Armin Wolf hat ausgebloggt

Ausgerechnet einer der besten Einträge sollte auch der Letzte sein: Das Blog von Armin Wolf kommt vorerst nicht wieder. Dem Vernehmen nach stand die Nutzung des „Moderatorentagebuchs“ in keinem Verhältnis zum Aufwand (ts, als wäre das was Neues bei Blogs 😉

Äußerst schwach, dass man nicht mal die alten Einträge auf dem Server belassen hat. Dadurch werden natürlich auch gekürzte „Weiterlesen“-Verweise wie in meinem Artikel zu eben jenem jüngsten Blogeintrag witzlos. Daher hier nun die vollständige Version des letzten Eintrags im Moderatorentagebuch von Armin Wolf:

Ich muss heute ein Geständnis machen …

„Das haben Sie ihm in die Frage hineingelegt“ (Wolfgang Schüssel in der ZIB 2, 8.2.2008)

Dass in der Innenpolitik seit Tagen Aufregung herrscht, weil der ÖVP-Abgeordnete Kukacka erklärt hatte, es wäre „ein Kriegsfall“ für die Koalition, wenn die SPÖ einem U-Ausschuss zu den Haider1)- -Vorwürfen zustimmt – das ist meine Schuld. Ausschließlich meine.

Ich weiß das, weil es mir ÖVP-Klubobmann Wolfgang Schüssel am Freitag im ZiB 2-Studio nachgewiesen hat:

Wolf: „Ihr Abgeordneter Kukacka hat vorgestern hier im Studio gesagt, das wäre ein Kriegsfall. Was ist denn ein Kriegsfall? Wär das das Ende der Koalition?

Wolfgang Schüssel: „Herr Wolf, Sie sind natürlich ein sehr intelligenter Frager. Ich habe das Interview nämlich gesehen, das Sie gemacht haben mit dem Doktor Kukacka. Das haben Sie ihm in die Frage hineingelegt, das ist, das ist ein Kriegsgrund.“

Wolf: „Ich habe gefragt: Das wäre ein Kriegsfall? Er hat gesagt: Ja, das wäre ein Kriegsfall.“

Schüssel: „Sie haben in Ihrer Frage das Wort Kriegsgrund hineingebracht. Das finde ich eigentlich bemerkenswert von einem Moderator, dass er eine kriegerische Sprache in ein solches Interview hineinbringt. Das ist nicht meine Sprache, Herr Wolf.“

Wolf: „Herr, Doktor Schüssel …“

Schüssel: „Das ist nicht meine Sprache. Wir führen keine Kriege …“

Wolf: „Herr Doktor Schüssel, Ihr Abgeordneter Kukacka hat wörtlich hier im Studio gesagt …“

Schüssel: „Lassen Sie mich ausreden …“

Wolf: „… das wäre ein Kriegsfall.“

Schüssel: „Ja, auf Ihre Frage. Ich führe diese Sprache nicht im Mund.“

Wolf: „Es hat ihn ja niemand dazu gezwungen, diese Antwort gegeben, Herr Doktor Schüssel.“

Schüssel: „Es hat Sie auch niemand gezwungen, eine solche Frage zu stellen.“

Wolf: „Ja, eh nicht.“

Schüssel: „Ich rede nicht von Kriegen. Wir sind in einer Koalition und wir wollen eigentlich für Österreich arbeiten.“ (…)

Seither mache ich mir Sorgen um Österreichs Politiker. Jetzt stellen wir uns mal vor, ich hätte Wolfgang Schüssel gefragt: „Sie treten als Klubobmann zurück?“ Er hätte praktisch keine andere Möglichkeit gehabt, als zu antworten: „Ja, ich trete zurück“. Oder ich würde Herrn Platter fragen: „Frau Zogaj darf also bleiben?“ Er könnte nicht anders: „Ja, Frau Zogaj darf bleiben“.

Und seither frage ich mich auch: Funktioniert das nur bei ÖVP-Politikern oder bei allen? Ich muss das weiter probieren …

 

Und jetzt werden wir mal bei der ZIB2 schauen, ob nicht doch noch eine ordentliche Verabschiedung von den paar Bloglesern kommt – bei den paar 3-Sat-Zuschauern geht’s ja auch.

Update 23.2.2008:
Die Überschrift dieses Artikels wurde zu Recht einem Märchen entliehen: Das Moderatorentagebuch kommt nächsten Montag wieder! Wolfgang Wagner, Sendungsverantwortlicher, der ZIB 2 schreibt dazu:

Sehr geehrte User des früheren Moderatorentagebuchs,

am kommenden Montag gibt es ein Comeback unter dem Titel „ZIB 2-Tagebuch“. Armin Wolf und Marie-Claire Zimmermann werden in bewährter Weise einen Blick hinter die Kulissen gewähren und auch ich werde fallweise Einträge verfassen. Das Tagebuch wird in der ZIB 2-Themenübersicht auf orf.at verlinkt (täglich bis spätestens 20 Uhr)und damit leichter erreichbar sein. Bisher war es nur besonders engagierten Usern möglich, das Tagebuch zu „finden“. Das war der einzige Grund, warum Armin Wolf darum gebeten hat, bis zu einer besseren Platzierung das Tagebuch einzustellen. Alle Spekulationen, das Tagebuch sei vom Netz genommen worden, weil es zu kritisch war, sind falsch (ab Montag werden auch die alten Einträge wieder zu lesen sein). Leider war die Vorgangsweise unglücklich, weil das Tagebuch kommentarlos verschwand. Das lag zwar nicht in meinem Bereich, trotzdem möchte ich mich bei Ihnen dafür entschuldigen.

Danke, dass Sie der ZIB 2 und ihrem Internetauftritt die Treue halten! Bitte bleiben Sie uns weiterhin gewogen.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Wagner
Sendungsverantwortlicher ZIB 2

 

Und sie bloggten glücklich, bis ans Ende ihrer Tage… (Danke auch an Andreas K. für den sachdienlichen Hinweis 🙂

Update 14.12.2008:
Überschrift geändert – irgendwie war die von Anfang an daneben.

_________
  1. Gemeint ist wohl Haidinger [↑]


12 Kommentare

  1. 1
    Andreas says:

    Wie bitte – „die Nutzung des Moderatorentagebuchs stand in keinem Verhältnis zum Aufwand“? Deshalb doch unser Support-Angebot!

  2. 2
    Hans says:

    Nun, in diesem Leserkommentar schreibt er (ich nehm wegen dem Duktus an, er ist’s wirklich selber), dass das Blog im Schnitt ca. 350 Leser täglich hatte. Und so sehr ich die vorläufige Einstellung des Moderatorentagebuchs bedaure, das baut mich schon irgendwo auf. Ich mein, grad mal ein paar hundert Besucher weniger als der Anchorman des ORF – da brauch i mi echt nicht beklagen *g*.

    Zeigt halt auch, was für ein Randgruppenthema Blogs in Wahrheit auch im Internet selber sind. Da konnte Wolf noch so lesenswerte Artikel schreiben. Innerhalb des kleinen Ghettos der sog. „Blogosphäre“, die sich am liebsten selbst referenziert (und so gegenseitig auch Leser generiert, weil von außen kaum welche zu kriegen sind), existierte er mangels aktivem 2.0-Lobbyings nicht. Und außerhalb offenbar auch nicht, mangels konventionellem Marketing. Zwei Stühle und mittendurch halt.

    Aber schaun ma mal, vielleicht kommt mit dem Relaunch der ZIB2-Seiten in den nächsten Monaten ja doch noch was, lassen wir uns überraschen 🙂

  3. 3

    hallo,
    ja es war Wolf, der das schrieb im Standard. Ich habe per Mail nachgefragt. Da hat er noch ausführlicher geschrieben. Seine Gründe sind irgendwie verständlich, aber sehr sehr schade. Vor allem, da die Beiträge so genial waren. Die meisten jedenfalls.

  4. 4
    Hans says:

    Danke Weltbeobachterin und allen, die sich irgendwie beim ORF und Herrn Wolf gemeldet haben. Ich denke das Happy-End (siehe Update im Artikel) ist nicht zuletzt auch dem Feedback der treuen Wolf-Fans zu verdanken 🙂

  5. 5
    tyndra says:

    da sprach er uns also an, heute abend, der böse wolf, und schenkte uns das moderatorentagebuch wieder.

    und jetzt frag ich, mir des frevels bewusst: warum macht er jetzt DOCH werbung dafür, nachdem das moderatorentagebuch lange zeit sein dasein im schatten fristete?

    [ist der schreibaufwand für 350 tägliche leser größer als für 3.500? (was direkt zur frage führt: ab wann ist ein blog sinnvoll und wer legt die kriterien dafür fest?) ist die eitelkeit ausgebrochen? war er ob seiner beliebtheit überrascht?]

    ich werd´s natürlich weiterhin lesen. aber immer mit diesem fragezeichen im hirn 😉

  6. 6
    Hans says:

    Hach, ist doch eigentlich egal 😉 Er ist schon wieder zu alter Form aufgelaufen wie ich am jüngsten Eintrag sehe. Und hat sich natürlich umgehend den Top-Platz in meiner Linkliste zurück erobert. (In weiser Voraussicht hatte ich den Link ohnehin nur auf unsichtbar gesetzt 🙂

  7. 7
    tyndra says:

    herr bassena, hast du das etwa in deiner glaskugel so vorausgesehen [und uns nichts davon gesagt]? 😉

  8. 8
    Hans says:

    Naja, ich hab mich einfach ein bisserl an die offiz. Mitteilung mit dem Relaunch und ev. Wiederaufnahme der Tagebücher geklammert. Aber so schnell hätte ich das nicht gesehen (um mit Gerda Rogers Tonfall zu sprechen *g*)

  9. 9
    tyndra says:

    bitte keinen g.r.-tonfall! *bettel*

    aber immerhin: du hast was gesehen. ist doch schon ein anfang! ich sehe vor meinem geistigen auge auch schon die berühmte internet-sendung: „herr bassena schaut für sie ins weinglas!“ da können sich alle mit den drängenden fragen ihres lebens beteiligen, das wird der reinste renner.

    herr bassena wird eine horde groupies haben, die kreischend an seiner türe kratzt, während er standhaft … ähem … konzentiert ! die fragen seiner hysterischen fangemeinde beantwortet. und dafür viele liter hochqualitätsweines braucht, als arbeitsmaterial, und von nix kommt schließlich nix. oder so. 🙂

    [ob das mit rotwein auch geht, kann ich so ad hoc jetzt nicht beantworten]

  10. 10
    Hans says:

    Nun, so ein feiner Roter macht auf jeden Fall weniger Kopfschmerzen als G.R.s Stimme. Hmmm, du hast ganz ausgezeichnete Ideen, ich sollte vielleicht echt mal tiefer ins Glas, äh, in die Kugel schauen *g*

  11. 11
    tyndra says:

    und ich weiß, du denkst dabei NICHT an die groupies… *hrhrhr* 😉

  12. 12
    Hans says:

    Gutes Mädchen *hrhrhr*

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