In the Year Twenty-Five Twenty-Five…

Dali Clock

Ihr haltet mich jetzt vielleicht für ein bisschen verrückt, aber hin und wieder, wenn ich z.B. grad so auf den Bus warte, und einfach die Häuser, die Autos, die Menschen beobachte, dann stelle ich mir manchmal vor, wie es im Zeitraffer wohl weiter geht, mit dem was ich gerade sehe.

Wenn es – ganz sicher irgendwann, und sei es noch so fern – keinen mehr gibt, der all die Dinge wartet, pflegt, am Leben hält.

Die Häuser, wie sich Wind und Wetter ihren Weg erst durch die Dächer bahnen und letztlich dann die Mauern fallen. Laternen, Ampeln, Schilderwald, die kurz nur Rost und Schwerkraft trotzen. Der Asphalt, vom Frost gesprengt und eines Frühlings neu erblühend…

Der Bus kommt. Die Gegenwart hat uns wieder. Das Ende aller Dinge muss warten.

Warum ich das eigentlich schreibe? Heute bin ich im Online-Standard auf den Artikel „Die allzu schöne Leere“ gestoßen, der genau diese Gedanken aufgreift, nur um einiges intensiver und fundierter als ich es könnte. Besonders lesenswert waren für mich die Ausführungen zu Alan Weismans Buch „Die Welt ohne uns“:

Baum frisst Bank

„Was bleibt vom Menschen, wenn einmal ordentlich Gras über seine Sache gewachsen ist? Auf lange Sicht nicht allzu viel: Plastik zum Beispiel. Seit dem Zweiten Weltkrieg hat der Mensch rund 110 Milliarden Kilo Kunststoffe erzeugt, die Evolution hat bislang keine Mikroorganismen erfunden, die in der Lage wären, die persistenten Polymere zu verdauen. […] Acryl, Plexiglas, die Reste von Plastiktaschen werden, von Sediment bedeckt, bis ans Ende der Tage in der Erde lagern oder in pulverisierter Form durch die Ozeane treiben.“

Baum frisst Schild

„Was wäre, fragt Weisman halb jubelnd, halb trauernd, wenn die Menschen plötzlich verschwunden wären? Zur Beantwortung der Frage hat Weisman dutzende Wissenschafter wie Andrady aus den unterschiedlichsten Disziplinen befragt. Mit dem Modus des Untergangs hält sich Weisman nicht lange auf, das Gedankenexperiment könnte morgen beginnen, etwa in einem plötzlich entmenschten Manhattan: Zunächst bricht Wasser die harte Schale der Stadt auf, ohne die 753 Pumpen der New Yorker U-Bahn wird die Stadt binnen Kurzem geflutet, die Lexington Avenue stürzt ein und wird zum Flussbett. Gewaltige Feuerstürme, angefacht von explodierenden Gasleitungen und Blitzeinschlägen, fegen über die Stadt hinweg. Im Wechsel der Gezeiten platzen Asphalt und Beton, erste Pionierpflanzen, Feldklee und Gelbkraut siedeln sich in den Rissen an, Giftefeu rankt sich an den Mauern empor.“

Baum frisst Rad

„Nach 200 Jahren beginnt die Herrschaft des Waldes, die Wolkenkratzer stürzen infolge der ständigen Unterspülung ein, Hirsche, Bären und Kojoten streichen durch die Ruinen. Die Hunde zahlen den Preis für ihr Nahverhältnis zum Menschen und sterben aus. Wie im Übrigen die Kakerlaken und Ratten, Pferde und Rinder. Sie erfrieren oder verhungern, werden verdrängt und gefressen. Die Katzen finden dagegen in den neuen Singvögel- und Eichhörnchenpopulationen der Wälder ausreichend Nahrung und überleben das nächste Jahrtausend. Während die Natur alle Spuren der Zivilisation an der Oberfläche langsam tilgt, liegt im Hafenbecken unter einer dicken Muschelkruste die Freiheitsstatue, chemisch etwas verändert, aber auch nach tausenden Jahren noch gut erkennbar. Freilich: nur noch für die Fische…“

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„Die Arbeit der Nacht“, wo der Wiener Jonas eines Morgens feststellen muss, dass er der letzte Mensch auf diesem Planeten ist, habe ich letzten Winter gelesen. Leider scheint den Amazon- -Kundenrezensionen zufolge „Die Welt ohne uns“ am selben Problem zu kranken, wie Glavinics Bestseller. Eine faszinierende Grundidee, der irgendwann die Luft ausgeht, und die dann streckenweise etwas mühsam vom Autor ins Ziel geschleppt wird. Nun, ich habe Glavinic dennoch nicht bereut – vielleicht gebe ich Weisman auch eine Chance…

ha|ns



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