Das „Dark Web“-Projekt

Gestern im ZDF: Ein hochinteressanter Beitrag über das „Dark Web“-Projekt1) der Universität von Tucson2) in Arizona. Wie filtert man in der Terrorfahndung aus Milliarden Postings im Internet jene Kommunikation heraus, die relevant sein könnte? Wie findet man die Anführer und ihre Beziehungen im Internet, ohne in der Flut von Information zu ertrinken?

Genau das wird in Tucson versucht. Die dort entwickelte Software erstellt aus Wortlänge, Zeichensetzung, Satzbau und Inhalt von Internetbeiträgen eindeutige „Fingerabdrücke“ der Autoren. Insgesamt bis zu 30.000 Einzelmerkmale werden für so einen Abdruck ausgewertet. Es soll daher nahezu unmöglich sein, sich so zu verstellen, dass man die Software dauerhaft überlisten kann. Haben die Fahnder einmal eine Textprobe von einem radikalen Rädelsführer, kann er im Internet nicht mehr anonym posten. Nach wenigen Beiträgen ist er anhand seines Profils automatisch identifizierbar.

Auch für Laien beeindruckend, die Einblicke in die eigentlich hochgeheime Software im ZDF-Video:

Dark Web, Trojaner war gestern – Normaler Forenteilnehmer

Hier das Profil eines gewöhnlichen Forumbesuchers. Er ist unsicher, seine Beiträge und Fragen gehen Queerbeet, es gibt keine klare Ausrichtung.

 

Hier hingegen zwei Autoren mit buchstäblich gefestigtem Themenkreis. Der Autor rechts verherrlicht außerdem Gewalt und wird als gefährlich eingestuft. Die Software findet auch die Schlüsselbegriffe in den Beiträgen und hebt sie grafisch hervor.

Dark Web, Trojaner war gestern – ‚Forum Expert‘ mit Themenschwerpunkt Religion

Dark Web, Trojaner war gestern – Gewaltverherrlichender Autor mit klarem Themenkreis


Dark Web, Trojaner war gestern – Beziehungsdiagramm

Anhand von Beziehungsdiagrammen wird sichtbar, wie die Autoren im Netz zueinander stehen. Trojaner? Das war gestern.

 

Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis derartige Software auch abseits der Terrorabwehr3) Eingang in unser Leben findet. Sei es als aufschlussreiches Tool für Webmaster und Forenteilnehmer, zur Spam-Analyse oder auch, um von „Ghostwritern“ verfasste Diplomarbeiten aufzudecken und anonyme Insider, die Geheimnisse aus sensiblen Bereichen ausplaudern.

ha|ns

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  1. Tja, dazu hab ich jetzt nicht mal einen Wikipedia-Link, warum wohl ;-) [↑]
  2. Sprich: ‚tuhsan‘ [↑]
  3. Wer definiert eigentlich, wer ein Terrorist ist…? [↑]


1 Kommentar

  1. 1
    tyndra says:

    sowas in der art hat mal unser professor gemacht. das bild über die (anonymisierten) beziehungen der schüler in der klasse untereinander sah etwa so aus wie das letzte bild. wenn diese technik mal wirklich ausgefeilt ist, wird das wohl nimmer dark net heißen ;)