Nachschenken hilft Nachdenken

Ganz nüchtern können sie jedenfalls nicht gewesen sein, beim Texten gegen das Komasaufen für die gut gemeinte Kampagnenseite „Nachdenken statt Nachschenken“.

Tipps & Tricks für attraktive Lokalitäten

Nachdenken statt Nachschenken – Logo

Hier einige zusätzliche Profi-Tipps, die nicht nur jugendgerecht sind, sondern auch von Erwachsenen gerne angenommen werden:

  • Geben Sie auf der Getränkekarte neben das Getränk eine Altersbewertung – ähnlich dem Kinoprogramm. zB „ab 18″ – für harte Getränke, „1+“ für alkoholfreie Getränke.

 

Klar, Jugendliche werden dann selbstverständlich die, ähem, ungeeigneten Getränke auf der Karte ausfiltern („Hey, Wirt! Könntest die Karte nicht nach Vol.-% sortiern? Weißt eh, wegen Jugendschutz…“).

Gut versteckt, als vierten Menüpunkt auf der Homepage, gibt’s auch Infos für Jugendliche. Genau genommen Textwüsten, so trocken wie wir unsere Jugendlichen gerne hätten. Man darf zweifeln, ob eine Sprache von 40-jährigen für 14-jährige dort ankommt, wo es nötig wäre. Zum Glück, denn…

Nur „grauslich“ oder lebensgefährlich?

Einfach nur mehr grob fahrlässig ist die Angabe einer Promille- -Tabelle (man hat offenbar einfach eine für Alkohol gewohnte Erwachsene genommen!), wo man dann Dinge lesen darf wie:

Bei 3 bis 4 Promille (15 bis 20 Gläser) wird es richtig grauslich. Du bist kaum mehr in der Lage, deine Umwelt wahrzunehmen und bietest ganz sicher auch keinen schönen Anblick mehr.

 

Sorry, aber „richtig grauslich“ ist hier was anderes: Was soll bitte der völlig nichtssagende und gemeingefährlich irreführende Mist mit „15 bis 20 Gläser“? Ohne Mengenangabe. Ohne Getränkeart. Ohne Erläuterung anderer Faktoren (Alter, Gewicht, Geschlecht,…), die alle eine wesentliche Rolle spielen.

Das kommt davon, wenn man einfach nur stupide eine andere Seite kopiert, und dabei so nebensächliche Hinweise weglässt:

„Die folgende Übersicht gilt für Erwachsene. Zu bedenken ist, dass Kinder und Jugendliche wesentlich empfindlicher auf Alkohol reagieren. Kleinkinder sterben schon ab 0,5 Promille-Blutalkohol.“

 

Auf einer anderen deutschen Seite zum Thema jugendliches Komasaufen steht immerhin, dass es sich bei deren Angaben um „1 Glas Bier (0,33 l) oder 0,2 l Wein“ handelt, und weiter:

Ab 2,5 Promille: Störung von Atmung und Blutkreislauf, die motorischen Nerven versagen, das Bewusstsein setzt aus, Lebensgefahr!

 

Wir erinnern uns, österreichische Jugendliche fangen da grad mal an, den Anblick für andere zu beeinträchtigen.

Aber man hätte ja auch einfach „nachdenken“ und einen Experten fragen können:

„Wir hatten an unserer Kinderklinik schon Kinder, die nach erstmaligem Schnapskonsum mit einem Alkoholspiegel von 1,0 bis 1,5 Promille im Blut bewusstlos wurden. Erwachsene werden mit einem Blutalkoholspiegel von vier bis fünf Promille bewusstlos. Kinder durchleben nicht die verschiedenen Stadien des Rausches, wie Euphorie und Enthemmung. Kinder trinken kurz und fallen einfach um.“

 

McDonald’s und das Komasaufen

McDonald's Plakatsuchbild

Vergleichsweise banal, aber auch recht putzig: in der Galerie der teilnehmenden Gastronomiebetriebe gibt’s genau drei Fotos. Davon zweimal der selbe McDonald’s mit Plakatsuchbild. Als ob Alkoholmissbrauch bei denen das größte Problem wäre…

ha|ns



4 Kommentare

  1. 1
    Michael says:

    Hallo, Hans.

    Da gebe ich Dir uneingeschränkt Recht. Es ist absolut unverantwortlich, solch eine irreführende „Promilletabelle“ zu veröffentlichen. Beim Durchlesen dieser Liste bekommt man direkt den Eindruck, dass es erst ab 4 Promille kritisch wird, was natürlich absoluter Nonsens ist. Nebenbei bemerkt fokussiert man sich bei den Auswirkungen des Alkoholkonsums viel zu sehr auf Peinliches und Lustiges („Auch Gedächtnislücken am nächsten Tag sind nicht ungewöhnlich – peinlich!“, „Da haben dann wenigstens die anderen was zu lachen.“), wodurch die Gefährlichkeit ins Hintertreffen gelangt.

    Hast Du die Herausgeber mal benachrichtigt, dass die diese Promilleliste entsprechend „nachbessern“ sollen? Ich halte das schon für sehr wichtig und würde auch selbst „zur Feder greifen“, falls das noch nicht geschehen ist.

    Viele Grüße
    Michael

  2. 2
    Hans says:

    Hallo Michael,

    danke für deinen Kommentar. Nein, die Herausgeber sind noch nicht benachrichtigt. Würde mich freuen, wenn du das übernimmst. Nachdem ich dein Blog gesehen habe, scheint dieses Thema bei dir ja bestens aufgehoben :-)

    lg
    ha|ns

  3. 3
    Michael says:

    Hallo Hans,

    die E-Mail ist raus. Hoffen wir, dass sich in den nächsten Tagen etwas tut. ;-)

  4. 4
    Hans says:

    Ich halte dagegen. Ein Bier! *g*