Schwester Johanna – so tief in Platters Schuld?

Letzten Freitag, im ZIB2-Interview, erwähnte Minister Platter beiläufig eine Schwester Johanna, die angeboten habe, Familie Zogaj im Kosovo zu helfen. „Schwester Johanna“ sagte er dabei so selbstverständlich und ohne große Erläuterung, als müsse man sie kennen. Nun, ich musste erst googeln. Vielleicht besser, ich hätt’s gelassen…

Zu jener Zeit, als Arigona untergetaucht war, schrieb Schwester Johanna einen offenen Brief an sie. Dieser wurde als Gastkommentar in der Wiener Zeitung abgedruckt:

Arigona, du wärst eine Hilfe für den Kosovo!

Tung, Arigona!

So grüßen sich die jungen Leute in deiner Heimat.

Seit Jahren bin ich fast jeden Monat einige Zeit im Kosovo. Ich habe ihn schätzen und lieben gelernt – nicht nur das schöne Land, sondern besonders die Menschen und vor allem die Kinder und die Jugend […] selbstbewusste, zielstrebige junge Menschen, die vertrauensvoll in die Zukunft blicken.

Liebe Arigona!

Habe den Mut und stelle dich in die Reihe dieser hoffnungsvollen Jugend. Sei stolz, zu ihr zu gehören! Eines Tages wird auch der Kosovo ein Teil der EU und seine Jugend eine Bereicherung für ganz Europa sein.

NIE habe ich dort Jugendliche getroffen, die Alkohol, Nikotin oder Drogen missbrauchten – dafür umso mehr solche, die mir vorschwärmen, was sie werden möchten: Baumeister, Informatiker, Dolmetsch, Biologe u.v.m. Zielorientiert, voller Schwung und Hoffnung […]

Hab keine Angst, wage den Schritt in deine Heimat! Du gehörst zu diesem hoffnungsvollen, wenn auch armen Land. […]

Liebe Arigona!

Du könntest mir und der Jugend im Kosovo sehr viel helfen. […] In Suva Reka haben wir eine moderne HTL eingerichtet. Dort könntest du etwa Modedesign lernen. Es wäre toll, so ein junges Mädchen mit Mut als Partnerin zu haben. Du hast einen Dickkopf – und solche Leute können was bewegen.

Ich bete für Dich.

hier das ungekürzte Original »

 

 

Das klingt alles überaus hoffnungsfroh und zuversichtlich. Und dann geht man auf die Homepage von Schwester Johanna und dort liest man weitaus weniger beschönigend:

Lage im Kosovo

Im Kosovo herrscht bis zu 80 % Arbeitslosigkeit. […] Es gibt kaum Schulen, die weniger als 500 oder 600 Schüler haben. […] Da die Stromversorgung sehr schlecht ist, können die Schüler im Winter am Nachmittag nur mit Kerzenbeleuchtung unterrichtet werden.
Heizung: Kanonenöfen (Bis zu –35 Grad!)
Es gibt sehr wenig warme Kleidung und in kaum einer Schule genügend Lehrmittel.

[…]

Krank sein? Die Menschen müssen für alle Medikamente selbst bezahlen, weil es keine Krankenkassen gibt. Durch ein Unglück kann es sein, dass eine Familie praktisch ruiniert ist.

Die Krankenhäuser sind natürlich auch nicht ausreichend ausgestattet. Auch die sanitären Anlagen sind in Schulen und Krankenhäusern katastrophal.

Jeder, der das erste Mal in den Kosovo kommt, denkt sich, dass es hier gar nicht so schlecht aussieht, weil es sehr viele neu gebaute Häuser gibt. Dieser Schein trügt jedoch, denn die meisten Häuser sind nur im Parterre bewohnt.

[…] Viele Leute aus dem Kosovo arbeiten in der Schweiz, Österreich und Deutschland und schicken Geld nach Hause. Die Häuser werden über Jahrzehnte gebaut. Sie wollen sich dadurch, dass sie so ein hartes Leben in der Fremde führen, ihren Lebenstraum erfüllen […] und bleiben oft ihr Leben lang fern von Familie und Freunden, oft belastet mit Schwerstarbeit und geringem Gehalt; und so kommen sie selbst nie in den Genuss, in diesem „Schloss“ zu leben – ein arges Schicksal.

[…]

Für Leute, die am Land leben, ist es insofern leichter, weil sie keinerlei Luxus zu Gesicht bekommen. Der Lebensstandard dort ist ähnlich wie bei uns vor 70 oder 80 Jahren.

hier ungekürzt lesen »

 

Wie passt das zusammen?
Es ist nicht schön, aber vielleicht so – ein Zitat von ihrer Homepage:

„Schwester Johanna Schwab ist bei vielen Hilfsprojekten im Kosovo tätig. Sie arbeitet dabei eng mit dem Bundesheer zusammen.“

 

Und das bereits seit jener Zeit, als Günther Platter noch Verteidigungsminister war. Eine kurze Bildersuche bekundet die langjährige Verbundenheit von Schwester und Minister:

August 2003

2003: Bundesminister Platter und Schwester Johanna im Kreise Österreichischer Soldaten. (Foto: http://www.bmlv.gv.at/cms/artikel.php?ID=2315)

„Bundesminister Platter und Schwester Johanna im Kreise österreichischer Soldaten.“

2003: Schwester Johanna und Minister Platter beim gemeinsamen Musizieren. (Foto: http://www.bmlv.gv.at/cms/artikel.php?ID=2315)

„Schwester Johanna und Minister Platter beim gemeinsamen Musizieren.“

(Quelle: Verteidigungsministerium)

 

Dezember 2007

2007: Charity-Punsch von Minister Platter brachte 4.500 Euro für Schwester Johanna (Foto: http://www.bmi.gv.at/cms/BPD_Graz/_news/Aktuelles_BMI.aspx?id=3453544559325A6B4B43383D&page=0&view=1)

2007: Charity-Punsch von Minister Platter brachte 4.500 Euro für Schwester Johanna (Foto: http://www.bmi.gv.at/cms/BPD_Graz/_news/Aktuelles_BMI.aspx?id=3453544559325A6B4B43383D&page=0&view=1)

„Charity-Punsch von Minister Platter brachte 4.500 Euro für Schwester Johanna“ (Quelle: Innenministerium)

 

Diese Zusammenhänge sollte man kennen, und vielleicht als Zeitung bei so einem scheinbar wohlwollenden Gastkommentar auch erwähnen, denke ich.

Ich gehöre keinem Arigona-Heiligsprechungskommando an, aber vom ersten Rufmord durch den Minister persönlich, bis zum schamlosen Instrumentalisieren einer befreundeten Ordensschwester, um für einen Judaslohn Arigonas Zukunft im Kosovo öffentlich schön zu färben und das Mädchen aus dem Versteck zu locken… Es lässt tief blicken, wie dieser Fall von Platter („wer mich kennt, weiß, dass ich gerade im menschlichen Bereich besondere Qualitäten habe“) abgehandelt wurde.

Wie kann man sich so scheinbar kühl und sachlich auf Recht und Gesetz berufen und gleichzeitig derart hemmungslos auf tiefster persönlicher Ebene alle Register gegen jene ziehen, über die man in letzter Instanz zu entscheiden hat? Man stelle sich vor, ein Richter wäre so vorgegangen. Er wäre umgehend wegen Befangenheit abberufen worden.

ha|ns



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1 Kommentar

  1. 1
    Johannes says:

    innenminister platter hat dieses jahr etliche male bewiesen, was für ein mensch er ist.
    diesem mann ist alles zuzutrauen. nur nichts gutes.