Allmachtsfantasien

Regierungsauflösung, Oberbefehl, Weltherrschaft… Bundespräsident Heinz Fischer warnt seine wahlkämpfenden potenziellen Nachfolger vor Allmachtsfantasien.

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Entfesselung by ÖVP

Die ÖVP plant für den ORF eine Proporzführung und möchte gesetzlich regeln, was ORF-Journalisten auf Twitter und Facebook sagen dürfen. Aber wie passt das zum zentralen Claim der ÖVP in diesem Wahlkampf? … Perfekt!

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Österreich-Werbung wirbt für Esoterik-Schwindel

Fangen wir positiv an. So sieht großartige Tourismuswerbung aus:


Vimeo-Video: Inspired by Iceland.

Und nun zu Österreich…

CNN hat gestern unseren internationalen Claim „It’s got to be Austria“ an die Spitze der fragwürdigsten Tourismus-Slogans der Welt gereiht. Halb scherzhaft schlägt der Autor in Anlehnung an „unseren“ Terminator einen besseren Slogan vor: „Austria – You’ll Be Back.“

Das ist ja alles nicht so ernst. Wirklich fragwürdig ist aber, wofür die Österreich-Werbung so Werbung macht. Hier das meistgeklickte Video auf einem ihrer offiziellen Youtube-Kanäle:

Österreich-Werbung - Granderwasser

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Youtube-Video: Belebtes Wasser aus Österreich

Ja richtig, den Klickrekord hält dort seit ca. vier Jahren ein Propagandafilmchen für „belebtes“ Grander-Wasser. Einen mehrfach gerichtsanhängigen Esoterik-Schwindel, für dessen behauptete Effekte es keinen einzigen wissenschaftlich haltbaren Beleg gibt. Abgesehen vielleicht von den ca. 13 Millionen (!) Euro, die für diesen Humbug jährlich in die Kassen findiger Tiroler fließen.

Die freuen sich folgerichtig auch sehr über diesen Film, über den man auf der Grander-Homepage Erstaunliches erfährt:

Österreich-Werbung - GranderIm Auftrag der Österreich Werbung (www.austria.info) zeigt Jörg Pfeifer in einem Film (4,20 min), was am belebten Wasser aus Jochberg dran ist …

 

„Im Auftrag der Österreich-Werbung“ – die sich zum größten Teil aus Steuergeldern und Pflichtbeiträgen der Wirtschaftskammer finanziert. Ich muss mich korrigieren, irgendwas ist an diesem Wasser doch dran, denn das stinkt gewaltig!



9/11

Der Zufall wollte es, dass ich heute vor genau zehn Jahren mit einer Gruppe von Freunden und Studienkollegen auf Urlaub in New York war. Die folgenden Bilder, und weitgehend unverändert auch die Texte, stammen aus dem Backup eines längst verschollenen Webalbums, das ich nach unserer Heimkehr für meine Fotos erstellt hatte. Der heutige Jahrestag hat mich endlich dazu bewogen, diese Erinnerungen dem Vergessen zu entreißen – auch dem eigenen – und euch hier von einem zehn Jahre jüngeren Ich schildern zu lassen, wie das „damals“ war, aus seiner Sicht…

 

Ich bin sicher, ich habe vor Ort viel länger gebraucht, das Ganze zu realisieren, als viele der Millionen Menschen, die die Ereignisse im Fernsehen mitverfolgt haben.

Drei Tage vor seinem Einsturz waren wir noch selber auf dem Südturm. Haben uns im 107. Stock den simulierten Heli-Flug über Manhattan gegeben. Die Greenbox gesehen, vor der Touristen sich ablichten ließen, um übergroß in Souvenirbilder einmontiert zu werden, wie sie scheinbar auf den Dachkanten der Türme balancieren oder mit lachendem Gesicht von ihnen herabfallen. Haben unsere Nasen an die vom Boden bis zur Decke reichenden Fensterscheiben gedrückt, so dass uns nur mehr das Plexiglas vom 400 Meter tiefen Abgrund trennte. Auf der Plattform ganz oben die unglaubliche Aussicht genossen. Wir blieben vom späten Nachmittag bis zum Abend, um auch die Lichter der Stadt sehen zu können.

Unten am Plaza habe ich noch ein letztes Mal hochgesehen. Diese beiden gewaltigen Tower gleichzeitig im Blick gehabt. Ich erinnere mich, dass ich den WTC-Plaza teilweise rückwärts gehend verlassen habe, immer wieder staunend zurücksah.

Es war unvorstellbar, dass geschehen konnte, was geschehen war. In Reiseführern war von einem Flugzeug der US-Luftwaffe zu lesen, das gegen das Empire State Building geflogen war, ohne größeren Schaden am Gebäude zu hinterlassen. Auch vom Anschlag auf das WTC 1993 war zu lesen, ebenso ohne größere Folgen. Diese Gebäude schienen kaum verwundbar. Umso größer der Schock, das Entsetzen, die Fassungslosigkeit. Am 11.9. und in den Tagen danach.



„Der Stürmer“ – 75 Jahre später (2. Update)

Das linke Bild entstammt der Nazi-Hetzpostille „Der Stürmer“, von November 1935. Das rechte einer FPÖ-Hetzbroschüre, 75 Jahre später. Es gilt die Zufallsvermutung.


„Voll auf’s Nudelaug“ – unsere Kultur- und Sprachbewahrer können weder richtig Deutsch („auf’s“) noch Österreichisch (das „Nudelaug“ dürfte der Junge kaum getroffen – und hoffentlich auch nicht gesehen – haben).

Warum sind wir so blind gegenüber der Gefahr?

Weil wir gefühlte tausend Mal gesehen haben, in welchem Gewand sie kommt? Auffällig unzeitgemäß, in angestaubter Sprache, sich nahezu überschlagend gegen Juden hetzend und am besten noch schwarzweiß. Kein Zweifel: Wenn das Unheil derart wieder käme, es würden alle klar erkennen. Zuverlässig wie ein Virenscanner, der seit 65 Jahren ohne Update läuft.

Es ist ein Dilemma

Regen wir uns über die Verhetzer auf, besorgen wir nur ihr Geschäft. Weil erst der Skandal ihr Gift in den Fernseh-Hauptabend und in die Krone, bis hinunter in die Gratisblätter pumpt. Und so der Kern der Propaganda – verdichtet zur Schlagzeile, in seiner Schlagkraft noch mal erhöht – auch jene politisch Abwesenden erreicht, die klassisch werbend kaum erreichbar wären.

Ignorieren wir die Provokation hingegen, schalten ihre Urheber schon morgen eine Stufe höher. Unter dem stillschweigenden Sanktus, dass wir den Schritt zuvor keiner Aufregung für Wert befanden.

Und die „Nazikeule“ ist ohnehin eine höchst untaugliche Waffe im Kampf gegen die Nachfahren im Geiste des Führers. Mit jedem Schlag wird sie stumpfer und es gibt nur den falschen Moment ihres Einsatzes:

Kommt sie zu früh, warnt sie vor dem scheinbar Unsichtbaren.
Kommt sie zu spät, drischt sie unverstanden auf das längst Normale ein.

Und so sitzt der Frosch noch arglos drin, im Topf. Doch sein Wasser, unter blauer Flamme, es wird stetig wärmer


Update 27.9.:

  • Der Standard hat mich kontaktiert und die Geschichte aufgegriffen. Nachzulesen am Dienstag, bei „RAU“ und auf Seite 2.
  • Blogger „Patho(b)logus“ hat sich gefragt, warum das scheinbar harmlose Mundwässerchen „Odol“ im Comic zu „Odal“ umbenannt wurde – einem Begriff bei dem Google fast nur Naziseiten ausspuckt.
  • Der VSStÖ hat sich in seinem Blog noch tiefgründiger mit der problematischen Symbolik der Strache-Comics befasst.

Es gilt die Zufallsvermutung.

Update 29.9.:

  • Rainer Hazivar hat für die heutige ZIB2 sehr schön die Ereignisse zusammengefasst – quasi von „Stürmer“ bis „Odal“ (und etwas Bas|se|na ist auch dabei).