Rufmord von ‚besonderer Qualität‘
Eben in der ZIB 2: Ein Interview mit Innenminister Platter („wer mich kennt, weiß, dass ich gerade im menschlichen Bereich besondere Qualitäten habe“) zur Abschiebung einer (fast) oberösterreichischen Familie in den Kosovo. Diese hat vor allem deshalb in den letzten Tagen hohe Wellen geschlagen, weil die 15-jährige Tochter untergetaucht ist, und in einem Brief mit Selbstmord gedroht hat.
Viele Sympathien1) stehen derzeit auf Seiten dieser Familie. Zu viele, für manche. Und was tut ein gestandener Politiker in so einem Fall? Das selbe wie im Wahlkampf, wenn er fürchtet, gegen einen Gegner mit Argumenten alleine nicht gewinnen zu können: Er patzt ihn an. Oder weniger euphemistisch: er begeht Rufmord.
Ein Auszug aus dem Interview, geführt von Österreichs wieder mal bestem TV-Journalisten (hier sein Blog), Armin Wolf – das Transkript einer Grauslichkeit:
„Und, eines möcht’ ich auch sagen: Es sind auch Familienmitglieder straffällig geworden. Und deshalb ist es schon notwendig, dass man hier einen Weg geht, dass man nicht alles tolerieren kann.“
„Können wir das jetzt mal konkret machen, weil das denn ganzen Tag jetzt heut durch die Medien geistert. Was heißt „Familienmitglieder sind straffällig geworden“? So weit bekannt, gibt’s gegen einen der älteren Buben offenbar ein Urteil wegen versuchter gefährlicher Drohung. Das klingt a bissl nach Diskorauferei oder so was…“
„Nein, es gibt hier eine Verurteilung, und es gibt aber auch Anzeigen…“
„Weswegen?“
„Es äh, es äh, Paragraf 270 der Strafgesetz-äh-ordnung … äh … des Strafgesetzbuches… also die gefährliche Drohung2). Aber…“
„Nun was heißt das konkret? Nur damit sich die Zuseher auskennen. Also da … es macht ja einen Unterschied, ob man da jetzt sagt, jemand ist als Drogenhändler verurteilt, oder …“
„Ich möchte hier nicht die einzelnen Punkte jetzt erwähnen, was die anderen Anzeigen3) betrifft. Jedenfalls ist das nicht korrekt abgelaufen. Man hat sich nicht nach unserer Rechtsordnung verhalten. Und es ist schon notwendig, dass man auch enstprechende Maßnahmen setzt. Und, äh … wir können das einf…“
„Herr Minister, ich muss hier trotzdem nachfragen: Heißt das, Sie haben da jetzt fünf Menschen abgeschoben, weil ein Bursch, äh, wegen einer versuchten gefährlichen Drohung straffällig geworden ist?“
„Nein, das ist ein begleitender Effekt. Äh, wahr ist, und klar ist, dass kein Asyl gegeben wird, in Österreich.“
Was Herr Minister unter „begleitender Effekt“ versteht, ist etwas unklar. Vermutlich aber meint er, ministerieller Rufmord ist ein „begleitender Effekt“ von zu viel positiver Publicity für eine abgeschobene Familie, die außer ihrem guten Ruf hier nichts mehr hatte…
ha|ns
- Es will was heißen, wenn man in so einem Fall die Kronen-Zeitung verlinken kann – wie eingangs in diesem Artikel. [↑]
- Gefährliche Drohung ist § 107. Warum so nervös, Herr Minister? [↑]
- Warum diskreditiert er die Familie mit der Erwähnung von „anderen Anzeigen“, will über ihren Inhalt aber nicht sprechen? Stimmt etwa, was die Kronen-Zeitung schreibt: „mehrere Verwaltungsstrafen wegen Verkehrsdelikten“? [↑]





Am 3. Oktober 2007 um 15:08 Uhr
verwaltungsstrafen wegen verkehrsdelikten? huh! das ist ja was ganz, ganz arg kriminelles! wenn das SO ist, kippt sicherlich die stimmung in dieser sache in die andere richtung. verkehrsdelikteverbrecher. na sowas grusliges ;)
wahr ist und klar ist, dass – ein minister, und sei es nur für die dauer eines interviews, ein mindestmaß an sachkenntnis haben sollte. auch wenn das jetzt vielleicht ein idealistischer wunsch ist.
Am 28. Oktober 2007 um 20:06 Uhr
Werter Hans!
Ich bedanke mich im Namen unseres Teams für die Erlaubnis, diesen Blog beobachten und seine Inhalte für die Zwecke des Projektes Blogtheatre.net verwenden zu dürfen.
Ich habe diesen Beitrag gerade ins Forum von http://www.blogtheatre.net gebracht!
Siehe unter:
http://stg.beepworld.de/blogtxt/forum/viewtopic.php?p=43#43
Liebe Grüße!