage von einem Profikommunikator kann eigentlich nur ein emotionsbedingtes Versehen sein – sich zu beklagen, dass „nicht zugehört“ wird, oder die Leute sich nicht dafür interessieren.

Ja Hilfe! Dann muss man die Menschen halt dort abholen, wo sie gerade sind, und ihnen etwas anbieten, das sie interessiert!

Energiewende – bloß nicht!

Apropos interessieren und Leute abholen: Die „Energiewende“ – als Schlagwort im Wahlkampf – können die Grünen gleich wieder vergessen, da haben maschi und Thurnher völlig Recht. Das lockt keinen Hund hinterm Ofen hervor. Außerdem versteht dieses Wortmonster kein Mensch. Zumindest außerhalb der grünen Kernzone. Es erzeugt daher auch keine guten Bilder im Kopf. Klingt es doch schlimmstenfalls nach etwas, das lange dauert, anstrengend ist, und einen ungewissen Ausgang hat. Das ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was die Leut jetzt wollen.

Und was wollen die Leut nun? Das ist vielleicht gar nicht so schwer: Sie wollen jemanden, der endlich die anstehenden Probleme anpackt. Ernsthaft, nachhaltig und lösungsorientiert. Der sich nicht im Parteienhickhack verliert und dem man zutraut, die politische Lähmung der letzten Jahre zu überwinden.

Ich hör einige Leser schon laut denken: „Wischiwaschi“, „Allgemeinplätze“, „am Stammtisch redet sich’s leicht“…

Nicht so voreilig :-)

Diese Erkenntnisse sind natürlich extrem banal. (Banaler wäre nur noch ein Volksbegehren gegen schlechtes Wetter.) Doch gerade weil es Allgemeinplätze sind, die nahezu jeder nachempfinden und teilen kann, warum die Leute nicht genau hier abholen?

Der Schlüssel zum Wahlsieg

In Österreich gibt es nämlich eine Tradition: Man sagt vorher nie, was man nachher will. Schon gar nicht bei Wahlen. Wir kennen die verzweifelten Versuche von ORF-Moderatoren, den Parteichefs Koalitionspräferenzen abzuringen. Gerne unter Hinweis, dass dies in anderen Ländern durchaus üblich sei.

Eines garantiere ich:

  • Wenn sich jetzt zwei Parteien zusammenfinden würden,
  • eine große und eine kleinere,
  • und die beiden vor der Wahl ein Übereinkommen schließen würden,
  • über ein Arbeitsprogramm, das sie nach der Wahl gemeinsam umsetzen wollen,
  • sie diese Strategie als Überraschungscoup präsentieren würden,
  • und fortan im Wahlkampf als Team auftreten würden,
  • das überzeugend den Eindruck vermittelt: „Ja, wir können miteinander!“ „Wir ersparen Österreich monatelange Koalitionsverhandlungen!“ „Wir wollen gemeinsam etwas verändern. Und wir können das auch, wenn Sie uns Ihre Stimme geben!“

Dann hätten die beiden schon gewonnen.
Das ist ein Wahlversprechen (wenngleich in fremdem Namen ;-)

Erstens gäbe es dann medial lange kein anderes Thema mehr, weil das für Österreich einfach zu revolutionär wäre. Alle anderen Konkurrenten verlören dadurch die begehrte Themenführerschaft und gerieten aus dem Fokus der Berichterstattung. Sie wären gezwungen, mehr oder weniger hektisch auf die neue Situation zu reagieren und allenfalls ihre ganze Strategie umzustellen – was nie so gut ist, mitten im Rennen.

Und zweitens hätten die Menschen dann die Wahl zwischen isolierten Einzelkämpfern auf der einen Seite – mit der leidigen Ungewissheit, was nach dem Wahlsonntag sein wird. Und auf der anderen Seite ein Team, das – überspitzt gesagt – am Montag nach der Wahl mit der Arbeit beginnen kann. Damit würden sie genau den Nerv jener Menschen treffen, die eine Wiederholung des letzten Dramas in allen Akten fürchten und gar keinen Sinn mehr in der Wahl sehen.

Leider kann ich noch etwas garantieren: Auf diese Idee kommen unsere Helden nicht. Und wenn, sind sie zu feig.

Falls doch nicht, bin ich im Falle einer erfolgreichen Umsetzung meiner Strategie gerne bereit, den beiden Parteizentralen meine Bankverbindung zu übermitteln ;-)


6 Kommentare

  1. 1
    tyndra sagt:

    herr bassena, der friedensstifter. jetzt brauchst du noch einen schönen langen bart und einen zauberstab, dann kann das funktionieren ;)

  2. 2
    aebby sagt:

    Vorweggenommene Koalitionsverhandlungen, das wäre echt der Knaller. Die Idee ist klasse, die würde auch in der Bananenrepublik ääääh Bunderepublik funktionieren.

  3. 3
    alm sagt:

    lieber hans,

    stimmt alles. deine idee wird fürchte ich keine lizenzzahlungen auf dein konto auslösen, weil du damit schon etwas zu spät dran bist…

    zu meiner jammerei, dass niemand zuhört, möchte ich bitte schon richtig zitiert werden: „Haben Sie nicht zugehört oder interessieren Sie sich, wie viele andere auch, mehr für den Streit der Regierungsrabauken?“.
    in diesem satz sind 2 optionen: a) nicht zuhören und b) zuhören, aber doch etwas anderes als medium viel spannender finden.
    ich bin sehr wohl der meinung, dass die inhaltlichen positionen der grünen (v.a. von einem armin thrunher) wahrgenommen werden, schlussendlich sind aber andere dinge in der innpolitik in der medial vermittelten kommunikation spannender. es lebe der sport.

    herzlichst
    .alm

  4. 4
    hans sagt:

    Hallo .alm,

    ich muss zugeben, es war mir entgangen, dass du Thurnher hier mehr in seiner Rolle als Medienvertreter angesprochen hast und nicht in seiner journalistischen Funktion des „Volksvertreters“, der die Position der Leser einnimmt. Je besser der Journalist das tut, und ich finde Thurnher ist das gut gelungen, desto „gefährlicher“ ist es, ihm dann noch auf der persönlichen Ebene zu antworten, weil alle Leser, denen er aus dem Herzen geschrieben hat, sich gleich mitangesprochen fühlen. Und denen kann man natürlich nicht mit dem „Vorwurf“ kommen, dass irgendwas anderes sie mehr interessiert als die eigenen Positionen. Hingegen als quasi private Replik im öffentlichen Raum, liest sich das dann doch gleich ein bisschen anders. Danke für diese Klärung.

    Dass sich mein Konto jetzt nicht über Nacht füllen wird, habe ich schon fast befürchtet. Ehrlich gesagt, ich würde sogar etwas spenden, wenn nur… Nein, okay, so weit geht’s dann doch nicht – wir haben alle schon genug draufgezahlt, die letzten Jahre.

  5. 5
    maschi sagt:

    Ich verfalle jetzt natürlich sofort wieder ins Jammern. Aber das eigentlich da dahinterstehende politische Problem Österreichs – der Grund dafür, warum es das selbst dann nicht so recht spielen würde, wenn Ideenlosigkeit und Feigheit nicht auch dagegen sprechen würden: Es gibt in Österreich für eine Koalitionsvorvereinbarung keinen Plan B – weil es keinen zweiten Block gibt, für den sich eine Koalition mit zumindest hoher Wahrscheinlichkeit ausgeht, wenn diese vorangekündigte Koalition nicht gewählt werden sollte.

    Der Grund dafür ist Strache bzw genauer gesagt: Ein Potential an rund 20% Wählern, denen man scheinbar jeden Schwachsinn erfolgreich reindrücken kann – es sei denn es käme irgendeiner daher der es tatsächlich schaffen würde noch grösseren Schwachsinn zu verzapfen. Aber momentan sahnt Strache diese 20% politischen Analphabeten ganz klar und unangefochten ab. Sein Schwachsinn ist kaum überbietbar.

    Und das bedeutet dann: Alle Koalitionsdenkvarianten der verbleibenden nicht grundsätzlich und per se denkverweigernden Parteien müssen sich unter Ausschluss dieser 20% abspielen. Geht sich daher eine im Vorhinein paktierte Koalition am Wahltag nicht aus – dann gibt es, sofern auch die anderen nicht mit den Analphabeten koalieren wollen müssen keine vor dem Wähler vertretbare Koalitionsvariante mehr: der dann einzige „Ausweg“: neuerliche Neuwahlen. Mit neuerlicher Vorab-Koalitionsansage? Das wird man sich dann gut überlegen müssen – und wahrscheinlich besser gleich wieder bleiben lassen…

  6. 6
    hans sagt:

    Ist natürlich ein guter Punkt, nur lass es mich ein bisserl genereller sehen: Früher™, in der Zeit der absoluten Mehrheiten hat der Wähler ziemlich genau gewusst, was er bekommt, im Falle eines Wahlsiegs seiner Partei.

    Heute muss er die Katze im Sack kaufen. Und seien wir mal ehrlich, wer tut das im täglichen Leben – selbst bei viel banaleren Dingen als einer Wahl – schon gerne?

    Eine gewisse Lustlosigkeit der Wähler rührt sicher auch daher, dass sie eben das Gefühl haben, mit ihrer Stimme ohnehin nichts mehr bestimmen zu können. Denn egal wen ich wähle, mit meiner Stimme kann im nachhinein fast alles passieren. Wozu also überhaupt noch wählen? Werden nicht wenige vielleicht denken.

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