Telekom Austria – Auf dem AGB-Friedhof des Grauens

Liebe Tele kom aus Tria, ich gestehe: Ich habe die AGB nicht gelesen, obwohl ich das Hakerl angekreuzt hatte. Aber ich mache mildernde Umstände geltend...

Letztens hab ich online eine kleine Vertragsoption unseres Festnetzanschlusses geändert. Und wie’s so der Brauch ist, geht das natürlich nur, wenn man auch die AGB als gelesen ankreuzt:

telekom_agb_bestaetigung

„Ich bestätige, die AGB Komm samt LB und EB Online-Rechnung Neu, die für dieses Produkt gelten, gelesen zu haben und damit einverstanden zu sein.“

 

Wer nun glaubt, hinter dieser Satzkonstruktion Schlimmes ahnen zu müssen, hat nicht den blassesten Schimmer, was einen hinter diesem AGB-Link der Telekom tatsächlich erwartet:

Willkommen auf der Telekom AGB-Müllhalde

Na, wer findet hier die „AGB Komm samt LB und EB Online-Rechnung Neu“? Satte 397(!) PDF-Dateien hat mein Downloadmanager auf der AGB-Seite gezählt. Irgendwer muss da mächtig viel Spaß gehabt haben. Ob’s Konsumentenschützer auch so witzig fänden, darf allerdings bezweifelt werden…

 

Liebe Telekom, ich hab’s wirklich versucht. Auch war mein Ehrgeiz durchaus geweckt, denn ich mag Rätsel. Und es musste ja eine ganz einfache Lösung geben, denn das konnte ja so nicht euer Ernst sein. Aber ich habe versagt. Schon nach wenigen Minuten habe ich aufgegeben, das Häkchen gesetzt: „gelesen und zugestimmt“.

Doch seither plagen mich Zweifel. Vielleicht ist’s ja wie damals? 2005, als eine Softwarefirma in ihren Lizenzbedingungen einen Passus versteckte, wonach der Erste, der den Text tatsächlich läse, 1.000 Dollar bekäme. (Schlappe vier Monate hat es damals gedauert, bis sich jemand das Geld abholte.)

397 AGBs, „LBs“ und „EBs“ – vielleicht ist das nur der nächste Level? Es käme auf einen Versuch an. Und schlimmstenfalls am Ende die Erkenntnis: Ihr habt nur Nieten…

Twitter hat mein Blog gekillt

Erschreckend, aber wahr: das Meiste, was mir blogwürdig scheint, lässt sich auch in 140 Zeichen auf den Punkt bringen. Oft sogar besser als in ausufernden, langatmigen … seht ihr, es fängt schon wieder an *g* … Blogeinträgen.

Twitter zwingt einen, Sachverhalte kurz und prägnant rüberzubringen. Grad für mich eine Herausforderung, die ich sehr gerne angenommen habe :-)

Natürlich wird es immer noch die Geschichten geben, für die ich mein Blog ursprünglich eingerichtet habe. Dinge, die mich beschäftigen, berühren, irritieren, die nicht schon tausendfach in anderen Blogs durchgekaut und neu verdaut wurden und die sich beim besten Willen nicht in eine SMS quetschen lassen. Für die wird auch weiterhin hier Platz sein.

Alles Andere hier: http://twitter.com/bassena
(auch als Feed zum Abonnieren oder gleich hier rechts in der Sidebar)

Aggressives Betteln ist in Wien verboten, dachte ich

Da hab ich mich schon gewundert, als ich gestern vom Turek Modeshop so runter auf das Treiben in der Mariahilfer Straße blickte. Naja, „Treibjagd“ hätt’s wohl besser getroffen, was die Spendenkeiler einer bekannten Non-Profit-Organisation da auf ihrer Provisionsjagd aufgeführt haben:

Flash-Player herunterladen
[Youtube-Video]

Youtube-Video: Spendenkeiler auf Provisionsjagd in der Wiener Mariahilfer Straße

Dafür hab ich übrigens gar nicht lange filmen müssen. Das alles hat sich gestern zwischen 16:35 und 16:38 Uhr abgespielt – innerhalb von knapp vier Minuten also.

Ich versteh’s echt nicht: wie passen solche Methoden ausgerechnet zu jenen, die sonst immer so schnell sind, mit dem moralischen Zeigefinger…?

Historische Zeitungen zur Bankenkrise

Manchmal lohnt es sich, in alten Zeitungen zu stöbern. Dankenswerterweise scannt die Österreichische Nationalbibliothek bereits seit 2003 historische Zeitschriften ein und stellt sie in einem stetig wachsenden Archiv auf „ANNO“ (Austrian Newspapers Online) öffentlich zum Abruf bereit.

Leider sind die Texte noch nicht durchsuchbar, daher hier mal so zwei Beispiele – aus gegebenem Anlass sozusagen:

Schutz für die Zentralbank Deutscher Sparkassen

Die Regierungsaktion im Gange.

Neue Freie Presse, 1. Juli 1926 (Quelle: ANNO/ÖNB)

Es ist kein sehr angenehmes Geschäft, immerdar als Beschwichtigungshofrat anzurücken. Die Rolle des Alarmisten ist weitaus dankbarer, denn in Österreich ist es ja schon zu einer Art Gesellschaftsspiel geworden, den Pessimismus in allen Variationen: Schwarz, Schwärzer und am Schwärzesten zur Schau zu tragen. […] [Aber] diesmal muß doch die Beschwichtigung ganz ernst gefordert werden und die Regierung hat erkannt, die Quelle der Gerüchte müsse verstopft werden und gleich von Anfang an dürfe kein Zweifel obwalten über den Schutz der Einleger, über die Verteidigung des Vertrauens und über die Gewißheit der ökonomischen Kampfkraft. Was ist das Wesen der Zentralbank Deutscher Sparkassen? Sie ist eine Art Dachgesellschaft für die meisten großen Sparkassen von Österreich. Sie steht insbesonders mit Graz, Salzburg und Niederösterreich in der innigsten Verbindung, und wenn erst einmal diese kleinen Leute in Bewegung kommen, wenn man bis aufs Land hinaus die Furcht erwecken würde wegen der Sicherheit der hinterlegten Gelder, dann Gnade uns Gott, dann müßte eine neue Periode wirtschaftlicher Krise beginnen durch die Lähmung der kleinen und kleinsten Zellen, durch die Schädigung jener Kapillargefäße, die für den Gesamtorganismus genau dieselbe Wichtigkeit besitzen wie die großen Arterien.

Eine solche Krise wird nicht erfolgen. Die Bundesregierung übernimmt nach dem amtlichen Communiqué die Vorsorge für die Sicherung der Einlagen, das bedeutet eine förmliche Haftung, und sie hat zu gleicher Zeit den naturgemäßen Schutz aus dieser Verpflichtung gezogen, indem sie den Oberkurator der Niederösterreichischen Hypothekenanstalt, Herrn Streeruwitz, damit beauftragt, die Aktion zum Schutze der Einleger durchzuführen. Es ist also beinahe eine Verstaatlichung, die hier ganz plötzlich ins Leben tritt, es ist jedenfalls das Äußerste, was ein Ministerium für ein Privatinstitut zu leisten vermag, und so wird heute das ganze Publikum erfahren, ein Sturm auf die Schalter wäre ganz unberechtigt und genügende Mittel sind vorhanden, um ihm die Spitze zu bieten. […]

— Neue Freie Presse1) am 1. Juli 1926 (Quelle)

 

Wirkungen der Krise

Die Kreditanstalt muß vom Staat gestützt werden.

Das Kleine Blatt, 12. Mai 1931 (Quelle: ANNO/ÖNB)

Die wachsende Wirtschaftskrise hat nun auch die größte österreichische Bank, die Kreditanstalt, in solch schwierige Lage gebracht, daß sich die Regierung gezwungen sah, sie mit der gewaltigen Summe von einhundert Millionen Schilling zu stützen. Der Staat übernimmt um 100 Millionen Schilling Aktien dieser Bank und sichert dadurch diese Bank von den weiteren Gefahren.

Diese Gefahren hätten nicht allein dem Hause Rothschild gedroht, welches Haupteigentümer der Kreditanstalt ist. Denn die Kreditanstalt finanziert nicht weniger als siebzig Prozent der ganzen österreichischen Industrie, und der gute Teil der Industrie, die da noch ist, beruht vielfach darauf, daß die Betriebe der Kreditanstalt fortgeführt werden. Eine Erschütterung der Kreditanstalt hätte auf das ganze österreichische Wirtschaftsleben wie ein Orkan gewirkt. Es war also ganz gewiß ein unabweisliches Gebot der Not, alles zu unternehmen, um diese Gefahren zu bannen.

Was sich da aber zugetragen hat, ist von allergrößter Bedeutung. Rothschild, das war der ungekrönte König Österreichs. Die Kreditanstalt, an deren Spitze er steht, beherrscht, wie schon bemerkt, nicht allein siebzig Prozent der österreichischen Industrie, sondern durch seine großen Banken in Prag, Budapest und Warschau große Teile der Industrien des alten österreichisch-ungarischen Wirtschaftsgebietes. Seit anderthalb Jahrhunderten war es so, daß jedwelche Regierung in Österreich, die Geld bedurfte, sich an Rothschild wenden musste; es ist das erstemal in der Geschichte des Hauses Rothschild, daß sich dieser Finanzkönig an die Regierung um Hilfe wenden muß, daß Staatsgelder, Steuergelder aufgeboten werden müssen, um eine Rothschildbank zu stützen, damit die ganze Wirtschaft nicht erschüttert werde.

Rothschild, die Kreditanstalt, ist freilich nur ein Glied in dieser Kette. Was sind da Staatsgelder zur Sanierung österreichischer Banken verpulvert worden! Von der Zentralbank der deutschen Sparkassen mit ihrem Schwarm von Winkelbanken über die Unionbank und Bodenkreditanstalt bis zur Kreditanstalt führt eine Linie. Nichts vermag anschaulicher das völlige Versagen des Kapitalismus zu erweisen, der in den Banken seine höchste Entwicklungsform gefunden hat, als diese endlose Kette der Bankenzusammenbrüche, die von hunderttausenden Arbeitern und Angestellten mit Arbeitslosigkeit und Hunger, die von der ganzen Bevölkerung mit vermehrten Steuern bezahlt werden mußten. Die Banken beherrschen das ganze Wirtschaftsleben, aber sie verstehen es nicht mehr zu führen. Und am Ende muß der Staat mit seinen öffentlichen Mitteln einspringen, muß die Banken stützen, muß für die Fehler und die Spekulationen ihrer Generaldirektoren aufkommen, um das größere Übel einer Wirtschaftszerrüttung zu verhüten. Der Kapitalismus ist am Ende seiner Weisheit. Er ist außerstande, die Menschen mit Arbeit und Nahrung zu versorgen, er ist außerstande, die Produktion überhaupt auch nur fortzuführen. Er wankt von Krise zu Krise, schleudert die Menschen in immer tiefere Not und muss am Ende selbst bei der staatlichen Gemeinschaft Hilfe in seiner Not heischen, die er beherrscht und ausbeutet. Was bleibt dann von seiner vielgepriesenen Wirksamkeit übrig? Die Zeit des Sterbens der kapitalistischen Wirtschaftsordnung ist gekommen. Der Krampf, unter dem sich der Kapitalismus windet, ist der Todeskrampf einer Wirtschaftsordnung, die ihre Tage erfüllt hat.

— Das kleine Blatt2) am 12. Mai 1931 (Quelle)

 

Und da heißt es immer, nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern…

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  1. Neue Freie Presse – heute: „Die Presse“ [↑]
  2. Das Kleine Blatt – Sozialistisches Kleinformat, ähnliche Ausrichtung wie Arbeiterzeitung „AZ“, aber volksnäher im Schreibstil [↑]

Beten mit Radio Horeb

Passt grad so schön, weil heut Sonntag war: Ein Gebetsdialog zwischen Radiosprecher und Anruferin auf dem katholischen Radiosender „Horeb“…


(Play-Button drücken oder MP3 direkt runterladen)

Für Interessierte: Es handelt sich wohl um den sogenannten „gnadenreichen Wundenrosenkranz“.  Leider habe ich den Aufnahmeknopf erst ca. zur Halbzeit gedrückt. Aber laut Programm dürften sie Ähnliches ohnehin mehrmals pro Tag senden.

Der meditative Charakter des stillen Rosenkranzgebets wollte sich mir hier ja nicht so recht erschließen, aber da fehlt mir wohl einfach nur der richtige Zugang…

PS: Ich hab grad eine tolle Idee für eine 0190er-Mehrwertnummer – ihr wisst schon, diese Abzockgeschichten, wo’s nur drum geht, die Anrufer möglichst lange in der Leitung zu halten. Könnte man mit etwas Geschick vielleicht sogar automatisieren ;-)

Endlich! Mein Handy strahlt nicht mehr!

Aus meiner beliebten Deppentest-Reihe…

Was seh ich denn da, in der Auslage der Trafik meines geringsten Vertrauens?

Was seh ich denn da, in der Auslage der Trafik meines geringsten Vertrauens?

Das schauen wir uns doch mal genauer an…

Endlich! Mein Handy STRAHLT NICHT MEHR!!!

Schützen auch Sie sich vor gefährlicher Handy-Strahlung und Elektro-Smog!

 

Das schauen wir uns doch mal genauer an…

Der erste Chip, den ich kenne, der sich nach einem Jahr selbst zerstört. Hat was von Mission Impossible…

Mit dem chip energy life haben Sie um nur € 7,– 1 Jahr lang einen Schutz vor Handy-Strahlen.

 

Der erste Chip, den ich kenne, der sich nach einem Jahr selbst zerstört. Hat was von Mission Impossible…

Fernbedienungen, die unterschätzte Strahlengefahr in jedem Haushalt. Schützen Sie sich jetzt, für nur 7 EUR pro Jahr!

Geeignet für:

  • Handy
  • Schnurlostelefon
  • Babyphon
  • Navigationsgerät
  • Computer
  • Laptop
  • Bildschirm
  • TV-Gerät
  • SAT-Schüssel
  • Radio
  • FAX
  • Kopierer
  • Fernbedienung
  • Mikrowelle

 

Fernbedienungen, die unterschätzte Strahlengefahr in jedem Haushalt. Schützen Sie sich jetzt, für nur 7 EUR pro Jahr!

Ach was, doppelt hält besser:

Ach was, doppelt hält besser: machen wir 14 EUR!

So wird der Energy life Chip am Handy angebracht:

WICHTIG Pro Handy 2 Chip! [sic!]

1. Chip: Innenseite des Akkus
2. Chip: Rückseite des Handys

 

Und wie … äh … „funktioniert“ das Ganze?

Und so … äh … ‚funktioniert‘ das Ganze

Natürliche Schwingungsinformationen werden mittels Informations-Bio-Laser (IBL) auf den Chip gespeichert (vergleichbar mit CD-Brenner). Dies bewirkt, dass die schädliche Handy-Strahlung repolarisiert wird (von negativ auf positiv). Jetzt kann die Energie wieder normal fließen.

 

Ah ja.

Was, wenn Bischof Wagner Recht hat?

Warum Weihbischof Wagner sich lieber nicht wünschen sollte, dass Hurrikan Katrina eine Strafe Gottes war…

Der neue Linzer Weihbischof Wagner schrieb in seinem Leid und Menschen verachtenden Pfarrbrief, Hurrikan Katrina habe „nicht nur alle Nachtclubs und Bordelle vernichtet, sondern auch alle fünf (!) Abtreibungskliniken“. Und wäre Katrina nicht gewesen, hätte zwei Tage später „im französischen Viertel eine Parade mit 125.000 Homosexuellen“ stattgefunden. „Christen, die dagegen protestierten, sollen laut Presseberichten im Vorjahr ins Gefängnis gesperrt worden sein.“

Nun, ganz richtig ist das nicht…

Katrina hat nicht „alle Nachtclubs und Bordelle vernichtet“, wie Wagner in einer Art Sodom und Gomorrha-Rausch schreibt. Ganz im Gegenteil: Das French Quarter – das Amüsierviertel von New Orleans, mit all seinen Bars, Bordellen und einer höchst lebendigen Schwulenszene – blieb als einer der ganz wenigen Flecken der Stadt von Hurrikan und Fluten weitestgehend verschont. Wie durch ein Wunder, möchte man fast sagen. Auch auf die Abtreibungsquote – wie immer man dazu stehen mag – hatte die Katastrophe keinen nachhaltigen Einfluss.

Ungleich härter getroffen hingegen hat Katrina die katholische Kirche von New Orleans. Der Gesamtschaden belief sich auf fast 300 Millionen Dollar. 36 kath. Kirchenhäuser und Pfarrgemeinden mussten infolge des Hurrikans für immer aufgegeben werden. Die wegen der Schäden, sowie aus demographischen und finanziellen Gründen notwendig gewordenen Restrukturierungen dauern immer noch an. Christen, die dagegen protestierten, sollen laut Presseberichten Anfang 2009 ins Gefängnis gesperrt worden sein.

Wäre ich abergläubisch, würde ich mich an Stelle Wagners ja fragen, warum jene, die laut Pfarrbrief auf Seite des Guten protestierten, durch den Hurrikan so viel mehr verloren, als jene, gegen die sie protestierten. Und warum sie immer im Gefängnis landen… ;-)

Das BZÖ im Spiegel der Evolution

Zur letzten Nationalratswahl hat Stefan Petzner fürs BZÖ die besten Plakate des Wahlkampfs abgeliefert, so der Tenor vieler Beobachter. Kein Wunder, dass der Mann für den anstehenden Kärnten-Wahlkampf wieder ran musste.

BZÖ Wahlplakat 2009 – ‚Wir bewahren das Gute‘

Doch was ist hier passiert?

Verkrampfte Posen1), flaches Licht und ebensolche Slogans. Irgendwie uninspiriert.

Nun ja, etwas dürfte Petzner da angesichts seiner Parteikollegen schon inspiriert haben…

BZÖ im Spiegel der Evolution … oder so

Ja ja, das Unterbewusstsein is a Hund.

Falls mich wer sucht, ich bin in der Garage – Radmuttern kontrollieren.

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  1. Sollte Uwe Scheuch wirklich an Rheuma leiden, möchte ich natürlich keinesfalls pietätlos wirken – vielleicht hat er aber auch nur Dörflers Scheit gegen’s Knie bekommen? [↑]

Dieses Kaufhaus wird von Norton geschützt

In Paris wurden vorgestern erst nach einem Bekennerschreiben mehrere Sprengsätze in einem Kaufhaus entdeckt. Im Linzer „Passage“ könnte das nicht passieren:

Passage-Kaufhaus Linz: Norton Security Scan – Es wurden Bedrohungen erkannt

Passage-Kaufhaus Linz: Norton Security Scan – Es wurden Bedrohungen erkannt

Passage-Kaufhaus Linz: Norton Security Scan – Es wurden Bedrohungen erkannt

Passage Linz Vidiwall: „Norton Security Scan – Es wurden Bedrohungen erkannt. Beheben Sie diese Bedrohungen.“

„Das frrreie Worrrt“ der Kronen Zeitung

Frage: Wie kriegt man möglichst schnell einen Überblick über das Spektrum rechtsradikaler, revisionistischer1) und neonazistischer Seiten im deutschsprachigen Internet? Man googelt einfach ein paar Zitate aus einem Krone-Leserbrief.

Die folgende Zuschrift erschien letzten Donnerstag in der Kronen Zeitung, zu einem harmlosen Thema, eigentlich. Extra grau hinterlegt, mit Foto als Blickfang und Rahmen drum rum. Eine besondere Auszeichnung im „freien Wort“ und Hinweis, dass Herausgeber und Redaktion diesen Brief wohl für besonders lesenswert halten:

Verhindert Internet Kriege?

Kronen Zeitung, Do. 11. Dez. 2008, S. 30

„[…] Hätte Internet nach dem für Deutschland verlorenen Krieg den sinnlosen Mord an 500.000 Flüchtlingen, Alten, Frauen und Kindern in Dresden verhindern können? Wohl kaum, denn Sir Winston Churchill hätte den Befehl, „die Flüchtlinge aus dem Osten in Dresden zu braten“, auch ausgegeben, wenn es damals schon Internet gegeben hätte […]“

(Quelle: Kronen Zeitung, 11. 12. 2008, S. 30)

 

Eins vorweg: die Angriffe auf Dresden und andere Städte waren verheerend und eine derartige Flächenbombardierung der Zivilbevölkerung würde heute zu Recht als Kriegsverbrechen eingestuft. Allerdings sprechen seriöse Quellen von etwa 25.000 Opfern in Dresden. Immer noch viel zu viele, aber nicht annähernd die vom Leserbriefschreiber behauptete halbe Million. Wo kommt so eine Zahl her? Nun, fragen wir Google.

Einmal Irving

Gleich der erste Link führt auf eine Propagandaseite, die von Google Deutschland sogar ausgeblendet werden muss und daher nur bei google.at aufscheint. Diesen Müll sollte man sich aber sowieso lieber sparen. Interessanter ist diese Seite, die sehr übersichtlich Aufschluss darüber gibt, woher die Zahl im Krone-Leserbrief stammen könnte:

Zahlenangaben – Dresden, alliierte Luftangriffe

  • 135.00 Opfer
    Diese Zahl geht auf David Irving zurück.
  • 202.040 Opfer
    Diese Zahl wurde von David Irving verbreitet. Sie beruht auf einem gefälschten Polizeibericht von 1945. [Die Nazis hatten einfach an jede Zahl eine Null angefügt; Anm.]
  • 250.000 bis 500.000 Opfer
    Diese Zahlen tauchen in diversen rechtsextremen Publikationen auf und haben meist keinerlei dokumentarische Grundlage oder gehen auf die gefälschte Zahl von 202.040 Opfern zurück.

Quelle »

 

Irving ist ein verurteilter Holocaust-Leugner und -Relativierer. Tja, und so führt die Frage nach der Herkunft dieser schauerlichen Zahlen auch gleich unmittelbar zu ihrem Zweck.

Zweimal Irving

Wir erinnern uns, Herr P. aus S. schrieb auch noch, Churchill habe den Befehl gegeben, „die Flüchtlinge aus dem Osten in Dresden zu braten“.

Die Anführungszeichen deuten auf ein Zitat hin. Aber wie authentisch ist es? Kann Google hier noch mal weiter helfen?

Es kann. Doch was hier als Suchergebnis kommt, lässt sich am besten wie eingangs beschreiben: als buntes Spektrum neonazistischer, revisionistischer und rechtsextremer „Heimseiten“. Es ist wirklich – und das hat man selten – praktisch keine „normale“ Seite im Suchergebnis dabei.

Dafür wimmelt es vor seltsamen keltischen Runen (die Swastika ist ja verboten), zwanghaft eingedeutschten Begriffen, Judenfeindlichkeit und Geschichtsverdrehungen. Von „Dresden-Holocaust“ ist hier zB die Rede und man kann sich des Eindrucks kaum erwehren, dass Churchill fast der schlimmere Hitler war, in den Augen dieser Menschen.

Und die Quelle für das angebliche Zitat finden wir auch – es ist immer dieselbe:

[…] Der britische Zeitgeschichtler David Irving zitierte am 13. Februar 1990 anläßlich eines Vortrags zum 45. Jahrestag der Vernichtung von Dresden im Dresdner Kulturpalast den Kriegsverbrecher Churchill: „Ich möchte keine Vorschläge haben, wie wir kriegswichtige Ziele im Umland von Dresden zerstören können, ich möchte Vorschläge haben, wie wir 600.000 Flüchtlinge aus Breslau in Dresden braten können.“

(Quelle: suche selbst, wer unbedingt mag)

 

Hm, einmal Irving als mögliche Quelle in einem Krone-Leserbrief, das kann auch ein unglücklicher Zufall sein. Aber zweimal Irving…?

Die Ecke, aus der das Gedankengut des Briefes kommt, ist mangels alternativer Quellen jedenfalls klar. Aber man musste auch schon vorher kein Geschichtsexperte sein, um bei den im Brief gezeichneten Bildern ins Grübeln zu kommen.

Und Dichand?

Der veröffentlicht diese revisionistische Propaganda, die sich ins dunkelbraunste rechte Eck zurückführen lässt, nicht nur kommentarlos, er und seine Redaktion finden den Brief auch noch so toll, dass sie ihn optisch sogar besonders hervorheben, auf ihrer Krone-Leserbriefseite.

Bei so viel Geschichtsbewusstsein ist es wirklich gut, dass wir in Österreich ein Verbotsgesetz haben. So bleibt uns zumindest das Ärgste erspart, im „freien Wort“ der Krone.

 

Update 20:49 Uhr:
Eben sehe ich nebenan im Krone-Blog, dass im frrreien Worrrt bereits ungeniert über „Untermenschen“ fabuliert werden darf.  Ich war wohl zu optimistisch, was das Ersparen betrifft… :-(

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  1. Revisionismus: Der Versuch, die Geschichte umzudeuten (zB Leugnung/Relativierung des Holocausts [↑]