Web-Milliardär in Europa – geht das?

Angenommen, die Google-Gründer hießen Schmidt und Meier, und hätten irgendwo in Deutschland studiert, statt an der Stanford University. Oder Facebook-Gründer Marc Zuckerberg, der „Milliardär in Badelatschen“, hätte in Frankreich oder England studiert, statt in Harvard. Stünden sie heute auch dort, wo sie jetzt stehen? Auch nur ansatzweise? Oder geht das wirklich nur in Amerika?

Mark Zuckerberg (Foto: Wikipedia)

So schlau ich auch gern tu, aber ich versteh grad wirklich nicht, warum in Amerika scheinbar alles so viel leichter geht. Oder, besser andersrum: ich kapier nicht, warum es bei uns anscheinend so viel schwerer geht. Alle reden von der Globalisierung. Und wir in Europa hätten doch alle Chancen, die sich daraus ergeben. Aber irgendwie kriegen wir außer peinlichen Kopien nichts vergleichbares Eigenes zuwege. Nicht mal ansatzweise. Nada, nix, niente!

Dort 300 Millionen ach so dumme USAmerikaner, die eine globale Success-Story nach der anderen schreiben. Und hier 500 Millionen ach so gscheite EUropäer, die mit offenem Mund dastehn und nur neidisch zuschaun können. Und das auf einem virtuellen Schlachtfeld. Wo man nicht erst groß Rohstoffe herankarren und Infrastruktur aufbauen müsste. Irgendwo muss da doch der Hund begraben liegen. Oder ist’s ein ganzes Rudel?

Liegt’s an den Rahmenbedingungen?

  • Werden junge Visionäre in Amerika vom Start weg zum Erfolg getragen und bei uns zu Grabe?
  • Unterstützen Politik und Bürokratie dort den Weg nach oben und drücken uns nach unten?
  • Warten mutige Investoren dort nur auf gute Ideen und ist’s bei uns genau umgekehrt?
  • Zünden Funken dort wegen der Sprache leichter, während das Feuer hier an den Grenzen erlischt?
  • Haben wir beim Internet bis heute den Nachteil der späten Geburt nicht aufgeholt? (Nur was soll da Japan sagen?)

Liegt’s an der Einstellung?

  • Kriegt man bei uns zuviel „Hättiwari1) in die Wiege gelegt und dort mehr „Williwerdi“2)?

Oder scheißen sich die Amis einfach nur weniger?
(Siehe Youtube. Das wär doch in Deutschland nach drei Tagen abgemahnt, abgebrannt3) und abgedreht gewesen – in genau dieser Reihenfolge.)

 

Hab ich was vergessen? Ist es alles zusammen? Oder ganz anders?

Helft’s mir mal weiter, denn… – nö Quatsch ;-) – aber vielleicht hat ja wer ein paar Ideen. Und dann machen wir daraus ne Anleitung zum ersten Web- -2.0- -Euro- -Milliardär, und dann…

ha|ns

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  1. Hätte ich, dann wäre ich (österr. Ausdruck f. Selbstmitleid) [↑]
  2. Will ich! Werde ich! (Hab ich grad erfunden, bei uns hat natürlich nur der ‚Hättiwari‘ wirklich einen Namen ;-) [↑]
  3. österr. für ‚pleite‘ [↑]


3 Kommentare

  1. 1
    Christoph says:

    Ich befürchte, dass Unternehmen wie Facebook deutlich überbewertet sind. Wenn man etwa Unternehmen kauft, nur damit es der andere nicht bekommt, ohne Rücksicht auf Gewinne, erinnert mich doch stark an den Web-1.0-Crash a.k.a. IT-Bubble.
    Der Bill Gates hatte etwas Glück, weil er QDOS gekauft hat und damit ein de facto Monopol gegründet hat.
    Ich schätze also, dass es nicht unbedingt die Innovationskraft ist, sondern einfach der Zugang zu den großen Geldtöpfen, der Unternehmen in den USA so schnell wachsen lässt. Abgesehen davon profitieren IMHO Unternehmen in USA auch von dem homogeneren Markt. Man muss nur schauen, wieviele Sprachen in Brüssel gesprochen werden.

  2. 2

    Gut geschrieben Hans!
    Ich glaube der wesentlichste Unterschied liegt daran, dass in den USA Leuten von der Wiege bis zur Bahre beigebracht wird, ständig nach neuen Ideen zu suchen, die vermarktet werden können, in Europa hingegen sucht man nach Gemütlichkeit und (leider!) erfolgreich nach Wegen, wie man neue Ideen zunichte machen kann. Die Leute, die was Neues schaffen möchten, emmigrieren dann in die USA. Es gibt nicht nur Emmigranten aus weniger entwickelten Ländern in den USA, sondern genauso gut aus entwickelten europäischen Ländern etwa auch aus Deutschland oder Österreich. Siehe beispielsweise den jetzigen Gouverneur Kaliforniens oder siehe etwa in google über Brain Gain Initiativen in Deutschland oder Österreich. Der menschliche Eifer wird in den USA einfach viel mehr gefördert als in Europa der Fall ist.

  3. 3
    Oberlehrer says:

    Das habe ich mich auch schon gefragt… Und zwei Beiträge dazu geschrieben: a) „Abschied vom Land der Dichter und Denker“ und b) „Mit der Green Card in die USA auswandern“.