Allmachtsfantasien

Regierungsauflösung, Oberbefehl, Weltherrschaft… Bundespräsident Heinz Fischer warnt seine wahlkämpfenden potenziellen Nachfolger vor Allmachtsfantasien.

HBP_Traum_Wirklichkeit

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[Wahl 2013] Plötzlich unentschlossen

Es ist etwas passiert. Zwei Tage vor der Nationalratswahl gehöre ich plötzlich zu den Unentschlossenen. Dabei war mir seit Monaten völlig klar, wen ich diesmal wählen werde. Und dann habe ich eine Autofahrt zu lange über die NEOS nachgedacht.

Eigentlich wollte ich ja was twittern in der Art:

Das ist das erste Mal, dass ich mir bei einer Partei, die ich nicht wählen werde, unbedingt wünsche, dass sie ins Parlament kommt!

 

Und dann kam vor meinem geistigen Ohr schon die berechtigte Frage:

Wenn du wirklich willst, dass sie reinkommen, warum wählst du sie dann nicht…?

Puh, guter Punkt… (Merke: wenn man in einem Selbstgespräch ins Straucheln kommt, sollte man seine Argumente überdenken.)

Nun, eigentlich will ich ja, dass die NEOS vor allem der ÖVP so richtig weh tun. Nicht aus purer Bösartigkeit, sondern um diese Partei endlich „aufzuwecken“. Unausweichlich ihre längst fällige Erneuerung anzustoßen, sie – ohne Selbstverleugnung – auf einen frischen politischen Kurz zu führen (netter Freudscher Verschreiber) und damit zurück in die Wählbarkeit als zeitgemäße bürgerliche Alternative. So gesehen stehen die NEOS für alle enttäuschten Hoffnungen, die ich vielleicht jemals in die ÖVP gesetzt habe.

Naja, und ich wähle die ÖVP nicht, also muss ich mich nicht umentscheiden, sondern nur die Anderen…

Aber die wählen „ihre“ Partei ja auch nicht unbedingt leichtfertiger als du. Von anderen etwas zu verlangen, was weh tut, und es für sich selber auszuschließen, ist das nicht ein bissl … heuchlerisch?

Gute Frage: warum schließe ich für mich kategorisch aus, den NEOS ins Parlament zu helfen?

In erster Linie, weil ich mich schon für eine Partei entschieden habe. Monate, bevor ich die NEOS überhaupt auf dem Radar hatte.  Und ich war eigentlich ganz zufrieden mit meiner Entscheidung.

Die Grünen haben in diesem Wahlkampf – zum ersten Mal, glaub ich, in ihrer Geschichte – fast alles richtig gemacht. So richtig Zug zum Tor gezeigt. Und sich einen unumstrittenen Ruf als Aufdecker und Korruptionsbekämpfer gemacht. Ich tät’s ihnen wirklich gönnen, an diesem Wahltag mal die volle Ernte einzufahren, statt schon wieder belämmert als „Umfragekaiser“ dazustehen.

Andererseits, die Grünen sind sicher drin. Wo wiegt meine Stimme jetzt schwerer: Wenn ich die Grünen für ihre Arbeit „belohne“? Oder wenn ich den NEOS zum Einzug ins Parlament verhelfe…?

Eins ist sicher, wenn alle sagen

„Vor den NEOS hab ich echt Respekt. Die wären eine Bereicherung fürs Parlament. Jeder, der eine andere Partei als ich wählt, soll bitte ernsthaft erwägen, diesmal die NEOS zu wählen.“

 

Dann wird das nix.

Und obwohl sie auf dem Papier nicht mal die passendste Partei für mich sind, will ich, dass es was wird. Weil:

  • Die NEOS sind eigentlich ein Wunder: Da sind Leute dabei, die intelligent und erfolgreich sind. Die Visionen haben und spürbar darauf brennen, dieses Land aus seiner Erstarrung zu lösen. Die etwas bewegen wollen und wo einige schon bewiesen haben, dass sie das auch können. Solche Menschen tun sich den Einstieg in die Politik in Österreich eigentlich schon lange nicht mehr an, hab ich gedacht.
  • Wenn die NEOS ins Parlament kommen, ist die Rot-Schwarze Koalition definitiv hoffentlich definitiv Geschichte.
  • Und apropos Geschichte, die könnte am Sonntag von den NEOS auch geschrieben werden: Sie wären die erste Partei der Zweiten Republik, die es aus dem Stand ins Parlament schafft. Ein Signal, das nicht nur die ÖVP aufrütteln dürfte.

    [Nachtrag 30.9.: Wenn man NEOS-LIF-Partnerschaft berücksichtigt, haben die Grünen es schon 1986 ähnlich geschafft und gleich nach dem Krieg die WdU auch schon mal.]

So unentschlossen höre ich mich jetzt gar nicht mehr an. Schreiben hilft ganz gut beim Gedanken sortieren. Aber noch ist nicht Sonntag…



Entfesselung by ÖVP

Die ÖVP plant für den ORF eine Proporzführung und möchte gesetzlich regeln, was ORF-Journalisten auf Twitter und Facebook sagen dürfen. Aber wie passt das zum zentralen Claim der ÖVP in diesem Wahlkampf? … Perfekt!

OEVP_entfesselt

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Österreich-Werbung wirbt für Esoterik-Schwindel

Fangen wir positiv an. So sieht großartige Tourismuswerbung aus:


Vimeo-Video: Inspired by Iceland.

Und nun zu Österreich…

CNN hat gestern unseren internationalen Claim „It’s got to be Austria“ an die Spitze der fragwürdigsten Tourismus-Slogans der Welt gereiht. Halb scherzhaft schlägt der Autor in Anlehnung an „unseren“ Terminator einen besseren Slogan vor: „Austria – You’ll Be Back.“

Das ist ja alles nicht so ernst. Wirklich fragwürdig ist aber, wofür die Österreich-Werbung so Werbung macht. Hier das meistgeklickte Video auf einem ihrer offiziellen Youtube-Kanäle:

Österreich-Werbung - Granderwasser

Flash-Player herunterladen
[Youtube-Video]

Youtube-Video: Belebtes Wasser aus Österreich

Ja richtig, den Klickrekord hält dort seit ca. vier Jahren ein Propagandafilmchen für „belebtes“ Grander-Wasser. Einen mehrfach gerichtsanhängigen Esoterik-Schwindel, für dessen behauptete Effekte es keinen einzigen wissenschaftlich haltbaren Beleg gibt. Abgesehen vielleicht von den ca. 13 Millionen (!) Euro, die für diesen Humbug jährlich in die Kassen findiger Tiroler fließen.

Die freuen sich folgerichtig auch sehr über diesen Film, über den man auf der Grander-Homepage Erstaunliches erfährt:

Österreich-Werbung - GranderIm Auftrag der Österreich Werbung (www.austria.info) zeigt Jörg Pfeifer in einem Film (4,20 min), was am belebten Wasser aus Jochberg dran ist …

 

„Im Auftrag der Österreich-Werbung“ – die sich zum größten Teil aus Steuergeldern und Pflichtbeiträgen der Wirtschaftskammer finanziert. Ich muss mich korrigieren, irgendwas ist an diesem Wasser doch dran, denn das stinkt gewaltig!



9/11

Der Zufall wollte es, dass ich heute vor genau zehn Jahren mit einer Gruppe von Freunden und Studienkollegen auf Urlaub in New York war. Die folgenden Bilder, und weitgehend unverändert auch die Texte, stammen aus dem Backup eines längst verschollenen Webalbums, das ich nach unserer Heimkehr für meine Fotos erstellt hatte. Der heutige Jahrestag hat mich endlich dazu bewogen, diese Erinnerungen dem Vergessen zu entreißen – auch dem eigenen – und euch hier von einem zehn Jahre jüngeren Ich schildern zu lassen, wie das „damals“ war, aus seiner Sicht…

 

Ich bin sicher, ich habe vor Ort viel länger gebraucht, das Ganze zu realisieren, als viele der Millionen Menschen, die die Ereignisse im Fernsehen mitverfolgt haben.

Drei Tage vor seinem Einsturz waren wir noch selber auf dem Südturm. Haben uns im 107. Stock den simulierten Heli-Flug über Manhattan gegeben. Die Greenbox gesehen, vor der Touristen sich ablichten ließen, um übergroß in Souvenirbilder einmontiert zu werden, wie sie scheinbar auf den Dachkanten der Türme balancieren oder mit lachendem Gesicht von ihnen herabfallen. Haben unsere Nasen an die vom Boden bis zur Decke reichenden Fensterscheiben gedrückt, so dass uns nur mehr das Plexiglas vom 400 Meter tiefen Abgrund trennte. Auf der Plattform ganz oben die unglaubliche Aussicht genossen. Wir blieben vom späten Nachmittag bis zum Abend, um auch die Lichter der Stadt sehen zu können.

Unten am Plaza habe ich noch ein letztes Mal hochgesehen. Diese beiden gewaltigen Tower gleichzeitig im Blick gehabt. Ich erinnere mich, dass ich den WTC-Plaza teilweise rückwärts gehend verlassen habe, immer wieder staunend zurücksah.

Es war unvorstellbar, dass geschehen konnte, was geschehen war. In Reiseführern war von einem Flugzeug der US-Luftwaffe zu lesen, das gegen das Empire State Building geflogen war, ohne größeren Schaden am Gebäude zu hinterlassen. Auch vom Anschlag auf das WTC 1993 war zu lesen, ebenso ohne größere Folgen. Diese Gebäude schienen kaum verwundbar. Umso größer der Schock, das Entsetzen, die Fassungslosigkeit. Am 11.9. und in den Tagen danach.